Siemens Überraschungscoup

Der Technologiekonzern Siemens hat sich von Januar bis März viel besser entwickelt als erwartet. Selbst nach Steuern verdiente das bedeutendste deutsche Elektro- und Industrieunternehmen zweistellig mehr als im Vorjahreszeitraum. Ihren neuen Spielraum haben die Münchener bereits genutzt – mit einem Milliardenzukauf in Amerika.

München - Der Münchener Großkonzern Siemens hat im zweiten Quartal seines Geschäftsjahres einen überraschend hohen Gewinnzuwachs verzeichnet. Das Ergebnis nach Steuern habe im Vergleich zum Vorjahresquartal um 14 Prozent auf 887 Millionen Euro zugelegt, teilte Siemens am Donnerstag in München mit. Analysten hatten im Durchschnitt mit 793 Millionen Euro gerechnet. Wie bereits im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2005/06 wuchs der Auftragseingang des Konzerns deutlich, und zwar um gut ein Fünftel auf 24,4 Milliarden Euro.

Der Umsatz legte in der gleichen Größenordnung auf 21,5 Milliarden Euro zu. Das operative Ergebnis der Bereiche kletterte um 8 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro. Der Auftragseingang schnellte um 22 Prozent auf 24,413 Milliarden Euro hoch. Branchenexperten hatten 23,02 Milliarden Euro veranschlagt.

Das "rasante Wachstum" des ersten Halbjahres werde sich in den verbleibenden beiden Quartalen des Geschäftsjahres verlangsamen, kündigte das Unternehmen jedoch an. Auf Siemens kämen Kosten für die Sanierung der angeschlagenen Geschäftssparten Siemens Business Services (SBS) und Com zukommen.

Speziell bei seiner Kommunikationssparte will der Siemens-Konzern seine Probleme notfalls auch mit Kündigungen in den Griff bekommen. "Weitere Kapazitätsanpassungen" seien kurzfristig geplant, sagten Siemens-Sprecher heute In den vergangenen Monaten seien bereits 1500 Stellen in Deutschland gestrichen worden. Im abgelaufenen Quartal brach das Bereichsergebnis bei Com um 75 Prozent auf 27 Millionen Euro ein.

Der seit längerem kriselnde IT-Dienstleistungsbereich SBS vergrößerte zuletzt sogar seinen Quartalsverlust im Jahresvergleich um hohe 50 Prozent auf 194 Millionen Euro, während der Umsatz um 8 Prozent auf 1,39 Milliarden Euro zulegte. Die Umstrukturierungskosten für SBS stiegen den Angaben nach von 63 Millionen auf 155 Millionen Euro.

Der Siemens-Konzern will dagegen mit einer Milliarden-Übernahme seine Medizintechniksparte stärken. Die amerikanische Firma Diagnostic Products (DPC) solle für knapp 1,9 Milliarden Dollar gekauft werden, das sind umgerechnet rund 1,5 Milliarden Euro. Die Übernahme sei "ein bedeutender Meilenstein in der strategischen Position von Siemens Medical Solutions", glaubt Siemens selbst.

Der deutsche Konzern will den DPC-Aktionären offenbar ein Angebot in Höhe von 58,50 Dollar je DPC-Aktie unterbreiten; die Aufsichtsräte beider Firmen hätten die Übernahme bereits gebilligt. Wenn auch die zuständigen Wettbewerbsbehörden zustimmen, soll die Übernahme bereits im Sommer abgeschlossen sein. Die Medizintechnik ist einer der großen Ertragsbringer bei Siemens. Im abgelaufenen Quartal stieg das Bereichsergebnis um 18 Prozent auf 258 Millionen Euro. Der Umsatz legte kräftig auf gut zwei Milliarden Euro zu.

Aktien von Siemens  haben am Donnerstag nach der Bekanntgabe der Halbjahreszahlen die rote Laterne im Dax  übernommen. Bisher verlieren die Titel des Unternehmens nahezu 3 Prozent auf 77,40 Euro, der deutsche Leitindex gibt um 0,48 Prozent auf 6075 Punkte nach. Aktienhändler begründeten den Kursverlust der Siemens-Aktie mit Verkäufen jener Anteilseigner, die in den vergangenen Monaten bereits viel Geld mit ihrem Investment verdient haben.

manager-magazin.de mit Material von afp, dpa, reuters und vwd

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.