Wochenausblick Sprung in den Dax

Skeptisch, aber positiv gestimmt - so sehen die Experten die Anleger in der nächsten Woche. Denn neue Erkenntnisse über Unternehmenszahlen sind nicht zu erwarten. Dementsprechend bleiben große Kurssprünge aus. Allein die Entscheidung, welches Unternehmen in den Dax aufgenommen werden soll, sorgt für etwas Spannung.

Frankfurt am Main - Die erste Woche im September dürfte dem Ruf des Monats nicht so ganz entsprechen. "Der September gilt ja traditionell als schlechter Börsenmonat, aber eigentlich gibt es ganz gute Vorzeichen für den Markt", sagt Aktienstratege Ralf Grönemeyer von der Commerzbank. Die Unternehmen würden jüngsten Umfragen zufolge weiter steigende Gewinne erwarten. Außerdem würden die politischen Bemühungen um die Steuerreform und um die Einführung der Real Estate Investment Trusts, kurz Reits, den Markt voran bringen.

Damit sind die positiven Haupttreiber der Woche benannt - denn Unternehmensnachrichten dürften in dieser Woche rar sein, weshalb sich Anleger am deutschen Aktienmarkt auch weiterhin zurückhalten dürften. Der größte Unsicherheitsfaktor ist einmal mehr im Streit um die Atompläne des Iran zu finden. "Im Moment herrscht ja der Eindruck, dass der Iran weiter mit dem Säbel rasselt, und die internationale Gemeinschaft sich nicht einig ist, wie man weiter vorgehen soll", sagt Aktienstratege Michael Köhler von der Landesbank Rheinland-Pfalz.

Einen der wenigen unternehmensrelevanten Termine liefert Volkswagen . Am Montag veranstaltet das Haus eine Analystenkonferenz, von der sich die Experten weitere Details zur geplanten Sanierung des Autokonzerns erhoffen. Das bringt die Automobiltitel in den Fokus der Anleger. Aber auch Technologieaktien dürften intensiv beäugt werden. Immerhin läuft noch bis Mittwoch die Internationale Funkausstellung, auf der etliche Neuheiten aus dem Bereich der Unterhaltungselektronik präsentiert wurden.

Am Dienstag wird darüber entschieden, wer Schering  im Dax ersetzt. Eigentlich gilt der Aufstieg der Postbank  als sicher, Konkurrent Merck KGaA  scheint abgeschlagen. Messlatte für den Aufstieg in den deutschen Standardindex sind Börsenwert und Börsenumsatz, gemessen am 31. August. Ende Juli lag die Postbank beim entscheidenden Faktor, dem Börsenwert der frei handelbaren Aktien, vor Merck. Ende Juni hatte die gelbe Bank eine Wandelanleihe gekündigt - die die Aktionäre bis Ende Juli in Aktien tauschen konnten. Damit stieg der Streubesitz erheblich. Dennoch soll Merck aufgeholt haben, da die Bonner Bank beim Börsenumsatz im August nach hinten durchgereicht wurde. "Sollte es der Postbank nicht gelingen, den Rückstand beim Börsenumsatz aufzuholen, könnte doch noch Merck das Rennen für sich entscheiden", sagt die Analystin Anke Platzek von der Landesbank Rheinland-Pfalz. "Dies ist eines der knappsten Rennen in der Geschichte des Dax", sagt Eduard Stipic von Dresdner Kleinwort.

Auch die USA rücken in der Woche wieder ins Blickfeld der Investoren. Denn die US-Daten zur Produktivität, der ISM-Index für das nicht verarbeitende Gewerbe sowie das Beige Book der Notenbank werden veröffentlicht. Daraus erhoffen sich die Aktionäre neue Hinweise auf die Verfassung der US-Konjunktur. Vor allem interessiert die Anleger, ob die Fed neue Zinserhöhungen plant. "Trichet hat für die Euro-Zone weitere Zinsschritte signalisiert, jetzt wollen wir wissen, wie es in den USA weitergeht", sagt Grönemeyer. Aktuell liegt der US-Zins bei 5,25 Prozent.

Was bleibt den Aktionären bei der dünnen Nachrichtenlage? "Sollten sich Stürme zusammenbrauen, die wichtige Ölstandorte bedrohen, könnten Rückversicherer verstärkt in den Fokus der Anleger rücken und unter Abgabedruck geraten", sagt Köhler.

manager-magazin.de mit Materialien von reuters und afp

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