Thilenius-Kolumne Weckruf für Investoren

Die Weltwirtschaft brummt, für Rohstoffe werden Rekordpreise gezahlt. Gleichzeitig fädeln Unternehmen Milliardenübernahmen ein. Der aktuelle Wirtschaftszyklus scheint auf seinem Höhepunkt angekommen zu sein. Das heißt, dass es bald bergab gehen wird. Auch mit den Aktienkursen.

Die deutsche Stahlindustrie ist zuversichtlich, dass die Preissteigerungen beim Eisenerz allmählich auslaufen. Im vergangenen Jahr sind die Preise für Eisenerz um mehr als 71 Prozent gestiegen. Die drei großen internationalen Produzenten bilden ein für sie sehr bequemes Oligopol und stehen für etwa zwei Drittel der weltweiten Produktion. Gemeint sind die Companhia Vale do Rio Doce (CVRD)  in Brasilien sowie Rio Tinto  und BHP Billiton  in Australien.

Wenn drei große Anbieter den größten Teil der Weltproduktion eines wichtigen Industrierohstoffes kontrollieren, kann es in Zeiten starker Nachfrage der Stahlproduzenten schon einmal zu derartig kräftigen Preiserhöhungen kommen.

Bei Kohle sind die Verhältnisse nicht so extrem, hier gibt es mehrere große Produzenten. Dazu gehören die Unternehmen Xstrata , Massey Energy  und Consol Energy  in Amerika. Kräftige Preiserhöhungen speziell für Kokskohle mussten die deutschen Stahlkocher dennoch hinnehmen.

Die starken Preissteigerungen für Erz und Kohle seit Anfang vergangenen Jahres haben die Rohstoffpreise für die deutsche Stahlindustrie um mehr als 140 Prozent in die Höhe getrieben. Jetzt scheinen sich die Preise zumindest nicht so kräftig weiter zu erhöhen. Koks kostet derzeit wieder so viel wie vor drei Jahren. Bei den jetzt laufenden Verhandlungen über die Preise für Kokskohle haben asiatische Abnehmer in ersten Abschlüssen sogar eine Preissenkung um 10 Prozent vereinbaren können, allerdings vom sehr hohen Niveau des Vorjahres ausgehend.

Das Übernahmeangebot des indischen Stahlgiganten Mittal  für die französisch dominierte Arcelor  zeigt, dass sich die Stahlindustrie insgesamt auf dem Höhepunkt ihrer Entwicklung befindet. Derartige Großtransaktionen, ob sie nun tatsächlich abgeschlossen werden oder nicht, sind immer ein Signal für das nahende Ende eines Zyklus. Und wer sich jetzt noch daran erinnert, dass Wirtschaftszyklen in der Vergangenheit ungefähr vier Jahre währten und zugleich bemerkt, dass wir just im vierten Jahr des aktuellen Aufschwungs angekommen sind, wird sich Gedanken machen. Weitsichtige Anleger sollten deshalb auf der Hut vor einem Abschwung sein.

Wer zu den Weitsichtigen gehört, die rechtzeitig Eisenerz- und Kohlewerte günstig gekauft haben, sollte seine Aktien jetzt verkaufen. Besser wird es kaum noch. Im Gegenteil, die Zeichen deuten auf einen Abschwung, wenn auch vielleicht erst im kommenden Jahr.