Börsenschluss Inflationsangst beschleunigt Talfahrt

Die Zinserhöhung der EZB hat bei vielen Anlegern Inflationsängste ausgelöst - und die Talfahrt an den Börsen stark beschleunigt. Bereits zuvor war der Dax ins Minus gerutscht, weil die die Kursgewinne der Aktien von Telekom und Metro den Abwärtstrend der Volkswagen- und Adidas-Papiere nicht mehr ausgleichen konnten.

Frankfurt am Main - Die Angst vor einer anziehenden Inflation und weiter steigenden Zinsen hat den deutschen Aktienmarkt am Donnerstag kräftig unter Druck gesetzt. Der Dax  beendete den Handel 1,4 Prozent schwächer bei 5783,49 Punkten, nachdem er zur Eröffnung noch Kurs auf die Marke von 5900 Zählern genommen hatte. Nach dem Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank hatte er zeitweise um mehr als 2 Prozent nachgegeben.

Zusätzlichen Druck übten die Aktien von Volkswagen-  und Adidas  aus. Für den MDax  der mittelgroßen Werte ging es um 0,7 Prozent auf 8348 Punkte nach unten. Der TecDax  gab um 1,3 Prozent auf 737 Punkte nach.

Die EZB hatte ihren Leitzins wie erwartet angehoben. Der wichtigste Leitzins zur Versorgung der Kreditwirtschaft mit Zentralbankgeld wurde um 0,25 Prozentpunkte auf 2,50 Prozent angehoben. Die Zinserhöhung reflektiert lauf Chef-Währungshüter Jean-Claude Trichet die bestehenden Inflationsgefahren. Die EZB habe sich jedoch nicht für eine Serie von Zinserhöhungen entschieden. Sie sei jedoch jederzeit bereit zu handeln, falls dies nötig sein sollte.

Die EZB ist besorgt, weil die Teuerungsrate im gemeinsamen Währungsgebiet seit mehr als zwei Jahren über zwei Prozent liegt. Das ist aus Sicht der Bank die Obergrenze für die Inflation. Um diese weiter einzudämmen, erwarten Experten mindestens eine weitere Zinserhöhung in diesem Jahr.

Schlusslicht im Dax waren die Titel von Adidas . Sie gaben um 6,1 Prozent auf 155,00 Euro nach. Die Zahlen sind laut Händlern gemischt ausgefallen. Der Umsatz sei zwar besser als erwartet, allerdings habe Adidas im vierten Quartal keinen Gewinn vorweisen können, hieß es. Die Kosten für die Übernahme des US-Konkurrenten Reebok hatten den Sportartikel-Hersteller überraschend in die Verlustzone gedrückt.

Zweitschlechtester Wert waren die Papiere von Volkswagen  mit minus 3,7 Prozent auf 55,42 Euro. Händler verwiesen auf die anhaltende Unsicherheit in dem Titel. Zum einen sei die Vertragsverlängerung von VW-Chef Bernd Pischetsrieder nicht sicher - Marktteilnehmer sprachen von einer "Führungskrise" bei den Wolfsburgern. Die Unterstützung der Arbeitnehmervertreter fehle, hieß es. Zum anderen verwiesen Händler auf Meldungen vom Vortag, wonach der Autohersteller die Einsparungen aus seinem Sparprogramm "For Motion" nur zu einem geringen Teil als Gewinn verbuchen konnte. Auch die US-Absatzzahlen der VW-Tochter Audi hätten enttäuscht.

Aktien der Deutschen Telekom  kletterten mit plus 1,2 Prozent auf 13,70 Euro an die Dax-Spitze. Die Bilanz der Deutschen Telekom ist Händlern und Analysten zufolge "im Rahmen der Erwartungen bis leicht darüber" ausgefallen. Der Bonner Konzern hatte die Anhebung der Dividende für 2005 auf ein Rekordniveau von 0,72 Euro je Aktie angekündigt. Analysten hatten nach dem Gewinnsprung der Telekom im vergangenen Jahr im Schnitt mit einer Ausschüttung von 0,71 Euro gerechnet.

Umsatzsprung im Einzelhandel stärkt Metro

Umsatzsprung im Einzelhandel stärkt Metro

"Durch die Anhebung der Ausschüttung erreicht die Telekom-Aktie eine Dividendenrendite von 5,4 Prozent - mit Abstand die höchste im Dax", sagte Marktanalyst Heino Ruland vom Brokerhaus Steubing. "Fonds, die auf die Dividendenrendite setzen, werden nun grünes Licht zum Kauf der T-Aktie geben. Daher ist für die kommenden Wochen mit Kursgewinnen zu rechnen."

Metro  markierten mit einem zeitweise Platz zwei, gaben einen Teil ihrer Gewinne aber ab und schlossen 0,7 Prozent stärker bei 44,86 Euro. Händler führten die Kursgewinne auf positive Nachrichten aus dem deutschen Einzelhandel zurück. Die deutschen Einzelhändler sind mit einem kräftigen Umsatzsprung in das neue Jahr gestartet. Die Umsätze seien kalender- und saisonbereinigt real um 2,7 Prozent zum Vormonat geklettert, teilte das Statistische Bundesamt am Morgen nach einer ersten Schätzung auf Basis von Daten aus fünf Bundesländern mit. Gemessen am Vorjahresmonat erhöhte sich der Umsatz real um 1,7 Prozent. Damit sei das beste Januar-Ergebnis seit Einführung des Euro im Januar 2002 erzielt worden.

Gefragt waren auch die Papiere von Bayer , die sich um rund 0,8 Prozent verteuerten. Der Chemiekonzern plant nach Informationen der Financial Times Deutschland (Donnerstagausgabe) eine groß angelegte Sparaktion für seine Verwaltung. Eine Reihe von Kostensenkungsprogrammen seien unter dem Dach eines Projekts mit dem Namen äG&Aô (General and Administrative Costs) zusammengefasst worden, wie das Blatt unter Berufung auf Firmenkreise berichtet.

Henkel  notiuierten am Abend auf dem Vortagesniveau von 92,30 Euro. Im Zuge der Konzentration auf das Kerngeschäft hat der Konsumgüterkonzern sein Dial-Lebensmittelgeschäft für 183 Millionen US-Dollar an Pinnacle Foods verkauft. Dieses Geschäft, das Dosenfleischprodukte und Fertiggerichte unter der Marke Armour herstellt, setzte vergangenes Jahr etwa 230 Millionen Dollar um, teilte Henkel mit.

Etwas leichter zeigten sich auch die Kurse an der New Yorker Wall Street. Bis Handelsschluss in Deutschland sank der Dow Jones  um 0,4 Prozent auf 11.010 Punkte. Der Nasdaq Composite  büßte 0,3 Prozent auf 2307 Zähler ein. Der Markt werde von der Erkenntnis belastet, dass die Umsätze der US-Einzelhändler im Februar offenbar nicht so stark ausgefallen sind wie im Vormonat, sagte ein Händler. Dies habe die Besorgnis verstärkt, dass sich das Wachstum der US-Wirtschaft abkühlen könnte. Die Märkte in Tokio hatten am Morgen schwächer geschlossen. Der Nikkei  gab 0,3 Prozent auf 15.910 Punkte ab. Der breiter gefasste Topix gab um 0,2 Prozent auf 1632 Punkte nach.

dpa-afx, rtr, vwd