Sonntag, 5. April 2020

Bundesligarechte Premiere geht gegen Arena vor

Premiere zieht alle Register. Im Wettstreit mit dem Konkurrenten Arena um die Fußball-Bundesliga-Übertragungsrechte bemüht der Sender sogar Amtshilfe. Premiere hat bei der zuständigen Landesmedienanstalt Widerspruch dagegen eingelegt, dass Arena überhaupt auf Sendung gehen darf. An der Börse zieht der Premiere-Aktienkurs an.

Hamburg - Noch vor wenigen Wochen sah der Bezahlsender Premiere Börsen-Chart zeigen wie der sichere Verlierer im Bieterwettstreit um die Fernsehübertragungsrechte der Fußball-Bundesliga aus; die Unity-Media-Tochter Arena hatte dem Münchener Sender das Geschäft zum Preis von 250 Millionen Euro vor der Nase weggeschnappt. Jetzt aber ist Premiere in die Offensive gegangen.

Premiere: Widerspruch gegen die Arena-Zulassung bei der zuständigen Landesmedienstalt Nordrhein-Westfalen

Nach Informationen von manager-magazin.de hat das Unternehmen um Vorstandschef Georg Kofler die zuständige Landesmedienanstalt Nordrhein-Westfalen eingeschaltet. Premiere hat Widerspruch dagegen eingereicht, dass Arena überhaupt eine Zulassung "als Rundfunk zur bundesweiten Verbreitung" erhalten habe. Die Landesmedienanstalt war für eine Stellungnahme am Mittwoch genauso wenig zu erreichen wie Premiere.

Koflers Anwälte argumentieren, dass die Düsseldorfer Landesmedienanstalt die Bestimmungen des Landesmediengesetzes schlicht fehlerhaft angewendet und ihren Gestaltungs- und Beurteilungsspielraum überschritten habe. Durch die Zulassung von Arena hätten die Beamten die Möglichkeit zu Meinungsvielfalt im Rundfunk zu stark eingeschränkt.

Arena-Sprecherin Susanne Jahrreiss wollte den Premiere-Widerspruch gegenüber manager-magazin.de nicht kommentieren.

Premiere sorgte bereits vor einigen Wochen für Aufsehen, als das Unternehmen die Nähe zur Deutschen Telekom Börsen-Chart zeigen suchte. Europas größter Telekommunikationskonzern hatte zuvor die Internetfernsehrechte an der Fußball-Bundesliga erworben - für einen Bruchteil der Summe, die das Kabelnetzbetreiberkonsortium Arena für die Fernsehrechte zahlte. Über die Infrastruktur von Premiere und deren Kunden könnten diese IP-TV-Rechte genutzt werden, um via Internet das Programm auf die Bildschirme zu übertragen. Die Telekom hatte gegenüber manager-magazin.de bestätigt, unter anderem mit Premiere über Möglichkeiten zur Aufarbeitung der Bundesliga-Rechte für IP zu sprechen.

Arena, so heißt es, hat für diese Möglichkeit bereits eine Klage vorbereitet. Die rechtlichen Schritte allerdings bewegen sich, so Beobachter, in einer Grauzone, da die EU-Kommission die technische Beschreibung, was denn IP-TV genau sei, nur sehr ungenau formuliert habe.

An der Börse zählen Premiere-Aktien heute zu den großen Gewinnern. Die Titel stehen derzeit mit gut 2 Prozent im Plus bei 12,60 Euro. Der MDax Börsen-Chart zeigen, in dem die Premiere-Anteilsscheine gelistet sind, verliert dagegen zeitgleich nahezu 1 Prozent auf 8435 Indexpunkte.

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