Donnerstag, 17. Oktober 2019

Vogelgrippe Eine Wirkung wie ein Anschlag

Die erstmalige Übertragung des Vogelgrippe-Virus H5N1 von einem Vogel auf eine Katze beunruhigt auch Investoren. John Praveen, Chefinvestmentstratege von Prudential International, erläutert im Gespräch mit manager-magazin.de die möglichen Folgen einer weltweiten Grippe-Epidemie für die Finanzmärkte.

Frankfurt am Main - John Praveen bleibt gelassen, wenn er von den beiden größten Risiken für die Kapitalmärkte rund um den Globus spricht. Das Atomprogramm des Iran besorgt ihn, aber seine Spannung ist abgeklungen, seit sich durch die Verhandlungen zwischen dem Iran und Russland über ein Gemeinschaftsunternehmen zur Urananreicherung eine diplomatische Lösung abzeichnet.

Erstmals infiziert: Katzen haben dem Vogelgrippe-Virus offenbar nicht immer genug entgegen zu setzen
Das Risiko einer Ausweitung der Vogelgrippe zu einer Pandemie bleibt für ihn dagegen auf der Tagesordnung. Sie muss es, auch wenn Praveen als Wissenschaftler daran erinnert, dass die Folgen der Lungenseuche Sars im Jahr 2003 schnell eingedämmt worden seien.

"Wenn der Erreger das erste Mal in Westeuropa von einem Tier auf einen Menschen übertragen worden ist, und der Fall nicht schnell isoliert werden kann, wird dies eine globale Reaktion an den Kapitalmärkten auslösen", beschreibt er den sensiblen Zeitpunkt, ab dem H5N1 das Thema auf den Märkten sein wird. Beispielsweise in China und in der Türkei ist die Übertragung schon längst geschehen. Die Märkte zeigten sich unbeeindruckt.

"Das liegt am niedrigen Beitrag, den die Konsumausgaben zum Bruttoinlandsprodukt liefern", erklärt Praveen. Das hohe chinesische Wirtschaftswachstum von fast 10 Prozent werde vor allem von den Investitionsausgaben in Schwung gehalten.

In Europa sehe die Lage anders aus. Die Wirtschaft in Euroland wächst in diesem Jahr voraussichtlich um 2 Prozent. Eine Pandemie könnte im schlimmsten Fall nach Ansicht des Prudential-Anlageexperten Euroland 1 bis 1,5 Prozentpunkte Wachstum kosten. Allerdings werde sich dies nicht sehr stark auf das Weltwirtschaftswachstum auswirken.

"Die Hauptwachstumstreiber sind die asiatischen Volkswirtschaften wie China und Indien, so dass der Ausbruch einer Pandemie in Europa nicht die Dynamik der Weltwirtschaft bricht", urteilt Praveen. Die Folgen wären seiner Ansicht nach vor allem auf den Finanzmärkten zu spüren.

Der Chefinvestmentstratege vergleicht das H5N1-Virus-Wirkungspotenzial mit dem des Terroranschlags auf das World Trade Center am 11. September 2001. Vor allem an den Finanzmärkten würden die Folgen zu spüren sein, weniger in den Volkswirtschaften. "Die Finanzmärkte brauchten Monate, um sich von dem Schock zu erholen", erinnert sich Praveen. Denn die Unsicherheit über die Folgen einer Pandemie sei Gift für die Märkte.

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