Karmann Ein Grandseigneur des Autos ist tot

Der Osnabrücker Unternehmer Wilhelm Karmann versorgte die Autobranche mit Karosserien und setzte sich mit dem Karmann Ghia ein automobiles Denkmal.

Osnabrück - Der Osnabrücker Automobilunternehmer Wilhelm Karmann, der mit dem Sportwagen Karmann Ghia 1955 seinen ersten Welterfolg landete, ist tot. Der Ehrenvorsitzende der Wilhelm Karmann GmbH starb am Sonntag nach längerer Krankheit. Das teilte das Unternehmen am Montag abend mit. Am 4. Dezember wäre der mit vielen Orden ausgezeichnete Ingenieur 84 Jahre geworden.

Karmann steht für sportliche Autos und für Cabrios. Nach dem Karmann Ghia fertigte Karmann für Volkswagen den VW-Porsche, das Scirocco-Coupé, das Golf Cabriolet und den Corrado. Dies festigte sein internationales Renommee als Karosseriebauer. Auch Porsche, BMW, Opel, Ford, Mercedes-Benz und ausländische Autohersteller wie Renault und Kia ließen bei Karmann Sondermodelle ihrer Serienfahrzeuge bauen.

Mit 19 Jahren war Karmann als Praktikant in den väterlichen Betrieb eingetreten, der schon kurz nach der Jahrhundertwende neben Kutschen die ersten Autokarossen hergestellt hatte. Weitere Stationen seiner Ausbildung waren die Deutsche Fiat und 1935 bis 1937 die Fachschule für Karosserie- und Fahrzeugbau in Bernau bei Berlin. Im Zweiten Weltkrieg geriet Karmann in amerikanische Gefangenschaft. Anschließend unterstützte er seinen Vater beim Wiederaufbau des weitgehend ausgebombten Unternehmens.

Nach dessen Tod übernahm Karmann 1952 die Leitung der Firma mit damals 1 415 Mitarbeitern und 24 Millionen Mark Umsatz. Als Karmann 1989 nach 50jähriger Berufstätigkeit die Unternehmensführung an den Geschäftsführer Rainer Thieme abgab, kam das Unternehmen auf 7000 Mitarbeiter und eine Milliarde Mark Umsatz.

1960 gründete Karmann bei Sao Paulo die Karmann-Ghia do Brasil. 1965 entstand als selbständiges Unternehmen das Werk Rheine, wo auch der Ford-Escort gebaut wurde. In den achtziger Jahren fertigte Karmann annähernd 100.000 Cabriolets und Coupes. Doch das Unternehmen war stets von fremden Auftraggebern abhängig. 1993 traf Karmann die Rezession in der Autobranche. Das Unternehmen verlor 32,8 Millionen Mark, und die Mitarbeiterzahl sank auf 5900.

Als Ford 1997 die Escort-Produktion einstellte, drohte das gesamte Unternehmen in eine Krise zu geraten. Doch dank Großaufträgen von Daimler-Benz und VW erholte sich die Firma schnell. Im laufenden Jahr werden nach vorläufigen Schätzungen Thiemes erstmals deutlich mehr als 100.000 Fahrzeuge vom Band laufen. Der Umsatz der GmbH mit 6175 (Konzern: 9000) Mitarbeitern wird voraussichtlich von 1,3 Milliarden auf zwei Milliarden Mark steigen. Von Wilhelm Karmanns drei Kindern ist der Sohn Wilhelm Dietrich seit 1981 in der Unternehmensführung tätig.

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