AHBR-Geschädigte "BaFin nahm Verluste bewusst in Kauf"

Den Genussscheininhabern der Hypothekenbank AHBR droht der Verlust nahezu ihres ganzen Investments. Jetzt suchen sie Hilfe beim Finanzministerium. Einer ihrer prominentesten Vertreter, der Hamburger Verleger Heinz Bauer, übt dabei scharfe Kritik an der Finanzaufsicht.

Frankfurt am Main/Hamburg - Im Streit um die Sanierung der Allgemeinen Hypothekenbank Rheinboden (AHBR) hat der Großinvestor und Hamburger Verleger Heinz Bauer den Ton deutlich verschärft. In einem Schreiben an Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) fordert Bauer Aufklärung über das Verhalten der Finanzaufsicht (BaFin). Das berichten "Handelsblatt" und "Finacial Times Deutschland" (FTD, Donnerstagausgabe). Das Ministerium beaufsichtigt die BaFin.

Die BaFin habe "bewusst in Kauf genommen", dass die Genussscheininhaber bei der Übernahme der AHBR durch den US-Investor Lone Star ihr Kapital verlieren. Lone Star winke dagegen am Ende ein Milliardenprofit, kritisierte Bauer den Berichten zufolge.

Weder die BaFin noch das Bundesfinanzministerium wollten sich zu dem bislang unbeantworteten Brief vom 24. Mai äußern. Insgesamt hatte die AHBR Genussscheine im Volumen von 567 Millionen Euro ausstehen. Im April hatte Lone Star angekündigt, ihre Inhaber würden angesichts eines Milliardenverlustes für 2005 mit knapp 360 Millionen Euro zur Kasse gebeten.

Teure "Mitgift" von 871 Milliarden Euro

Die sich überwiegend im Besitz der Gewerkschaften befindende AHBR war im Jahr 2001 wegen Fehlspekulationen am Derivatemarkt in eine Schieflage geraten. Die Gewerkschaften hatten die Bank zuvor über Jahre hinweg mit Milliardensummen gestützt. Als Ende 2005 die Pleite drohte, hatte die BaFin zusammen mit Banken den Verkauf der AHBR an Lone Star organisiert. Für die Rettung hatte der Investor noch 871 Millionen Euro "Mitgift" von den Eigentümern erhalten.

Bauer, der rund zehn Millionen Euro in AHBR-Genussscheinen halten soll, beklagt nun, die BaFin habe bereits vor 2001 nichts dagegen unternommen, dass die AHBR Derivategeschäfte unternahm, die aus seiner Sicht gegen das Hypothekenbankgesetz verstießen. Unverständlich sei auch die Tolerierung des "Kunstgriffes" von Lone Star, die Mitgift erst 2006 in die AHBR zu stecken, um sie nicht zur Verlustabdeckung 2005 einsetzen zu müssen.

Bauer steht mit seiner Kritik nicht allein. Auch die DZ Bank, einer der großen Investoren bei der AHBR, ist mit dem Geschehen nicht einverstanden und geht nun gerichtlicht gegen Lone Star vor. So habe die DZ Bank laut "FTD" eine einstweilige Verfügung beantragt, um den Verkauf eines Portfolios von Auslandsfinanzierungen im Volumen von rund drei Milliarden Euro an die Immobilienbank Hypo Real Estate  zu verhindern. Laut "FTD" bestätigte eine Sprecherin des Landgerichts Frankfurt diesen Vorgang. Die mündliche Verhandlung sei für den 26. Juni anberaumt.

Die DZ Bank hat als so genannter stiller Einleger der AHBR eine andere juristische Position gegenüber der Bank und ihrem neuen Eigentümer als die Genussscheininhaber. Da stille Einleger Kernkapital bereitstellen, können sie gegen Änderungen des Geschäftszwecks Einspruch erheben, so die Zeitung. Dies sei aus Sicht der DZ Bank der Fall, wenn die AHBR ihr Auslandsgeschäft aufgibt.

AHBR-Chef Karsten von Köller und zugleich Deutschland-Statthalter des Mehrheitsaktionärs Lone Star hält indes die Ansprüche der stillen Einleger und Genussscheininhaber für substanzlos. Der Antrag auf einstweilige Verfügung habe keinen Einfluss auf den Verkauf der Auslandskredite und könne diesen auch nicht stoppen, berichtet die "FTD" unter Berufung auf Kreise der Bank.

Von Köller hält den Kritikern entgegen, ohne Lone Star wäre die AHBR in die Insolvenz gegangen und die Investoren hätten ihr Geld wohl ganz verloren. Außerdem hätte jedem Investor seit Jahren die Situation der Bank klar sein müssen. Von Köller will die Bank nun radikal schrumpfen und auf das Immobilien-Investmentbanking ausrichten. Gewinne werden erst wieder für das Jahr 2008 erwartet.

manager-magazin.de mit Material von reuters