Sonntag, 15. Dezember 2019

Enron Spektakuläres Urteil

Die Ex-Geschäftsführer des amerikanischen Skandalunternehmens Enron müssen hinter Gitter, und das womöglich für den Rest ihres Lebens. Ein US-Gericht hat sie der Verschwörung und des Betruges für schuldig befunden. Einer der beiden Manager des bankrotten Energieunternehmens musste seinen Pass noch im Gerichtssaal abgeben.

Houston – Schuldig in den Hauptanklagepunkten. Das ist das Urteil im wohl spektakulärsten Wirtschaftsprozess Amerikas. Die einst von den Aktienhändlern und Wertpapieranalysten der Wall Street gefeierten Bosse des Energiekonzerns Enron, Jeffrey Skilling und Kenneth Lay, müssen sich nun darauf gefasst machen, den Rest ihres Lebens hinter Gittern zu verbringen.

Enron-Prozess: Zwei ehemalige Manager des Energiekonzerns schuldig gesprochen.
Die US-Regierung und Rechtsexperten zeigten sich am Donnerstag zufrieden: Das Urteil sende eine klare Botschaft an alle Manager und Aktiengesellschaften, dass Wirtschaftskorruption in den USA nicht toleriert werde. Über das Strafmaß in einem der bedeutendsten Wirtschaftsprozesse der US-Geschichte soll am 11. September entschieden werden.

Die zwölf Geschworenen kamen in Houston zu dem Schluss, dass sich Lay und Skilling in ihrer Zeit als Führungskräfte bei Enron Verschwörung und Betrug zu Schulden kommen ließen. Zudem sah es die Jury als erwiesen an, dass sich Skilling auf Grund von Insider-Wissen über die finanzielle Misere des einst siebtgrößten US-Konzerns mit Aktienverkäufen persönlich bereichert hatte.

Mit dem Urteil der Geschworenen kann Richter Simeon Lake die beiden Angeklagten für Jahrzehnte ins Gefängnis schicken: Lay wurde in allen sechs Anklagepunkten wegen Betruges und Verschwörung schuldig gesprochen, womit dem 64-Jährigen eine Haftstrafe von bis zu 45 Jahren droht. Skilling wurde in 19 Anklagepunkten wegen Betruges, Verschwörung, Insider-Handels und Falschaussagen schuldig gesprochen. Damit muss sich der 52-Jährige auf eine maximale Strafe von 185 Jahren Gefängnis gefasst machen. Die Anwälte der Angeklagten kündigte an, das Urteil anzufechten. "Wir haben den Kampf gerade erst begonnen", sagte Skillings Verteidiger Daniel Petrocelli.

Als die Jury im Gerichtssaal ihr Urteil gegen Mittag verlas, blickte Skilling zu Boden. Lays Ehefrau Linda ergriff den Arm ihres Mannes. Nach dem Schuldspruch umringten Lay weinende Familienangehörige. Der Verurteilte blieb dagegen gefasst und sagte knapp: "Gott hat noch etwas anderes vor." Skilling erklärte, er und sein Team hätten vor Gericht einen guten Kampf abgeliefert. Es könne aber nicht immer alles nach Plan laufen. "Natürlich bin ich enttäuscht, aber so funktioniert das System nun einmal", sagte er.

Skilling bleibt gegen eine Kaution von fünf Millionen Dollar zunächst auf freiem Fuß. Lay muss seine Kaution von ebenfalls fünf Millionen Dollar noch hinterlegen und zudem seinen Personalausweis abgeben. "Ich lasse ihn nicht aus diesem Gebäude hinaus, bevor sein Pass hinterlegt ist", sagte Richter Lake. In einem Nebenverfahren wurde Lay zudem noch wegen Bankbetruges und illegaler Börsengeschäfte in vier Punkten schuldig gesprochen.

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