Fortis Dieb erzwingt Bilanzvorlage

Früher als geplant hat der niederländische Finanzkonzern Fortis Teile seiner Bilanz veröffentlicht. Grund für die Eile: Einem Mitarbeiter war eine Tasche mit einem Entwurf der Bilanz abhanden gekommen. Das ärgert den Konzern doppelt, denn die Zahlen sind schlechter als erwartet.

Amsterdam – Das hatten sich die Manager des niederländischen Finanzkonzerns Fortis  zweifellos anders vorgestellt: Am 9. März wollten sie turnusgemäß ihre Jahresbilanz vorstellen - nachdem alle zuständigen Gremien ihre Zustimmung gegeben haben. Doch vor wenigen Tagen wurde ein Fortis-Mitarbeiter Opfer eines Diebs. In dem gestohlenen Aktenkoffer lag – ausgerechnet – ein Entwurf der Konzernbilanz.

Unfreiwillig waren damit kursrelevante Informationen in Umlauf geraten. Der Konzern musste handeln, um zu verhindern "dass nach dem Diebstahl ein ungleicher Kenntnisstand bei den Anlegern entstehen könnte", wie es hieß. Fortis zog deshalb am Freitag die Bekanntgabe der Bilanz-Eckdaten vor – obwohl sie bislang nicht einmal vom Verwaltungsrat abgesegnet worden sind.

Die zwangsweise Eile dürfte den Konzern doppelt ärgern, denn die Zahlen sind zu allem Unglück auch noch schlechter ausgefallen, als von Analysten erwartet. Zwar kletterte der Überschuss im vergangenen Jahr um 32 Prozent auf 3,9 Milliarden Euro gesteigert. Die Dividende soll daher von 1,04 auf 1,16 Euro je Aktie erhöht werden.

Analysten hatten aber mit einem Nettogewinn von bis zu 4,2 Milliarden Euro gerechnet. Ivan Lathouders von der Bank Degroof begrüßte die Entscheidung der Bank zur frühen Präsentation der Zahlen. Dies schaffe Transparenz.

Allerdings lägen die Ergebnisse deutlich unter seinen Erwartungen, sagte Lathouders. "Aber wegen der begrenzten Informationen wissen wir nicht wirklich, warum das so ist." Details will Fortis wie geplant am 9. März bekannt geben.

dpa-afx, rtr