Deutsche Bank Punktlandung reicht nicht

Die Deutsche Bank hat im zweiten Quartal den Gewinn um fast ein Drittel gesteigert. Der Branchenprimus traf damit punktgenau die Erwartungen der Analysten. Die Investoren hatten mehr erwartet. Die Aktie gibt deutlich ab.

Frankfurt am Main - Die Deutsche Bank  hat im zweiten Quartal den Gewinn kräftig gesteigert und dabei die Erwartungen der Analysten punktgenau getroffen. Bis auf einen Verlust im Eigenhandel konnte Deutschlands größtes Geldhaus Zuwächse in allen Geschäftsbereichen verbuchen und bekräftigte den Willen zu Zukäufen. Die Investoren hatten offenbar mehr erwartet. In der Spitze rutschte die Aktie um mehr als 3 Prozent auf 87,26 Euro ab und zählte damit zu den schwächsten Werten im Dax .

Zu den kurzfristigen Aussichten der Bank äußerte sich Vorstandschef Josef Ackermann allerdings eher zurückhaltend. Die durch Inflationsängste hervorgerufene Verunsicherung über die Fortsetzung des weltweiten Wirtschaftswachstums sei geeignet, die Finanzmärkte zu beeinträchtigen, erklärte der Schweizer am Dienstag bei Vorlage der Quartalszahlen in Frankfurt. Mittel- und langfristig seien die Aussichten für die Bank jedoch günstig.

"Wir haben im zweiten Quartal bewiesen, dass wir auch in einem schwierigen Marktumfeld ein erfreuliches Resultat erwirtschaften können", resümierte Ackermann. Im zweiten Quartal verbuchten die Frankfurter eine Eigenkapitalrendite von 29 (Vorjahr 25) Prozent. Gemeinsam mit den starken ersten drei Monaten 2006 ergibt sich damit zur Jahresmitte eine Rendite von 35 (29) Prozent. Das sind zehn Punkte mehr als die von Ackermann geforderten 25 Prozent. Zuletzt hatte der Schweizer hier bereits Luft nach oben angedeutet.

Verlust im Eigenhandel

Von April bis Juni verbuchte die Deutsche Bank unter dem Strich einen Gewinn von 1,23 Milliarden Euro nach 947 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Sie lag damit nur um drei Millionen Euro unter den Erwartungen von Reuters befragter Analysten. Im ersten Quartal hatte die Bank einen Rekordgewinn von 1,71 Milliarden Euro eingefahren. Die Erträge legten im Konzern um 15 Prozent auf 6,80 Milliarden Euro zu, während sich der Verwaltungsaufwand um 12 Prozent auf 4,84 Milliarden erhöhte.

Ganz unberührt von dem Einbruch der Aktienmärkte ab Mitte Mai blieb der inländische Branchenprimus nicht. So musste der Eigenhandel im Quartal einen Verlust ausweisen, womit das Handelsergebnis mit 1,72 (Vorjahr 1,59) Milliarden Euro den Analysten-Konsens um fast eine halbe Milliarde Euro verfehlte.

Zins- und Provisionsüberschuss übertrafen hingegen mit 1,87 (1,61) beziehungsweise 2,95 (2,35) Milliarden Euro die Erwartungen. Die Risikovorsorge bezifferte die Deutsche Bank auf 78 (80) Millionen Euro.

Investmentbanking erwirtschaftet Großteil der Gewinne

Hauptertragssäule war einmal mehr die Firmenkunden- und Investmentbank (CIB), die auf bereinigter Basis mit 1,4 (Vorjahr 0,8) Milliarden Euro fast drei Viertel des Vorsteuergewinns erwirtschaftete. Mit die deutlichsten Zuwächse verzeichneten der Bereich festverzinsliche Wertpapiere sowie das Emissions- und Beratungsgeschäft. Selbst im Aktienbereich, der auch den Handel für Dritte umfasst, konnte die Bank die Erträge um knapp ein Viertel ausbauen. Die zweite Konzernsäule, Privatkunden und Vermögensverwaltung (PCAM), steigerte das bereinigte Vorsteuerergebnis um 32 Prozent auf 490 Millionen Euro.

Märkte enttäuscht, Aktie gibt deutlich ab

Aktie verliert in der Spitze mehr als 3 Prozent

An den Aktienmärkten quittierten die Investoren das Zahlenwerk der Deutschen Bank mit Verkäufen. In der Spitze rutschte die Aktie des Branchenprimus um mehr als 3 Prozent ab. Die Deutsche Bank habe zwar die Prognosen der Analysten erfüllt. Die Hoffnungen des Marktes auf sehr gute Zahlen, wie sie zuletzt die US-amerikanischen Konkurrenten vorgelegt hatten, seien aber enttäuscht worden, sagte ein Händler. Da die Deutsche Bank nun doch nicht in der gleichen Liga wie ihre US-Wettbewerber spiele, sei das Sentiment am Dienstag negativ.

In dem derzeit sehr nervösen Markt reiche es aber offenbar nicht, ein Ergebnis im Rahmen der Erwartungen auszuweisen, sagte HVB-Analyst Andreas Weese. Die Reaktion des Marktes hielt der Experte allerdings für "übertrieben".

"Das erste was auffällt ist das schwache Handelsergebnis", sagte Analyst Konrad Becker von Merck Finck. Für LRP-Analyst Olaf Kayser zeige der Ausblick, dass Deutschlands größtes Bankhaus kurzfristig nicht überaus optimistisch ist.

Ackermann offen für Zukäufe

Konzernchef Ackermann bekräftigte indes seine Bereitschaft zu Zukäufen. "Wir verfolgen weiter die Strategie, sowohl aus eigener Kraft als auch durch ergänzende Zukäufe zu wachsen", erklärte er. Erst vor drei Wochen hatte die Bank die Übernahme des börsennotierten US-Immobilienfonds MortgageIT im Gesamtwert von 338 Millionen Euro angekündigt. Ende Juni hatte Deutschlands Nummer eins zudem für 680 Millionen Euro den Zuschlag für die Berliner Bank erhalten.

1,12 Milliarden Euro für eigene Aktien ausgegeben

Unverändert hält die Bank am Rückkauf eigener Aktien fest. Im zweiten Quartal hat die Deutsche Bank 12,3 Millionen eigene Aktien erworben und dafür rund 1,12 Milliarden Euro ausgegeben. Der durchschnittliche Preis je Anteilsschein habe bei 91,03 Euro gelegen, hieß es am Dienstagmorgen weiter.

Anfang Juni hat die Deutsche Bank ihr fünftes Programm für Aktienrückkaufe aufgelegt, in dessen Rahmen sie bis zu 51,91 Millionen Anteilsscheine erwerben kann. Während des bereits abgeschlossenen vierten Rückkaufprogramms hatte das Institut für 3,12 Milliarden Euro knapp 35,85 Millionen Anteilsscheine gekauft. Seit 2002 hat die Bank nach eigenen Angaben mehr als 12,7 Milliarden Euro in den Rückkauf eigener Anteilsscheine gesteckt. Insgesamt wurden über 200 Millionen Papiere gekauft.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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