Verlage Preisbindung für Bücher in der Schweiz gekippt

Die Schweizer Wettbewerbskommission verbietet die Preisbindung für deutschsprachige Bücher. Die Absprachen zwischen Verlagen, Groß- und Einzelhändlern seien nach dem Kartellgesetz unzulässig.

Bern - Die Wettbewerbskomission (Weko) entschied nach einjähriger Untersuchung, die Preisbindung im deutschsprachigen Buchhandel zu untersagen, erklärte Weko-Präsident Roland von Büren am Dienstag in Bern. Buchhandel und Gewerkschaften reagierten mit scharfer Kritik auf den Beschluss. Die Branche kann Einspruch einlegen.

Die Verfügung richtet sich gegen alle Beteiligten an der kollektiven Preisbindung. Deren Interessen werden vom Schweizerischen Buchhändler- und Verlegerverband (SBVV) und vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels vertreten. Der Westschweizer Buchhandel mit französischsprachigen Büchern wird noch untersucht.

90 Prozent der deutschsprachigen Bücher kosteten in der Schweiz überall gleich viel, selbst bei einem Kauf via Internet, sagte von Büren. Dies sei die Folge eines Preiskartells, an dem alle Marktstufen vom Verleger über den Zwischenhandel bis zum Buchhändler beteiligt seien. Buchhändler, die sich weigerten, die festgesetzten Ladenpreise einzuhalten, würden mit Konventionalstrafen belegt und boykottiert. "Das Bücherkartell beseitigt jeglichen Preiswettbewerb", sagte er. Als direkte Folge entfalle auch der Leistungswettbewerb zwischen den Buchhändlern, da differenzierte Leistungen nicht durch differenzierte Preise abgegolten werden könnten. Nach Auffassung der Weko widerspricht dies dem Kartellgesetz.

Von Büren rechnet nach eigenen Worten damit, dass das nun eingeleitete Verfahren noch ein bis drei Jahre dauern könnte. Der SBVV kündigte bereits an, Einspruch einzulegen. Die Preisbindung sei mit dem Entscheid nicht aufgehoben, teilte der Verband mit. Die Wettbewerbskommission scheine nicht wahrnehmen zu wollen, dass dank der Preisbindung ein einmalig breites Sortiment auf dem Schweizer Buchmarkt erhältlich sei, hieß es in einer Stellungnahme. Erschwerend falle ins Gewicht, dass der Stand des EU-Verfahrens nicht in die Überlegungen einbezogen worden sei und dass eine ernsthafte Anhörung der Branche nicht stattgefunden habe.

Der Preis ist aus Branchensicht auch nicht das einzige Wettbewerbskriterium. Der Wettbewerb funktioniere über das Sortiment und die Dienstleistungsangebote des Handels.