Deutsche Telekom Das magentafarbene Stehaufmännchen

Viele sahen Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke schon fallen - doch nun bestärkt ihn der Aufsichtsrat in seiner Linie. Mit neuen Kompetenzen und einer neuen Strategie will der Gescholtene das Unternehmen auf Kurs bringen.

Bonn - Eigentlich sollte sein Stuhl wanken, viele sahen ihn schon fallen. Eigentlich, denn nun bekommt er Unterstützung. Der Aufsichtsrat hat Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke demonstrativ den Rücken gestärkt.

Die Deutsche Telekom  beschloss auf einer Strategietagung am Samstag, dem Konzernvorstand Schlüsselfunktionen zu übertragen. Ricke hatte diese Maßnahmen angeregt. Er selbst soll ab sofort neben dem weltweiten Marken-Management auch für Werbeplanung, Mediakoordination und das Werbebudget zuständig sein. Die Konzentration etlicher Aufgaben auf den Vorstand ist nur ein Teil einer Strategie, mit der Ricke den Bonner Telekommunikationskonzern aus der Krise lenken will. Rickes Kompetenzen sind dadurch erweitert worden.

Nachdem die Telekom ihre eigenen Geschäftsprognosen jüngst gesenkt hatte, wurde der Konzern und vor allem Ricke scharf kritisiert. Selbst Ricke hatte jüngst eingestanden, die Wachstumsaussichten in Deutschland überschätzt zu haben. Sein Rücktritt schien nur noch eine Frage von Tagen zu sein.

Doch im Vorfeld der Tagung hatte sich der Telekom-Chef bereits wieder kämpferisch gezeigt. Er sollte Recht behalten; es sei keine Kritik an der Strategie geäußert worden, sagte er. Ricke sprach von einer konstruktiven und konzentrierten Diskussion. "Ich fühle mich wirklich gut." Personalfragen seien kein Thema gewesen. Auf die Frage, wann er mit einer Vertragsverlängerung rechne, sagte Ricke: "Ich mache mir dazu derzeit keine Gedanken." Rickes Vertrag läuft im November 2007 aus. Normalerweise signalisiert ein Unternehmen Interesse an einer Vertragsverlängerung spätestens ein Jahr vor Auslaufen des alten Kontraktes.

Die neue Führungsstruktur sei die Grundlage für das Programm "Telekom 2010", erläuterte Ricke seinen Sieben-Punkte-Plan. Das Ziel sei, Europas führendes Telekommunikationsunternehmen zu sein - und zwar nicht nur am Umsatz gemessen, sondern auch am Ertrag.

Umbau an der Konzernspitze

Umbau an der Konzernspitze

Der Chef der Geschäftskundensparte T-Systems, Lothar Pauly, übernimmt in weltweiter Verantwortung die Bereiche Netztechnik, IT und Einkauf. T-Mobile-Chef Rene Obermann soll den deutschen stationären Vertrieb steuern. Diese Aufgabe umfasst die Ladengeschäfte T-Punkt sowie die Handelspartner. Diesen Bereich hatte bislang Festnetz-Chef Walter Raizner abgedeckt.

Die Telekom müsse ihren Marktauftritt in Deutschland stärker koordinieren und gleichzeitig die Kostenstrukturen deutlich reduzieren, so Ricke. "Dies geschieht unter Wahrung der klaren weltweiten Geschäftsverantwortung von T-Mobile, T-Com und T-Systems."

Ein weiterer Teil des Rickeschen Planes sind die bereits auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin vorgestellten Bündelangebote, mit der die Telekom ihren Kundenschwund im Festnetz stoppen will. Allein im ersten Halbjahr 2006 verlor das Unternehmen eine Millionen Kunden. Auch die Forcierung des Auslandsgeschäfts gehört zum Plan: Die Telekom prüfe Möglichkeiten für den Eintritt in den Breitbandmarkt und werde die Position in Osteuropa gezielt weiter ausbauen. In dem stark wachsenden US-Mobilfunkmarkt gehe es zuallererst um den Ausbau des Marktanteils, ebenso wie im Geschäftskundensegment. Auch den Service will Ricke deutlich verbessern, die Kosten deutlich senken. Bis 2010 solle die Telekom zum ertragstärksten Unternehmen der Branche in Europa werden, sagte Ricke. Für den deutschen Markt, wo der Konzern mit rückläufigem Umsatz und Gewinn zu kämpfen hat, gab Ricke das Ziel einer "nachhaltigen Ertragssicherung" aus - fast schon prophetisch.

Nur den Gewerkschaften missfällt das Programm. Wenn die Telekom nicht genügend Personal zu annehmbaren Konditionen habe, blieben die Ankündigungen für mehr Service und Innovation "reine Sprechblasen", sagte Verdi-Vorstandsmitglied Lothar Schröder. Spannend bleibt, wie die Anleger an der Börse diese Volte bewerten.

manager-magazin.de mit Materialien von ddp, dow jones, dpa und reuters

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