Börsenfusion Auf dem Hochzeitsbasar

Die Vierländerbörse Euronext will bis Ende Mai über eine Fusion mit der Deutschen Börse entscheiden. Vorsichtshalber schaut sich Euronext bis dahin allerdings nach anderen Partnern um – und preist ihre eigene Stärke.

Paris - Der mögliche Zusammenschluss von Deutscher Börse und Euronext zu einer europäischen Superbörse erhält Rückenwind. Die Vierländerbörse Euronext begrüßte am Montag den Vorstoß der Deutschen Börse für eine Fusion unter Partnern und sprach sich für eine Fortsetzung der Gespräche aus. Gleichzeitig betonte der europäische Börsenbetreiber aber, dass er sich auch andere Möglichkeiten offen hält.

Wie die Euronext am Montag mitteilte, wollen Führung und Aufsichtsrat des Börsenbetreibers nun vor der Hauptversammlung am 23. Mai zusammenkommen, um über ihr weiteres Vorgehen zu beraten. Den Aktionären soll dann - soweit möglich - auf dem Treffen Ende Mai eine Handlungsempfehlung zur Abstimmung vorgelegt werden. Die Aktie der Euronext  zog am Montagmorgen um 2 Prozent auf 69,45 Euro an, Deutsche-Börse-Papiere  notierten mit einem Aufschlag von 0,5 Prozent auf 119,60 Euro.

Euronext habe in den vergangenen Wochen Gespräche mit zahlreichen Interessenten geführt, hieß es von Seiten der französisch dominierten Börse weiter. Dabei habe sich herausgestellt, dass die Euronext als einer der größten Aktien- und Derivatemärkte in Europa vor allem wegen ihrer enormen Wachstumsaussichten und wegen ihrer "einmaligen Stellung" auf den weltweiten Kapitalmärkten ein bevorzugter Partner sei. Namen von Interessenten neben der Deutschen Börse wollte eine Euronext-Sprecherin in Paris auf Anfrage nicht nennen. Auch zum Zeitplan der weiteren Gespräche mit den Deutschen wollte sie keine Stellung nehmen.

Bei ihrer Entscheidung, welchen Weg sie künftig gehen werde, werde Euronext neben der Wertschöpfung für ihre Aktionäre und der Berücksichtigung der Interessen ihrer Anteilseigner vor allem die durch einen Schulterschluss möglichen Synergien unter die Lupe nehmen, hieß es in der Mitteilung weiter. Eine wichtige Rolle spielen laut Euronext aber auch die mögliche Erschließung weiterer Schlüsselmärkte und - Geschäfte, die vorgegebenen Regulierungs- und Lenkungsstrukturen, die Risiken bei der Durchführung sowie kartellrechtliche Überlegungen.

Unterdessen wollen nach Informationen des "Wall Street Journal" mehrere französische Großbanken, die gemeinsam rund 10 Prozent der Euronext-Anteile halten, gegenseitige Konsultationen bei anstehenden Entscheidungen über die Zukunft des Börsenbetreibers vereinbaren. Zu dieser Gruppe gehörten die BNP Paribas , Credit Agricole , Dexia  und Societe Generale .

Zudem wolle sich eine zweite Gruppe organisieren, deren Aktien an der Euronext gehandelt werden. Dieser Zusammenschluss werde von der Investmentbank Rothschild & Cie. organisiert, verfüge aber voraussichtlich über nicht mehr als 5 Prozent des Stimmenanteils an der Euronext.

Der Zusammenschluss von Euronext und Deutscher Börse werde derzeit von dem britischen Hedge Fonds The Children's Investment Fund (TCI) und dem US-Fonds Atticus Capital betrieben, berichtete die Zeitung weiter.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx und reuters