Montag, 19. August 2019

Thilenius-Kolumne Warnsignale

Der Börsenaufschwung verliert an Fahrt, erste Anleger werden nervös. Kommt bald der richtige Moment, um seine Aktienbestände zu verkaufen? Die Hinweise häufen sich zumindest dafür.

Die internationalen Aktienmärkte kommen nicht so recht voran. Der Dow Jones Börsen-Chart zeigen an der Leitbörse in New York beispielsweise kann seinen zwischenzeitlichen Topstand von 11.300 Punkten nicht halten und fällt in Richtung 11.000 Zähler zurück. Ähnlich sieht es in Europa aus: Der Dax Börsen-Chart zeigen knackt Anfang April die Marke von 6000 Punkten, aber auch der deutsche Leitindex kann im weiteren Verlauf diesen höchsten Stand seit fünf Jahren nicht verteidigen.

Blitz und Donner: Die Zeichen für ein Unwetter an der Börse mehren sich
Die schlechte Stimmung kommt aus Amerika. Sie ist durch Sorgen um ein abflauendes Wachstum bei weltweit steigenden Zinsen und eine Beschleunigung der Inflation durch die hohen Ölpreise entstanden.

Die vergangenen Handelstage haben nur eine Stabilisierung auf niedrigerem Niveau, aber keine Umkehr des Trends gebracht. Daher ist keine Entwarnung angesagt. Noch ist dies nur ein Wetterleuchten, da die Indizes auf hohem Niveau stagnieren und die Bewertungen nicht zu hoch sind. Der Investor fragt sich jedoch, ob sie nicht doch ein erster Hinweis auf die kommende Abwärtswende an den Börsen sind.

Das Wetterleuchten vom 15. April 2000

Ein Investor mit einem guten Gedächtnis wird sich an diesen Freitag vor ziemlich genau sechs Jahren erinnern, den 15. April 2000. An diesem Tag fiel der Dow Jones Börsen-Chart zeigen um knapp 5 Prozent auf 10.200 Punkte. Mit diesem Wetterleuchten begann der große Abstieg nach dem Hoch im März 2000 bei 11.700 Zählern. Wer das Signal damals ernst genommen hat und seine Aktienbestände komplett verkaufte, kam schadlos um die folgende, schlimmste Aktienbaisse seit der Weltwirtschaftskrise herum.

Deshalb stellt sich heute folgende Frage: Sollten Anleger jetzt flugs ihre Aktienbestände verkaufen, was man vielleicht damals im Jahr 2000 versäumt hat?

Wann das neue Tief bevorstehen müsste

Und noch ein Hinweis für nachdenkliche Investoren: Nach Auswertung früherer Börsenzyklen ist etwa alle vier Jahre mit einem Tief der Indizes zu rechnen. Das vergangene Tief erreichte Amerikas Börsen im Oktober 2002, unseren Aktienmarkt im Frühjahr 2003. Der vorhergehende Abschwung datiert auf den Oktober 1998. Wer diese historische Entwicklung in die Zukunft fortschreibt bemerkt schnell, dass uns ein neues Tief rechnerisch im Oktober 2006 ins Haus stehen müsste, also in sechs Monaten.

Aber halt, es gibt auch historische Vergleiche, die gegen einen baldigen Abschwung an unserem Aktienmarkt sprechen. Am Freitag, dem 28. August 1998 sank der Dow Jones Index im Zuge der Russlandkrise und der aufziehenden Hedgefondskrise um knapp 3 Prozent auf 7500 Punkte. Wieder ein deutlicher Kursknick - aber auch wieder ein nützlicher Hinweis? Leider nicht. Die folgenden weiteren Verluste wurden bis zum Frühjahr 2000 mehr als aufgeholt. Wer am 28. August 1998 verkaufte, hat sich in den Monaten danach sicher gegrämt.

Was bedeuten diese widersprüchlichen Marktreaktionen heute? Wer auf Sicherheit bedacht ist, wird die Analogie zu 2000 beachten und die in den vergangenen drei Jahren eingefahrenen Gewinne glattstellen und so lang im Geldmarktfonds parken, bis eindeutige Signale für den nächsten Aufschwung zu sehen sind. Dies kann aber durchaus sechs Monate dauern.

Der langfristige Investor sieht dagegen, dass die Grundstimmung an den Märkten auf Grund der nach wie vor niedrigen Zinsen und der trotz aller Bedenken moderaten Inflation positiv ist. Er wird investiert bleiben, aber sehr genau den Anleihemarkt beobachten. Falls die langfristigen Zinsen am US-Anleihemarkt über 5 Prozent steigen sollten, empfiehlt sich der Ausstieg aus dem Aktienmarkt.

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