Börsenindizes Seltene Karrieren

Die Aktie der Baumarktkette Praktiker wird in Deutschlands zweite Börsenliga aufgenommen – und das nur einen Monat nach ihrem Aufstieg in die dritte Wertpapierliga. Damit nicht genug: Der Boom deutscher Solarfirmen drückt darüber hinaus dem Technologiesegment der Frankfurter Börse erneut seinen Stempel auf.

Frankfurt am Main - Die Aktien der Baumarktkette Praktiker  und des Solaranbieters Solon  sind die Aufsteiger an der Börse. Die Praktiker-Titel werden zum 20. März in den MDax-Börsenindex  der mittelgroßen deutschen Aktiengesellschaften aufsteigen und dort die Anteilsscheine des Elektroartikelhändlers Medion  ersetzen.

"Wir freuen uns, dass unsere Aktie durch die Indexaufnahme noch attraktiver wird", kommentierte Praktiker-Chef Wolfgang Werner die Entscheidung des Arbeitskreises Indizes der Deutschen Börse. Er will in den kommenden Monaten unter anderem weitere Filialen in Osteuropa eröffnen lassen und so das Geschäft des Unternehmens ausbauen. Praktiker war erst im November von seinem Großaktionär, dem Handelskonzern Metro , an die Börse gebracht worden.

Seit dem 21. Februar gehörte die Praktiker-Aktie dann dem Drittliga-Index SDax  an. Sie war dort außerplanmäßig als Nachrücker für das Papier der Bausparkasse BHW  eingezogen, das nach der Übernahme durch die Postbank  aus dem Index herausgenommen werden musste. Damit dauerte der Durchmarsch der Praktiker-Aktie in die zweite Börsenliga, den MDax, nicht einmal zwei Wochen.

Am vergangenen Mittwoch waren bereits die Aktien von Vivacon  im Eilverfahren in den MDax aufgestiegen. Der Immobilien-Finanzdienstleister hatte die Titel des Spezialchemiekonzerns Degussa  abgelöst, der in dem Essener RAG-Konzern aufgehen wird.

Die Wertpapierexperten der Deutschen Börsen richten sich bei der Auswahl der Aktien für den MDax vor allem nach dem höchsten Börsenwert und den größten Umsätzen der zur Wahl stehenden Firmen. Darüber hinaus spielt die Branchenzugehörigkeit eine Rolle, die Anzahl der ausstehenden Aktien oder die Dauer der Zugehörigkeit in einem Index.

Der Nebenwerteindex MDax der Deutschen Börse soll sich nach Ende des Auswahlverfahrens aus 50 Aktien zusammensetzen, die ein Spiegelbild für Deutschlands mittelgroße börsennotierten Unternehmen bilden. Die Anteilsscheine der 30 bedeutendsten Börsen-Großunternehmen der Bundesrepublik werden dagegen in dem übergeordneten Börsenbarometer Dax  gelistet, der ersten deutschen Börsenliga.

Die Aktienspezialisten des Frankfurter Wertpapiermarktes  nehmen zudem die Aktien des Solaranbieters Solon in den TecDax  auf und ersetzen mit ihnen die Anteilsscheine des süddeutschen Elektrobetriebes Funkwerk in Deutschlands bedeutendstem Technologieindex.

Mit Solon wird das mittlerweile fünfte Konzern aus der Solarbranche in den TecDax einziehen. Vor rund einem Jahr war kein einziges Unternehmen dieses Industriezweiges in dem Börsenbarometer vertreten, das für Firmen aus Technologie- und Wachstumsbranchen geschaffenen worden ist. Zusammen genommen beeinflussen die Kursbewegungen der fünf Solarfirmen die Wertveränderung des gesamtes TecDaxes mittlerweile mit mehr als 20 Prozent. Experten witzeln deshalb inzwischen augenzwinkernd über den TecDax als SolarDax der Deutschen Börse.

Auch im Auswahlindex SDax  für 50 kleinere deutsche Aktiengesellschaften wird es Änderungen geben: Die Wertpapiere des Münchener Lebensversicherungshändlers Cashlife  und des Immobilienfinanzierers Colonia Real Estate  aus Köln werden neu in die Liste geführt, dafür müssen die Titel des Hamburger Weingroßhändlers Hawesko  und der Baumarktkette Hornbach  aus Neustadt ihren Platz in diesem Marktbarometer räumen.

Im Top-Index Dax gibt es allerdings keine Änderungen. Der nächste Termin für die Überprüfung der Börsenindizes ist der 6. Juni dieses Jahres.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters