Fusionsspekulationen "Bullish" für die Börse

Die Investoren setzen wieder auf eine Fusion von Deutscher Börse und Euronext. Zugleich treiben Hoffnungen auf einen guten Geschäftsausblick die Aktie der Deutschen Börse an. In der Spitze kletterte der Titel am Donnerstag auf knapp 108 Euro.

Frankfurt am Main - "Am Markt wird seit ein paar Tagen wieder die Einschätzung herumgereicht, dass die Wahrscheinlichkeit eines Zusammenschlusses der Deutschen Börse mit der Euronext gestiegen ist", sagte ein Händler. "Dem trägt der Aktienkurs Rechnung." Zudem hätten Analysten die Aktien empfohlen und das ökonomische Potenzial des Börsenbetreibers hervorgehoben.

Die Aktien der Deutschen Börse  verteuerten sich am Donnerstag in der Spitze um knapp 6 Prozent auf rund 108 Euro. Mit der insgesamt schwächeren Tendenz am Nachmittag gaben die Titel aber einen guten Teil ihrer Gewinne wieder ab und schlossen den Handel als Dax-Spitzenreiter mit einem Plus von rund 3,70 Prozent auf 105,41 Euro. Die Titel der von der Deutschen Börse und der New York Stock Exchange (Nyse ) umworbenen Mehrländerbörse Euronext  zogen ebenfalls in der Spitze um gut 4 Prozent an.

Das Euronext-Management lehnt die Avancen der Frankfurter ab und hat sich stattdessen für das Übernahmeangebot der New Yorker ausgesprochen. Auch das Anfang dieser Woche qualitativ deutlich nachgebesserte Angebot hat die Euronext abgelehnt. Zugleich aber hat die Deutsche Börse Unterstützung aus Politik und Wirtschaft bekommen. Der französische Präsident Jacques Chirac und Bundeskanzlerin Angela Merkel sowie EZB-Chef Jean-Claude Trichet hatten sich für eine europäische Lösung ausgesprochen.

Analyst rechnet mit höherer Barkomponente

Am 23. Mai hatten die Frankfurter den Euronext-Aktionären insgesamt 8,6 Milliarden Euro geboten, davon rund 870 Millionen in bar. Einige Börsianer halten daher eine Verschiebung der Offerte zugunsten der Barkomponente für möglich. "Ich könnte mir vorstellen, dass die Deutsche Börse bei der Barkomponente noch nachlegt und dann eine gute Chance hätte, die Euronext zu übernehmen", sagte HVB-Analyst Lucio Di Geronimo. Nach früheren Informationen aus Unternehmenskreisen will die Börse ihr Angebot aber nicht weiter erhöhen.

Das Angebot der New Yorker Börse (Nyse) umfasst acht Milliarden Euro bei einer Barkomponente von rund 2,4 Milliarden Euro oder 30 Prozent des Gesamtgebots. Analysten schätzen die Barkomponente der Frankfurter Offerte auf gut 20 Prozent.

Die Kursgewinne am Donnerstag führten Händler auch auf Spekulationen über die Ertragaussichten der Börsen insgesamt zurück. "Die fundamentalen Geschäftszahlen sind für alle Börsen sehr stark", erklärte Analyst Karsten Keil von Helaba Trust. Die französischen Bank Cheuvreux begründete die Erhöhung ihres Kursziels Händlern zufolge mit den hohen Börsenumsätzen der vergangenen Wochen.

Börsenrat stützt den Kurs des Managements

Der Börsenrat der Frankfurter Börse hat indes am Donnerstag die Pläne zur Schaffung eines großen europäischen Börsenbetreibers unterstützt. Das vor allem von Banken, Investmentgesellschaften und Kursmaklern besetzte Kontrollgremium halte die Strategie der Deutschen Börse für eine europäische Lösung für richtig, teilte das Unternehmen nach einer Sitzung des Börsenrates mit. Damit billigte das Gremium nachträglich das neue Angebot der Deutschen Börse an die Mehrländerbörse Euronext.

Der Börsenrat hält die angebotene Verteilung der Kompetenzen einer europäischen Megabörse auf mehrere Zentren wie Frankfurt, Paris und Amsterdam für richtig. Bei dem ebenfalls in Aussicht gestellten Verzicht auf das deutsche Handelssystem Xetra zugunsten der Euronext-Plattform NSC drängt der Börsenrat allerdings auf Kostenminimierung für die Nutzer. Das Gremium unterstütze es, dass die Deutsche Börse vor einem solchen Wechsel des Handelssystems genau untersuchen wolle, wie die Umstellungskosten so gering wie möglich gehalten werden könnten, hieß es am Donnerstag weiter.

Euronext hat allerdings das veränderte Angebot bereits am Dienstag abgelehnt. Dennoch gibt es laut Medienberichten inzwischen eine Reihe französischer Banken, die einen Zusammenschluss mit der Deutschen Börse einer franko-amerikanischen Fusion vorziehen würden.