Jack White Ein bißchen Börse ...

In der Welt des Schlagers und der Boulevardpresse ist der Komponist und Produzent Jack White eine feste Größe. Am Neuen Markt will er ebenfalls einen Hit landen - trotz harter internationaler Konkurrenz.

Berlin - Bei der Erstemission der Jack White Productions (JWP) AG, Berlin wird vom Konsortialführer eine deutliche Überzeichung erwartet. Wie der Vorstandsvorsitzende der Gontard & MetallBank AG, Frankfurt, Lothar Mark, am Montag in Berlin erklärte, sei dies nach den Anfragen institutioneller und privater Anleger im Vorfeld der Emission zu erwarten.

Zur Zeichnung angeboten werden vom 8. bis 12. September 1999 rund 1,6 Millionen Stückaktien in einer Bookbuilding-Spanne von 9,50 bis 12,00 Euro. Angesichts der Situation am Markt, die nicht ganz leicht sei, sei man mit dieser Preis-Spanne vorsichtig an die Emission herangegangen.

In einer im Auftrag der Gontard & MetallBank von der Value Research GmbH erstellten Emissionsstudie (sowohl Bank als auch Emissionshaus gehören zum Hauptaktionär Gold-Zack) war eine engere Spanne von zehn bis zwölf Euro "aufgrund verschiedener Bewertungsverfahren" favorisiert worden.

Mark geht davon aus, daß bei der JWP-Aktie kurzfristig ein Kurspotential von 40 bis 50 Prozent besteht. Jack White, Vorstandsvorsitzender der nach ihm benannten Gesellschaft, sagte, man sei bei den für den Börsengang vorgelegten Zahlen "von sehr konservativen Schätzungen ausgegangen. Eventuelle "Chartbreaker" ("Schöne Maid..." ) seien nicht einkalkuliert. Auch seien die Umsätze aus dem geplanten US-Label überhaupt noch nicht berücksichtigt.

Für das laufende Jahr rechnet Jack White mit einem Umsatz von 5,2 (3,6) Millionen Mark und einem Jahresüberschuß von 0,81 (0,75) Millionen Mark. Bis zum Jahre 2003 soll der Umsatz auf 18,9 Millionen Mark knapp vervierfacht werden, der Jahresüberschuß überproportional auf 6,3 Millionen Mark steigen.

Der unterproportionale Anstieg der Produktionskosten erkläre sich daraus, daß sie unabhängig von den Verkaufszahlen der Tonträger seien. "Landen wir einen Hit, verbessern sich lediglich die Umsatzerlöse und damit das Ergebnis." Mit steigendem Umsatz verringere sich die schon heute ungewöhnlich gute Personalkostenquote, da keine wesentliche Erhöhung der Mitarbeiterzahl geplant sei. Am Emissionskonsortium sind neben der Gontard & MetallBank die Bankgesellschaft Berlin AG, Delbrück & Co, Merck Finck & Co sowie die VEM Virtuelles Emissionshaus AG, München, vertreten bei der die Aktien im Internet gezeichnet werden können.

Von den zur Zeichnung angebotenen Aktien stammen knapp 1,3 Mio aus einer Kapitalerhöhung und gut 300.000 aus dem besitz der Altaktionäre J.W. Beteiligungen GmbH und Gold-Zack AG. Nach dem IPO sind 25 Prozent des Grundkapitals in Streubesitz, Jack White hält direkt 2,4 Prozent und indirekt über die J.W. Beteiligungen GmbH 57,6 Prozent, seine Frau Janine sechs Prozent und Gold-Zack noch 9,1 Prozent. Harte Zeiten für kleine Produzenten

Die internationale Musikbranche ist durch einen starken Wettbwerb geprägt. Die Jack White Productions AG (JWP), Berlin, wird bei ihrem Börsengangauf einige starke Mitbewerber (Erstnotiz am Neuen Markt: 13. September) treffen, so die Studie der Gontard & Metallbank AG (JWB), Frankfurt. So teilen sich die fünf größten Anbieter PolyGram/Universal (Kanada), EMI Music (UK), BMG Ariola (Deutschland), Warner Music (USA) und Sony Music (Japan) etwa 89 Prozent des Marktes. Die am Neuen Markt notierte edel company sei ebenfalls als Mittbewerber einzuordnen, da ihre Geschäftstätigkeit gleichfalls auf die Produktion von Tonträgern und das Entdecken und Fördern von Talenten ausgerichtet sei, so die Studie.

Weitere Wettbewerber kommen aus den Reihen etablierter deutscher Produzenten wie Ralph Siegel, Frank Farian und Dieter Bohlen. Sie deckten ebenfalls als Produzenten den deutschen und teilweise den internationalen Musikmarkt ab. Der Marktanteil des Jack White Labels "White Records" belief sich 1998 im Singlebereich auf 0,15 Prozent und im Long-Play-Bereich auf 0,08 Prozent des Musikmarktes. Für kleine Produktionsfirmen sei es grundsätzlich schwierig, sich im Kampf um Marktanteile durchzusetzen, so die Analysten der GMB. Aber durch den Vertrag über den Vertrieb der produzierten Titel durch BMG Ariola und die langjährige Partnerschaft mit dem Unternehmen verfüge die Jack White Productions AG über eine gute Marktposition. Da Ariola kein Wettbewerber, sondern ein Partner sei, mit dem das Unternehmen JWP gemeinsam gegen Wettbewerber stehen könne.