Mittwoch, 26. Juni 2019

Thilenius-Kolumne Vom Erfolg der "Heuschrecken" profitieren

Zu Private-Equity-Fonds findet der Privatanleger kaum Zugang. Gleichwohl gibt es einen Weg, am Erfolg von Beiteiligungsgesellschaften zu partizipieren. Denn einzelne dieser Unternehmen sind an der Börse notiert - ein Beispiel aus Frankreich.

Deutsche Telekom Börsen-Chart zeigen, Debitel Börsen-Chart zeigen, MTU Börsen-Chart zeigen - fast täglich kaufen sich nicht börsennotierte, meistens ausländische Beteiligungsgesellschaften in deutsche Unternehmen ein. Sie heißen Private-Equity-Investoren, eben weil sie private, also nicht börsennotierte Investoren sind. Das Eigenkapital in den geschlossenen Fonds wird von großen Pensionsfonds, Versicherungen und Banken aufgebracht. Zusätzlich zum Eigenkapital dürfen manche Fonds Kredite aufnehmen, um dadurch die Rendite auf das eingesetzte Kapital noch zu steigern. Diese Kreditaufnahme ist das wahre Erfolgsgeheimnis vieler Fonds.

Private Equity: Zu Unrecht wurden in der Vergangenheit Beteiligungsgesellschaften pauschal als "Heuschrecken" abgestempelt, die über Unternehmen herfallen und sie ausnehmen
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Private Equity: Zu Unrecht wurden in der Vergangenheit Beteiligungsgesellschaften pauschal als "Heuschrecken" abgestempelt, die über Unternehmen herfallen und sie ausnehmen
Ein wesentlicher Nachteil dieser teils sehr lukrativen Fonds ist, dass das eingezahlte Kapital bis zur Auflösung des Fonds festgelegt ist und die Anteile nicht wie an der Börse kurzfristig liquidiert werden können. Kleine Anleger sind damit ausgeschlossen. Ausschüttungen erfolgen nur sehr selten.

Jetzt kündigt einer der großen der Branche, die amerikanische Kohlberg, Kravis, Roberts (KKR) an, eine börsennotierte Gesellschaft zu gründen, um genau diesen Nachteil zu vermeiden. Durch die börsenübliche kleine Stückelung der Anteile können dann auch die bisher ausgeschlossenen kleineren Anleger teilnehmen.

Wegen der großen Geheimniskrämerei um die Beteiligungsgesellschaften wird mancher interessierte Anleger erst einmal abwarten und sich die Entwicklung aus sicherer Entfernung ansehen wollen. Denn viele Anleger wollen zuerst wissen, ob sich das Konzept auch im Börsenalltag bewährt oder schnell verglüht, wie schon so manche geniale Idee zuvor.

Wendel Investissement: Die Aktie kann sich sehen lassen

Hier muss der Investor trotzdem nicht lange warten. Derartige Beteiligungsgesellschaften mit Börsennotiz gibt es schon in Frankreich. Die renommierteste heißt "Wendel Investissement" Börsen-Chart zeigen. Wem der Name bekannt vorkommt, der denkt vielleicht an die Autobahnausfahrt Wendel in Lothringen, auf der Autobahn von Frankfurt nach Paris. Von dort stammt das Unternehmen. Die Familie Wendel betrieb dort Kohlebergbau, der in der Region großen Wohlstand geschaffen hat. Präsident François Mitterand hat dann das Unternehmen Anfang der 1980er Jahre zwangsweise verstaatlicht. Mit der Entschädigung gründete die Familie Wendel Investissement.

Wendel kauft und verkauft Beteiligungen in verschiedenen Branchen und nimmt Kredit zur Erhöhung der Renditen auf. Wesentliche Investments sind derzeit die Zertifizierungsgesellschaft Bureau Veritas, der Baustoffproduzent Materis und der Elektrohersteller Legrand.

Durch die gute Geschäftsentwicklung der Beteiligungen ist der Buchwert im Jahr 2005 um 37 Prozent auf Euro 82 gestiegen. Die Aktie Börsen-Chart zeigen notiert bei etwa Euro 99, nur ganz leicht über dem aktuellen Buchwert der Beteiligungen von Euro 94. Der Aktienkurs ist in den vergangenen 12 Monaten um 50 Prozent gestiegen.

Wendel bezahlt, anders als die meisten Beteiligungsfonds, eine normale Dividende von Euro 1,40 und eine Sonderdividende von Euro 0,60. Daraus ergibt sich eine für die Branche beachtliche Dividendenrendite von 2 Prozent.

Wem das Konzept der börsennotierten Beteiligungsgesellschaft mit Kreditaufnahme zusagt, der findet hier ein erstklassiges und langjährig bewährtes Unternehmen mit einer günstigen Bewertung. Die Kreditaufnahme birgt aber große Risiken, falls die Konjunktur insgesamt oder einzelne Beteiligungen kippen. Bis dahin ist mit weiterem Wertzuwachs zu rechnen.

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