HypoVereinsbank Bittere Pille versäuert hohe Gewinne

Ein Geschenk der Hypo-Bank: 3,5 Milliarden Mark Altlasten bringt die Bank in die neue HypoVereinsbank ein. Im Vorstand sollen Köpfe rollen.

München - Trotz erheblicher Immobilienaltlasten und Turbulenzen auf den Finanzmärkten will die neue HypoVereinsbank in ihrem ersten Geschäftsjahr 1998 ein zweistelliges Gewinnplus erreichen. Entgegen den Erwartungen führender Finanzmarktanalysten hat das zweitgrößte deutsche Kreditinstitut in den ersten neun Monaten das Betriebsergebnis nach Risikovorsorge um 10,3 Prozent auf 2,5 Milliarden Mark gesteigert. "Der Start war besser, als wir uns erträumt haben", sagte Albrecht Schmidt, Vorstandssprecher der HypoVereinsbank, am Mittwoch in München. Eine bittere Überraschung servierte jedoch die alte Hypo-Bank: Nach der Fuion am 1. September wurden 3,5 Milliarden Mark Immobilien-Altlasten aufgedeckt.

Ursache seien riskante Grundstücksentwicklungsgeschäfte nach der Wiedervereinigung vor allem in den neuen Bundesländern, wie sie auch andere Banken getätigt hätten, erklärte Schmidt. Schmidt warf der Führung der ehemaligen Hypo-Bank, die von der Vereinsbank de facto übernommen wurde, unvorstellbares Versagen vor, weil sie nicht im nachhinein für eine ordentliche Bewertung gesorgt habe und kündigte personelle Konsequenzen an. "Die Aufdeckung dieser Risiken hat mich tief erschüttert", sagte der HypoVereinsbank-Chef. Durch einen Griff in die 15,8 Milliarden Mark starken Reserven würden aber Auswirkungen auf das operative Ergebnis verhindert.

Auch die Finanzkrisen in Fernost und Rußland schlagen sich bei der HypoVereinsbank nieder. Die "Bank der Regionen", die sich hauptsächlich auf den Ausbau in Europa konzentriert, wurde davon aber weniger getroffen als andere deutsche Großbanken. Für 1998 stockt die HypoVereinsbank ihre Risikovorsorge aufgrund der Verwerfungen in Rußland und Asien um 300 Millionen DM auf 2,8 Milliarden DM auf. In Rußland belaufen sich die Länderrisiken aktuell auf 580 Millionen Mark, die nunmehr zu 70 (zuvor 50) Prozent abgeschrieben seien. Das Engagement in Asien bezifferte Schmidt mit einer Milliarde Mark. Zusätzlich seien hier 130 Millionen DM wertberichtigt worden.

Schmidt kündigte an, die Bank noch konsequenter als bisher auf ihre Kerngeschäftsfelder wie Immobilienfinanzierung und Vermögensverwaltung zu konzentrieren. Die Risikovorsorge soll bereits 1999 auf 1,8 Milliarden Mark reduziert und bis 2001 auf 1,4 Milliarden Mark halbiert werden. Das angestrebte Eigenkapitalrendite-Ziel von 15 Prozent will Finanzchef Wolfgang Sprißler früher als geplant (2003) erreichen.

Die Krise an den Finanzmärkten habe die HypoVereinsbank besser überstanden als die meisten Wettbewerber, erklärte Schmidt. Selbst im stürmischen dritten Quartal habe man noch 90 Millionen Mark im Eigenhandel verdient. In den ersten neun Monaten 1998 lag das Ergebnis aus Finanzgeschäften mit 430 Millionen Mark aber um 15 Prozent unter dem Vorjahreswert. Beim Zinsüberschuß legte die Bank dagegen um 7,4 Prozent auf 7,6 Milliarden Mark zu. Der Provisionsüberschuß stieg um 15,6 Prozent auf 2,5 Milliarden Mark. Die Bilanzsumme des Konzerns erhöhte sich um 5,6 Prozent auf 858 Milliarden Mark. Bei den Wohnungsbaufinanzierungen stiegen die Neuzusagen um zehn Prozent auf 26 Milliarden Mark. Die Beschäftigtenzahl verringerte sich bis Ende September um rund 200 auf 40 200.

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