Montag, 20. Mai 2019

Deutsche Börse Herber Dämpfer

Der rasante Aufstieg der Deutschen Börse stößt auf Widerstände. Nachdem die ursprünglich geplante Übernahme der London Stock Exchange am Veto der eigenen Aktionäre scheiterte, hängt jetzt die Fusion mit der Vierländerbörse Euronext am seidenen Faden. Noch aber muss sich das Frankfurter Unternehmen nicht geschlagen geben.

Frankfurt am Main - Im weltweiten Übernahmepoker der Börsen hat der deutsche Handelsplatz am Dienstag eine herbe Niederlage erlitten. Die Aktionäre der Vierländerbörse Euronext Börsen-Chart zeigen lehnten auf ihrer Hauptversammlung in Amsterdam einen Antrag ab, der die Fusion mit der Deutschen Börse Börsen-Chart zeigen als beste Lösung bezeichnet hatte.

Deutsche Börse: Die Aktionäre des möglichen Fusions-Partners Euronext wollen sich noch nicht festlegen.
Gleichzeitig sprach sich das Management der Euronext eindeutig für eine Fusion mit der New York Stock Exchange (Nyse Börsen-Chart zeigen) aus. "Euronext und Nyse wird als die attraktivste Kombination gesehen", sagte Euronext-Chef Jean-François Théodore. Bereits im vergangenen Jahr war die Deutsche Börse gescheitert, die Londoner Börse (LSE) zu übernehmen. Dort war dann die US-Technologiebörse Nasdaq  Börsen-Chart zeigen zum Zuge gekommen.

Die New Yorker Börse hatte am Montag angeboten, die Euronext für 71 Euro pro Aktie in bar und eigenen Aktien zu übernehmen. Dadurch würde ähnlich wie bei einer Integration von LSE und Nasdaq eine große transatlantische Börse entstehen, die gemessen am Wert der dort gehandelten Unternehmen weit an der Weltspitze stehen würde. Die Euronext besteht aus den Börsen Paris, Amsterdam, Brüssel und Lissabon. Zudem hat sie einen Terminmarktableger in London und kooperiert bereits mit dem Handelsplatz Mailand.

Der Kampf um die von Paris aus geführte Euronext ist aber noch keineswegs entschieden. Bei der Abstimmung stimmten rund 60 Prozent der Euronext-Aktionäre gegen eine derzeitige Festlegung. So sind jetzt weitere Verhandlungen aller Beteiligten möglich. Dabei wäre es denkbar, dass sowohl die Deutsche Börse als auch die New York Stock Exchange ihre Angebote nachbessern oder die Euronext-Aktionäre doch für eine Fusion mit der Deutschen Börse stimmen.

Die Aktie der Deutschen Börse sackte nach der Entscheidung zeitweise um mehr als 2,6 Prozent auf unter 99 Euro, erholte sich dann aber und schloss mit einem Plus in Höhe von 1,44 Prozent bei 103 Euro. Aktienhändler fürchteten zwischenzeitlich einen teuren Bieterwettstreit, und genau danach sieht es ja auch aus.

Schließlich hat die Deutsche Börse nach einer in der Nacht zu Dienstag veröffentlichten Modellrechnung das New York Angebot bereits um rund fünf Euro pro Aktie überboten. Demnach würde Frankfurt 76,60 Euro je Aktie oder insgesamt rund 8,6 Milliarden Euro in Anteilen der neuen Gesellschaft sowie in bar zahlen; der genaue Betrag hängt allerdings noch von der Entwicklung der Aktienkurse beider Unternehmen ab. Zur Finanzierung soll ein Kredit in Höhe von zwei Milliarden Euro aufgenommen werden. Sowohl die Deutsche Börse als auch die New Yorker bezifferten den möglichen Einspareffekt durch ihre jeweils angestrebten Fusionen auf rund 300 Millionen Euro pro Jahr.

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