Degussa Ein bisschen wie Sterben

Der Spezialchemiekonzern Degussa hat 2005 einen höheren Verlust ausgewiesen als von Analysten und vom Unternehmen erwartet. Das ist nicht der einzige Rückschlag für die Firma: Degussa muss von der Börse Abschied nehmen.

Düsseldorf - Die Degussa  präsentierte heute zum letzten Mal einen Jahresabschluss als selbständiges Börsenunternehmen. Schon in den nächsten Wochen wird der drittgrößte deutsche Chemiekonzern als Tochterfirma in den Essener RAG-Konzern eingegliedert. Die Abschiedsvorstellung des Düsseldorfer Unternehmens fiel allerdings durchwachsen aus.

Die Traditionsfirma hat im vergangenen Jahr schlechte Geschäfte gemacht. Unter dem Strich lag der Verlust nach Fremdanteilen bei 491 Millionen Euro, dabei hatte Degussa im Vorjahr noch 298 Millionen Euro Gewinn erwirtschaftet.

Grund für das Millionendefizit war allerdings weniger das laufende Geschäft, sondern unerwartet hohe Abschreibungen auf die Feinchemiesparte. Sie belasteten die Jahresbilanz der Düsseldorfer mit 836 Millionen Euro - und verhagelten so das Gesamtergebnis.

Im Januar 2006 liegt das Degussa-Ergebnis allerdings bereits wieder "deutlich über dem Vorjahreswert", sagte Vorstandschef Utz-Hellmuth Felcht heute, und auch die erste Schätzungen für Februar und März dieses Jahres seien positiv ausgefallen.

Für das laufende Geschäftsjahr erwartet das Spezialchemieunternehmen einen Umsatz in Höhe von 12 Milliarden Euro, nach 11,75 Milliarden im Vorjahr. Das Vorsteuerergebnis soll auf eine Milliarde Euro steigen, verglichen mit 0,94 Milliarden Euro vor Jahresfrist.

Innerhalb der nächsten drei Jahre plant das Degussa-Management, sein Ebit um 300 Millionen Euro im Vergleich zum Jahr 2004 zu steigern. Das Unternehmen will nicht zuletzt deshalb bis zum Jahr 2008 vor allem in Wachstumsregionen wie Osteuropa und China 2,1 Milliarden Euro investieren. Allein auf das laufende Jahr entfielen davon gut 700 Millionen Euro, sagte Felcht. Im vergangenen Jahr hatte Degussa die Investitionen bereits um 13 Prozent auf 814 Millionen Euro ausgeweitet.

Ende einer Börsen-Ära

Ende einer Börsen-Ära

Die zusätzlichen Erträge werden dann allerdings nicht mehr den bisherigen Aktionären zugute kommen. Der Essener Bergbau- und Chemiekonzern RAG, ehemals Ruhrkohle AG, will die Degussa bereits in den nächsten Monaten vollständig übernehmen, um durch den ertragsstarken Zukauf selbst fit für die Börse zu werden. Spätestens im Jahr 2007 wollen die Essener dann ihren eigenen Firmennamen auf den Kurstafeln des Aktienmarktes leuchten sehen.

Allerdings ist die Degussa mit ihren weltweit 45.000 Mitarbeitern eigentlich zu teuer für das Unternehmen aus der 25 Kilometer entfernten Ruhrstadt.

RAG-Vorstandschef und Ex-Bundeswirtschaftsminister Werner Müller hat deshalb als Degussa-Mehrheitsaktionär schon in dieser Woche das profitable Bauchemiegeschäft der Degussa an den weltgrößten Chemiekonzern BASF  verkaufen lassen. Mit dem Erlös in Höhe von 2,8 Milliarden Euro hat die RAG nun offenbar genug Bares, um den Rest der Degussa bezahlen zu können.

Die Deutsche Börse  musste die Degussa-Aktie durch die Konzentration des Aktienkapitals bereits am 1. März aus dem MDax-Index  der mittelgroßen deutschen Aktiengesellschaften streichen. Zu wenige Anteilsscheine des Unternehmens befanden sich zu diesem Zeitpunkt noch in der Hand von Privatanlegern, zu viele dagegen in der des einzigen Großaktionärs RAG.

Das endgültige Börsen-Aus wird für das Düsseldorfer Unternehmen in wenigen Wochen folgen. Dann übernimmt die Essener RAG die Degussa vollständig - und die Firma von der Börse.

Damit rückt auch das Ende einer traditionsreichen deutschen Börsengeschichte näher. Noch vor wenigen Jahren zählten Degussa-Aktien zu den 30 bedeutendsten deutschen Papieren, die im Deutschen Aktienindex (Dax)  gelistet werden. Dann folgte der Abstieg in die zweite Börsenliga, den MDax. Bald geht Degussas Börsenära ganz zu Ende.

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