Dax-Geflüster Alle das Gleiche?

Finanzprofis sind verdutzt. Spitzenfonds der prominentesten deutschen Fondsgesellschaft scheinen Probleme bekommen zu haben. Selbst unterschiedlich aufgestellte DWS-Fonds verloren in der jüngsten Börsen-Abwärtsphase im gleichen Maß an Wert. Das sollte nicht passieren, kritisieren Experten.
Von Karsten Stumm

Der Schock war kurz, aber kräftig. In nicht einmal zehn Tagen stürzte der Deutsche Aktienindex (Dax)  zuletzt um 500 Punkte bis auf 5600 Zähler ab, einem Mini-Crash gleich. Deutschlands Fondsanleger bauten in dieser Zeit vor allem auf ihre Fondsmanager. Würde es den Profis gelingen, ihre Fondsdepots nicht ganz so kräftig absacken zu lassen, wie der Markt fiel? Die Sparer wurden überrascht.

Die Deutsche-Bank-Fondstochter DWS zum Beispiel hielt das Minus zwar durchaus im erträglichen Rahmen. Doch die Wertentwicklung ihrer einzelnen Fonds verblüffte selbst Börsenprofis. Top-Fonds des Hauses verloren in dieser starken Dax-Abwärtsphase nahezu identisch an Wert. Und das traf nicht nur auf die DWS-Flaggschiffe Vermögensbildungsfonds I und Akkumula zu, deren Ausrichtung sich ein wenig ähnelt.

Selbst der deutlich anders aufgestellte und konservativere DWS-Top-Dividende-Fonds sackte im gleichen Maß wie seine prominenten Schwesterfonds ab. Dabei wirbt Deutschlands größte Fondsgesellschaft doch damit, dass ihr Dividende-Fonds ausschließlich in die Aktien von Unternehmen investiert, die eine hohe Ausschüttung zahlen. Gerade dies wirke als "kursstabilisierender Faktor". Davon aber spürten die Anleger zumindest zwischenzeitlich nichts.

Professionelle Vermögensverwalter sind deshalb ins Grübeln geraten. Sie investieren teilweise das gesamte Vermögen ihrer Kunden in eine Auswahl verschiedener Fonds, um ihnen beispielsweise ein ausgewogenes und schwankungsarmes Depot zusammenzustellen. Jedem Fonds kommt deshalb eine bestimmte Aufgabe innerhalb der Portfolios zu. Halten die aber nicht, was ihre Fondsmanager versprechen, drohen zum Beispiel höhere Wertschwankungen als gewollt.

"In den vergangenen Tagen hat sich gezeigt, dass selbst unterschiedliche DWS-Fonds wenigstens kurzfristig das gleiche Risiko aufweisen", sagt ein Finanzexperte zu manager-magazin.de. "Was wäre passiert, wenn der Dax-Kurssturz nicht bei minus 10 oder 15 Prozent zum Stehen gekommen wäre, sondern erst bei 40 oder mehr Prozent Verlust? Kann man die Fondsmanager in Zukunft noch beim Wort nehmen?"

DWS-Experte Baki Irmak weist die Vorwürfe zurück. "Bei solch einem starken Kursverfall wie in den vergangenen Tagen wirken die Risikoprofile der einzelnen Fonds nicht so schnell. Das liegt vor allem daran, dass Aktien auf breiter Front verkauft worden sind", sagt Irmak gegenüber manager-magazin.de.

Langfristig betrachtet unterscheiden sich die Risikoprofile der Fonds in der Tat deutlicher voneinander. So erreichte der DWS-Top-Dividende im vergangenen guten Börsenjahr eine Wertsteigerung von 19 Prozent, der offensiver ausgerichtete Vermögensbildungsfonds I brachte seinen Anlegern eine Wertsteigerung um 22 Prozent und Investoren des offensivsten dieser drei Fonds, der DWS-Akkumula, strichen ein Plus von 23 Prozent ein; nicht zuletzt ein Ergebnis der jeweiligen Fondsausrichtung.

Die DWS-Kritiker überzeugt das Argument dennoch nicht so recht. Schließlich gelang es vor allem einigen amerikanischen Fondsgesellschaften, das Anlageversprechen ihrer Fonds in der gleichen kurzen, aber kräftigen Abwärtsphase zu halten. Fonds mit niedrigerem Schwankungsversprechen sackten tatsächlich nicht so stark ab wie solche, die schon in der Reklame mit höherer Risikoneigung beworben wurden. "Allerdings sind in Amerika die Kurse auch bei weitem nicht so kräftig nach unten gegangen, wie bei uns", gibt DWS-Experte Irmak zu bedenken.

Wäre das der entscheidende Grund für das bessere Abschneiden der US-Fonds in der jüngsten Abschwungphase, hätte davon allerdings auch ein prominenter DWS-Fonds profitieren müssen. Das Fondsmanagement des Top-50-Welt-Fonds der DWS zum Beispiel hat fast 40 Prozent seines Kapitals in US-Aktien investiert. Der zuletzt geringere Kursverlust amerikanischer Aktien hätte sich also merklich in der Wertentwicklung des Top-50-Welt-Fonds niederschalgen können. Doch auch dieser DWS-Fonds musste zwischenzeitlich nahezu identischen Kursverlusten hinnehmen, wie sie der Dax zuletzt verzeichnete.

Fazit eines international investierenden Finanzprofis: "Man hat  ein wenig den Eindruck, dass manche DWS-Fonds in ihrer Grundausrichtung schlicht ähnlich aufgestellt sind. Egal, was auf ihrer Verpackung steht."

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