Constantin Zuwachs bei den Medien-Aktien

Neben dem Schlagerkomponisten Jack White drängt es einen weiteren "Markennamen" aus dem deutschen Entertainment-Geschäft an die Börse. Regisseur und Produzent Bernd Eichinger will jetzt seine Constantin Film verkaufen.

München - Die Constantin Film will zum integrierten Medienkonzern nach dem Muster der amerikanischen "Mini Majors" werden sowie ihre Marktanteile im deutschen Kinomarkt steigern. Die Filmfirma wird am 13. September am Neuen Markt erstmals notiert.

Dauerhaft hohe Wachstumsraten lassen sich nur mit eigenen Filmproduktionen nicht realisieren, heißt es in der IPO-Studie der Bayerischen Landesbank. Deshalb sollen die Aktivitäten der Constantin auf alle Bereiche und Genres der Filmproduktion bzw. des Filmgeschäftes, inklusive des Rechtehandels, ausgedehnt werden.

Den Aufbau eigener Studios, eines eigenen Video/DVD-Vertriebs oder den Erwerb eines eigenen Fernsehkanals sieht das Konzept des horizontal intergrierten Medienkonzerns dagegen nicht vor.

Die Stärken von Constantin Film liegen nach der Studie in der 22-jährigen Erfahrung im Filmgeschäft und in den "Markennamen" Constantin und Bernd Eichinger. Zudem sorge eine Einkaufs- und Verkaufskooperation mit der Kirch-Gruppe für eine erhöhte Sicherheit bei der Auslastung des Verleihbereichs und der Umsatzplanung (gesicherte Absatzkonditionen für TV-Rechte). Mit dem neuen Aktionär EM.TV gewinne die Gesellschaft einen renomierten Partner für das Merchandising und den Zeichentrickbereich.

Die hohe Abhängigkeit von Eichinger und seinen persönlichen Kontakten bedeute aber auch gleichzeitig eine Schwäche.

Der Gesamtumsatz der Constantin Film soll in diesem Jahr 102 Millionen Mark erreichen und sich bis 2001 auf 252 Millionen mehr als verdoppeln. Das EBIT und das Geschäftsergebnis werde sich ab dem Jahr 2000 besser als der Umsatz entwickeln, was in den steigenden Umsatzrenditeziffern zum Ausdruck kommen soll.

Die Hauptrisiken liegen laut der Studie darin, dass der Erfolg eines Spielfilms nicht vorhersehbar sei. Weiter bestehe die Möglichkeit eines Eindringens von US-Majors in den deutschen Filmproduktionsmarkt.

Film-Aktien im Vergleich

Anhand der Liste von 18 börsennotierten Medienwerten stellt sich die Frage, wie die Constantin Film AG, München, gegenüber den Mitbewerbern positioniert ist. Zwar sei ein der Constantin Film vergleichbares Unternehmen noch nicht an einer deutschen Börse notiert, heißt es in der IPO-Studie der Bayerischen Landesbank.

Trotzdem biete sich aber ein Vergleich mit den anderen Filmgesellschaften des Neuen Marktes an. Die Constantin Film AG, München, wird am 13. September am Neuen Markt der Frankfurter Wertpapierbörse erstnotiert. Unter den 18 börsennotierten Medienunternehmen sind von den Analysten der BayernLB unter anderem die drei umsatzstärksten Filmgesellschaften des Neuen Marktes ausgewählt worden. Diese weisen gleichzeitig Überschneidungen mit der Constantin (Umsatz 1998: 57,6 Millionen Euro) auf und sind zumindest teilweise in gleichen Geschäftsfeldern aktiv, so die Analyse.

Die Kinowelt Medien AG (Umsatz 1998: 107,3 Millionen Euro) generiere den Umsatz über die Auswertung von Video und DVD-Rechten mit zwei eigene Video-Labeln. Zusätzlich werden eigene Produktionen von Filmprojekten und TV-Auftragsproduktionen durchgeführt. Gehandelt wird mit nationalen und internationalen Filmlizenzen. Ergänzt wird das Geschäft durch zwei Kino-Label und den Betrieb von 20 Filmtheatern und Beteiligungen an Fußballvereinen, sowie Merchandising.

Die Odeon Film AG (Umsatz 1998: 61,8 Millionen Euro) produziert TV-Filme als Auftragsproduktion und übernimmt die Co-Produktion von Kinofilmprojekten. Odeon sei Marktführer bei Krimi-Serien und ein Rechte-Stock befinde sich erst im Aufbau.

Die Highlight Communication AG (Umsatz 1998: 26,8 Millionen Euro) wertet Video- und DVD-Rechte über eine eigene Videokette mit Schwerpunkt in der Schweiz aus. Hier habe Highlight einen hohen Anteil am margenschwachen Video-Retailgeschäft. Ergänzt werde die Palette durch den Handel mit nationalen und internationalen Filmlizenzen. Highlight sei seit kurzem im Kinoverleihgeschäft und hat nach dem Börsengang die European Championsleague-Vermarktungsrechte bekommen.

Im Hinblick auf die bei Constantin bis zum Jahr 2001 geschätzte negative Nettoergebnissreihe, sei eine vergleichende Bewertung auf das KGV-Verhältnis für 2001 abzustellen, so die Analysten der Bayerischen Landesbank. Da die Analysten den fairen Emissionswert je Aktie bei 23 bis 29 Euro sehen, ergebe sich für Constantin eine KGV-2001-Bandbreite von 30,6 bis 38,6 Euro. Für die drei ausgewählten Reverenzwerte weist die Studie folgende KGV-Werte für 2001 aus: Kinowelt 42, Odeon 29,3 und Highlight 45,3.