Zinserhöhung Wer jetzt draufzahlt

Europas Zentralbanker haben die Zinsen hier zu Lande angehoben. Die Entscheidung trifft zwar alle Bundesbürger, Angestellte wie Unternehmer – allerdings nicht im gleichen Maße. manager-magazin.de gibt einen Überblick, wer besonders betroffen ist.

Die Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank wird nicht für alle Verbraucher die gleichen Folgen haben. Während sich Bausparer und Autokäufer entspannt zurücklehnen können, sollten sich Schuldner auf Mehrausgaben einstellen. Generell gilt: Während die Banken Zinsen zu Lasten der Verbraucher schnell weitergeben, müssen sich Sparer in Sachen höhere Guthabenzinsen in Geduld üben. Wie schnell und ob überhaupt die Zinsen auf Einlagen steigen, entscheiden die Geldhäuser.

Kredite: Für Schulden müssen Verbraucher künftig mehr zahlen. Die Banken und Sparkassen ziehen üblicherweise schnell nach und erhöhen die Sätze für Dispo-, Überziehungs- und Ratenkredite. Für Deutschlands Unternehmen werden vor allem Investitionen schwieriger, für die sie zumindest zum Teil auf Bankkredite angewiesen sind. Mitten in der ersten spürbaren Erholung der deutschen Wirtschaft seit vielen Jahren bremst die Europäische Zentralbank so die Erholung in der Bundesrepublik.

Autokredite: Auf dem umkämpften Automarkt wird es vorerst wohl keine Zinserhöhungen geben. Denn viele Autohersteller nutzen ihre Hausbanken, um statt mit Rabatten auf ihre Fahrzeuge mit günstigen Finanzierungskonditionen den Absatz anzukurbeln.

Baukredite: Langfristige Kreditnehmer wie Häuslebauer können auch in Zukunft mit günstigen Finanzierungen rechnen, sind sich Experten einig. Derzeit liegt der effektive Jahreszins für ein zehnjähriges Darlehen im Schnitt bei niedrigen 4,1 Prozent. Erst wenn die Konjunktur richtig anspringt, kommt auch in die langfristigen Zinsen Bewegung. Wer allerdings seine Immobilie durch einen Kredit mit flexiblem Zinssatz finanziert, muss sich auf Mehrausgaben einstellen.

Anleihen: Die Kurse und Renditen von Anleihen sind Marktpreise und hängen nicht unmittelbar vom Leitzins ab. Allerdings spiegeln sich in den Renditen von Staatsanleihen die Erwartungen der Anleger - unter anderem über die Inflation - wider. Für die zehnjährige Bundesanleihe ist die Rendite in den vergangenen Monaten gestiegen.

Sparguthaben: Sparern und Anlegern bringt die Erhöhung Vorteile - vor allem, da die EZB auf weitere Zinsanhebungen in diesem Jahr zusteuert. Bei den Sparzinsen ist das Tempo der Anpassung nach oben aber langsamer. Festgeld und Sparbriefe erhalten ein Zinsplus. Kaum Bewegung hat die letzte Zinserhöhung im Dezember 2205 in den Tagesgeld-Markt gebracht. Auch der "Spareckzins" für Sparbücher ist nur in geringem Umfang gestiegen.

manager-magazin.de mit Material von afp und dpa