Gerling Börsengang erst ab Sommer 2000

Der Versicherer hat den Finanzvorstand an die Konkurrenz verloren und muß daher den für November geplanten Börsengang um knapp ein Jahr verschieben. Die Börsenlage sei derzeit ohnehin nicht rosig, tröstet sich Gerling-Chef Zech.

Köln - Die Gerling-Konzern Versicherungs-Beteiligungs-AG (GKB) plant den Börsengang nun erst im Jahr 2000. Wahrscheinlich sei das Going Public nach der Bilanzvorlage im Juni, sagte der Vorstandsvorsitzende Jürgen Zech.

Personelle und externe Gründe hätten für eine Verschiebung des ursprünglich für November 1999 geplanten Going Publics gesprochen. Ein wichtiger Grund: Dem Versicherer fehlt derzeit ein Finanzvorstand. Claus Michael Dill ist im Frühjahr als neuer Vorstandsvorsitzender zum Kölner Nachbarn Axa Colonia Konzern AG gewechselt. Der Nachfolger Stefan Volk hat sein Amt noch nicht angetreten.

Technisch hätte das ursprünglich angestrebte Datum eingehalten werden können, betonte die Gerling-Spitze. So habe die GKB bereits auf eine Bilanzierung nach IAS-Regeln umgestellt und die Bilanzstichtage der verschiedenen Gesellschaften vereinheitlicht.

Der Zeitpunkt sei im Hinblick auf die aktuell schwierige Finanzmarktsituation und die derzeitige geringe Nachfrage nach Versicherungsaktien aber nicht ideal gewesen, so Zech. Die Gesellschaft stehe angesichts der Jahr-2000-Problematik beim Schadenaufkommen außerdem vor gewissen Unsicherheiten - was gleichfalls im Hinblick auf die zukünftige Steuergesetzgebung gelte. Ende Juli sei die Entscheidung gefallen, den Börsengang auf das kommende Jahr zu verschieben. Beim Going Public arbeitet Gerling mit der Deutsche Bank AG, Frankfurt, und der Londoner Investmentbank Schroders zusammen. Die Deutsche Bank will ihren 30-Prozent-Anteil an Gerling größtenteils abgeben. Vorstandsvorsitzender Rolf E. Breuer hatte einst von einem unattraktiven Finanzinvestment in Bezug auf den Kölner Versicherer gesprochen. Dieses Urteil, so befürchten Branchenkenner, könne das Going Public belasten.

Mehrheitsaktionär Rolf Gerling - er besitzt 70 Prozent der Anteile - werde sich nach Angaben von Zech, wenn überhaupt, nur von einem geringen Teil seiner Aktien trennen, er wolle in jedem Fall die deutliche Mehrheit behalten. Eine Streubesitz von 49 Prozent sei undenkbar.

Zur zukünftigen Strategie sagte Zech, die GKB als Holding der Gerling-Gruppe werde sich auf die vier Kernbereiche Industrie, Firmen/Privatkunden, Kredit- und Rückversicherung konzentrieren. Im in jüngster Zeit angespannten Industriegeschäft wollen die Kölner nach Angaben von Vorstandsmitglied Björn Jansli auch in Zukunft alleine bleiben.

Der Marktanteil im deutschen Industriegeschäft liege zwischen zehn und 20 Prozent - ob als Nummer eins oder an zweiter Position hinter dem Wettbewerber Allianz AG, München, wollte Jansli nicht sagen. Im Kreditversicherungsgeschäft sei Gerling mit ein oder zwei Übernahmekandidaten im Ausland im Gespräch, erläuterte Zech. Grundsätzlich wolle der Versicherer aber aus eigener Kraft wachsen. "Wir sind ein Versicherer, der nicht nur auf einem Loch pfeift, sondern haben vier Beine." Sollte ein Bereich die Zielrendite mal nicht erwirtschaften, machten sich dafür die anderen gut, so Zech.