Märkte Gestrauchelt in der Zahlenflut

Nach zögerlichem Auftakt hat sich der Dax am Donnerstag für eine Richtung entschieden: Abwärts. Trotz durchweg guter Quartalszahlen von Siemens, Bayer, Altana und Merck steht der Leitindex kräftig im Minus. Mit Spannung erwarten die Händler die Zwischenbilanz des Autobauers DaimlerChrysler.

Frankfurt am Main - Der Deutsche Aktienleitindex Dax  verliert heute deutlich an Wert. Das bedeutendste Börsenbarometer des Frankfurter Wertpapiermarktes büßt rund ein Prozent auf 6050 Punkte ein. Der MDax  der mittelgroßen deutschen Aktiengesellschaften notiert 0,5 Prozent im Minus bei 8785 Zähler und der Technologieindex TecDax  rutscht gar knapp 2 Prozent nach unten auf 725 Punkte.

Die Frankfurter Börse steht am Donnerstag ganz im Zeichen der Quartalssaison. Aktien des Chemie- und Pharmakonzerns Bayer kletterten um 3,5 Prozent auf 36,22 Euro uns setzten sich damit an die Indexspitze. Der Leverkusener Konzern hat im ersten Quartal dank eines robusten Gesundheitsgeschäfts das operative Ergebnis überraschend gesteigert. Händler nannten die Zahlen auf Umsatz- sowie auf operativer Ebene besser als erwartet. Dagegen habe der Nettogewinn leicht enttäuscht.

Siemens-Aktie trotz Gewinnanstieg im Minus

Siemens  verloren nach Zahlenvorlage 3,1 Prozent auf 78,10 Euro und übernahmen die Rote Laterne im Dax. Der Konzern hat seine Quartalsergebnisse im Jahresvergleich unerwartet deutlich gesteigert. Der IT-Dienstleistungsbereich SBS allerdings sackte im zweiten Quartal tiefer in die Verlustzone, im größten Bereich Com brach der Gewinn ein. Händlern zufolge werden diesbezüglich von der Analystenkonferenz noch weitere Details erwartet. Im Vorfeld würden nach dem gestrigen Anstieg zunächst Gewinne mitgenommen.

Aktien von DaimlerChrysler  legten 0,3 Prozent auf 46,82 Euro gewonnen. Der Autobauer hat nach Einschätzung von Experten im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres eine deutliche Erholung im operativen Geschäft verbucht. Besonders im Kerngeschäft der Mercedes Car Group (Mercedes, Smart, Maybach) zeichnet sich demnach vor Sonderposten ein Fortschritt ab. Beim amerikanischen Autobauer Chrysler allerdings geraten die Margen wegen des anhaltenden Preiskampfes in den USA immer stärker unter Druck. DaimlerChrysler legt gegen Mittag seine Geschäftszahlen aus dem ersten Quartal vor.

Aktien der Deutschen Bank  stiegen um 1,1 Prozent auf 97,35 Euro gewonnen. Das Unternehmen hat einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" (Donnerstag) zufolge ein konkretes Angebot für die Übernahme der Berliner Bank abgegeben. Das Blatt beruft sich auf Finanzkreise. Ein Sprecher der Deutschen Bank habe das nicht kommentieren wollen. In Finanzkreisen habe es am Mittwoch außerdem als ausgemacht gegolten, dass die Commerzbank  und die HypoVereinsbank  ebenfalls Gebote abgegeben hätten.

Der weltweit größte Gasförderer Gazprom  hat einen ursprünglich für April angestrebten Vertragsabschluss mit Eon-Ruhrgas über ein gemeinsames Förderprojekt in Westsibirien verschoben. Am Markt werde mit einer Beteiligung von mindestens 15 Prozent gerechnet, sagte ein Händler. Die Unsicherheit angesichts der andauernden Verhandlungen sei negativ für den Kurs. Zudem belaste die Schwäche der Carbon-Preise die Versorgerbranche. Im Kielwasser verloren RWE-Papiere  2,3 Prozent auf 68,78 Euro. Aktien von Eon  gaben 1,6 Prozent auf 95,60 Euro ab.

Merck mit Gewinn- und Kurssprung

Merck mit Gewinn- und Kurssprung

An die Spitze des MDax  sprangen die Anteile der Merck KGaA  mit einem plus von mehr als 4 Prozent auf 85,21 Euro. Marktteilnehmer bezeichneten die Quartalszahlen als gut. Positiv hob ein Händler auch den angehobenen Ausblick hervor.

Fielmann-Aktien  haben am Donnerstag zu Handelsbeginn 3,6 Prozent auf 79,14 Euro gewonnen. Die Optikerkette hat im ersten Quartal den Gewinn mehr als verdoppelt. Der Vorsteuergewinn sei um 148,7 Prozent auf 25 Millionen Euro gestiegen, teilte das Unternehmen mit.

Das Zahlenwerk des Verkehrstechnikkonzerns Vossloh  ist laut Händlern schwach ausgefallen. Zwar habe der Umsatz und das Betriebsergebnis die Markterwartungen leicht übertroffen. Der Gewinn nach Steuern habe die Prognosen jedoch verfehlt, hieß es. Vossloh-Aktien gewannen 1,2 Prozent auf 42,00 Euro ein.

Aktien des Geldautomaten- und Kassensystemherstellers Wincor Nixdorf sind am Donnerstag nach Zahlen um 0,4 Prozent auf 114,00 Euro gestiegen. Wincor Nixdorf hat nach zweistelligen Wachstumsraten im zweiten Geschäftsquartal (Ende März) seine Prognose für das Gesamtjahr 2005/2006 erhöht. Der Umsatz solle um 10 Prozent zulegen, das operative Ergebnis um 15 Prozent

Dow Jones und Nikkei schließen im Plus

Die Vorgaben aus Übersee waren freundlich: Der US-Leitindex Dow Jones  hatte am Mittwoch nach Börsenschluss in Deutschland gut 17 Punkte zugelegt und schloss um 0,6 Prozent fester bei 11.355 Punkten. Der Nasdaq Composite  stieg um 0,1 Prozent auf 2334 Zähler.

Zahlreiche Unternehmensbilanzen standen an der Wall Street im Fokus. Auch starke Konjunkturdaten hätten das Vertrauen in anhaltendes Wirtschaftswachstum gestärkt. Die Erholung verlaufe zumeist solide und stabil, schreibt die US-Notenbank in ihrem am Abend vorgelegten monatlichen Konjunkturbericht (Beige Book). Die am Donnerstag anstehende Rede von Notenbankchef Ben Bernanke vor dem Kongress habe aber zum Handelsschluss einige Anleger nervös gestimmt. Der Nikkei  präsentierte sich am Morgen in Tokio gut behauptet und gewann 0,6 Prozent auf 17.156 Zähler.

Ölpreis gibt erneut leicht nach

Der Kurs des Euro ist am Mittwoch im späten Handel zwar leicht unter sein Tageshoch von 1,2471 Dollar gefallen, wurde aber weiter deutlich über 1,24 Dollar bei 1,2453 Dollar gehandelt. Zuvor hatte die Europäische Zentralbank (EZB) den Referenzkurs wie am Vortag auf 1,2425 Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit unverändert 0,8048 Euro.

Der Ölpreis ist nach einem unerwartet schwachen Rückgang der Lagerbestände in den USA in der Nacht zum Donnerstag weiter gesunken. Im asiatischen Handel gab der Preis für ein Barrel (159 Liter) der US-Sorte WTI mit Auslieferung im Juni 12 Cent auf 71,81 Dollar nach. Der Ölpreis ist bereits unmittelbar nach der Veröffentlichung der US-Lagerbestände am Mittwoch unter Druck geraten.

dpa-afx, reuters

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