Dax-Geflüster Die Angst vor dem September

Der Börsenmonat September verbreitet regelmäßig Angst und Schrecken in den Händlerräumen, denn er weist die schlechteste Bilanz aller Monate auf. Und alle vier Jahre zieht es den Dax besonders stark nach unten. Im September 2006 könnte es nach dem Gesetz der Serie wieder so weit sein.

Jede Serie ist dazu da, gebrochen zu werden. Darauf hoffen im September viele Börsianer, die im deutschen Leitindex Dax  investiert sind. Denn seit 20 Jahren bricht der Dax in diesem Börsenmonat regelmäßig besonders heftig ein. 1986 lag das Minus bei 6 Prozent, 1990 bei 18 Prozent, 1994 bei 9 Prozent und 1998 bei 7 Prozent. Im September 2002 rutschte der Dax sogar um 25 Prozent in die Verlustzone. Bleibt es bei diesem Rhythmus von vier Jahren, dann geht es 2006 wieder kräftig bergab.

"Für solch starke Kursverluste müsste es schon zu einer massiven Verschlechterung der Datenlage oder zu einer politischen Eskalation kommen", so Gerhard Schwarz, Analyst der HypoVereinsbank im Gespräch mit manager-magazin.de.

Doch auch er kennt die Problematik des gefürchteten Börsenmonats: "Der September ist wie immer eine Gratwanderung. Die beiden vergangenen Jahre lief es zwar nicht so schlecht, doch die sechs Jahre zuvor gab es im September fallende Kurse und steigende Volatilitäten", sagt Schwarz.

Derzeit halten sich Bären und Bullen die Waage, der Dax pendelt seit zwei Wochen mit leicht steigender Tendenz um die 5800-Punkte-Marke. "Das Stimmungsbild ist diffus, im September könnte sich entscheiden, von welchem Lager die Investoren überlaufen", sagt Schwarz und gibt eine Prognose ab: "Für den September erwarten wir eine Konsolidierung, die den Dax zumindest auf die technische Unterstützungsmarke von 5680 Punkten zurückführen sollte".

Die Möglichkeiten, warum es zu einem Rückgang der Kurse kommen könnte, sind vielfältig. Zum einen der Blick auf die Konjunktur in den USA: "Anleger müssen aufpassen, dass sich das Szenario einer sanften Landung in den USA nicht als trügerisch erweist", so der Aktienstratege der HypoVereinsbank. In den USA sank das Konsumklima zuletzt deutlich, der Index des Verbrauchervertrauens fiel auf den niedrigsten Stand seit November 2005.

Zwar hat die Notenbank Federal Reserve ihre Politik der beharrlichen Zinserhöhungen zuletzt gestoppt, doch die Furcht der Verbraucher vor einer steigenden Arbeitslosenquote und einer Abkühlung der Konjunktur wirkten sich offenbar stärker auf das Konsumklima aus.

Auch die konjunkturelle Lage in Deutschland kann trotz derzeit vieler positiver Nachrichten nicht ohne Sorge gesehen werden. Finanzexperten rechnen bereits mit einem Abschwung. So gingen die Konjunkturerwartungen des Zentrums der Europäischen Wirtschaftsforschung (ZEW) für Deutschland kürzlich zum siebten Mal in Folge zurück und liegen nun auf dem niedrigsten Stand seit 2001.

Fünfter Jahrestag des 11. September

Das Urteil der ZEW-Experten fällt dementsprechend deutlich aus: "Die Entwicklung des Indikators signalisiert eine deutliche Abkühlung der konjunkturellen Entwicklung auf Sicht von sechs Monaten." Analyst Schwarzer sieht das genauso: "In Deutschland befinden wir uns in einer konjunkturellen Abschwungphase".

Auch die Hurrikans könnten den Börsianern in den nächsten Wochen die Stimmung vermiesen: "Bisher gab es wenig Hurrikans, die Förderplattformen waren nicht bedroht. Doch die Saison geht noch bis Mitte Oktober, für eine Entwarnung ist es also viel zu früh", so Schwarzer.

Und schließlich bleibt die Gefahr, dass die vielen aktuellen Konfliktherde auf der Welt bei einer erneuten Eskalation oder auch neue Terroranschläge heftige negative Kursreaktionen herbeiführen.

Immerhin jährt sich am 11. September der Terrorakt auf das World Trade Center zum fünften Mal. Pläne von Terroristen, zu diesem Zeitpunkt erneut Anschläge durchzuführen, werden befürchtet.

Schon der Versuch hätte sicher Folgen für den ohnehin schon hohen Ölpreis. "Geopolitische Entwicklungen können sich auf den Ölpreis in Form einer gestiegenen Risikoprämie niederschlagen. Derzeit ist eine Entspannung eingepreist, die von den harten Fakten nicht unbedingt widergespiegelt wird", warnt Schwarz.

Die Gefahr eines erneuten Kursrückgangs an den Börsen im Monat September ist also gegeben. Technische Analysten sehen den Markt allerdings nach unten gut abgesichert. "Selbst zum Höhepunkt des Israel-Libanon-Konflikts bewies die Börse Stärke und rutschte nicht wesentlich nach unten ab", so die Charttechnikstrategen von Staud Research gegenüber manager-magazin.de.

Optimistisch schauen die Staud-Analysten auf die Indexcharts in den USA: "Wir rechnen damit, dass der Dow Jones  bald wieder die Hürde von 11.400 Zählern nehmen wird. Das könnte dann Impulse nach oben am europäischen Markt und somit für den Dax auslösen".

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