95 Prozent an Degussa RAG-Börsengang rückt näher

Die frühere Ruhrkohle AG (RAG) steht vor der kompletten Übernahme der Degussa, die der Mischkonzern als Voraussetzung für den eigenen Börsengang sieht. RAG halte bereits mehr als 95 Prozent an dem Chemiekonzern, heißt es am Freitag. Eine Zwangsabfindung der restlichen Aktionäre steht damit bevor.

Düsseldorf - Seit Donnerstag und damit vier Tage vor dem Ende der Angebotsfrist stünden der RAG 95,36 Prozent am Grundkapital der Degussa  zu, teilte die frühere Ruhrkohle AG am Freitag mit. Darin sei der von Eon  gehaltene Degussa-Anteil enthalten, den die RAG für rund 2,8 Milliarden Euro übernehmen wird.

Damit sei die Voraussetzung für eine Zwangsabfindung der verbliebenen Degussa-Aktionäre erfüllt. Nach dem Squeeze-Out-Verfahren will die RAG Degussa endgültig vom Kurszettel nehmen. Der Übernahme müssen noch der Bund und das Land Nordrhein-Westfalen zustimmen.

"Wir kommen unserem großen Ziel, dem Börsengang, einen weiteren entscheidenden Schritt näher", sagte RAG-Chef Werner Müller. Er peilt den Börsengang des Mischkonzerns RAG für 2007 an. Die RAG hatte Ende Januar ein Übernahmeangebot an die freien Degussa-Aktionäre über 42 Euro je Aktie abgegeben. Die RAG verfügt bereits über einen Mehrheitsanteil von 50,1 Prozent an der Degussa.

RAG: Abspaltung der Bauchemiesparte gilt als sicher

Die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) hatte bereits erklärt, die Degussa-Übernahme sei eine wichtige Wegmarke für die Weiterentwicklung der RAG zum Energie-, Chemie- und Immobilienkonzern. Der Schritt fördere die Zukunftsfähigkeit der RAG. Nun gelte es, die weiteren Voraussetzungen für den Börsengang zu schaffen. Dies schließe belastbare Regelungen für die Zukunft des deutschen Steinkohlebergbaus ein.

Müller hatte bislang keine Einzelheiten zur Finanzierung der Degussa-Übernahme enthüllt. Der Spezialchemiekonzern verhandelt aber bereits mit BASF  über den milliardenschweren Verkauf seiner Bauchemiesparte. Am Markt wird ein Preis für die Sparte von deutlich mehr als 2,5 Milliarden Euro erwartet. Wer "einen guten Schluck" mehr biete, erhalte den Zuschlag, hatte es geheißen.

Die Arbeitnehmervertreter der Degussa haben sich für einen Verkauf an BASF ausgesprochen. Nur ein strategischer Investor wie der Ludwigshafener Konzern stelle sicher, dass die Mitarbeiter der Bauchemiesparte auch künftig mit klaren Tarif- und Mitbestimmungsstrukturen rechnen könnten.

Mit dem Überschreiten der 95-Prozent-Schwelle rücken nach Aussagen eines Händler vom Freitag die sogenannten "Fast Entry"-Kandidaten für den MDax wie vor allem Praktiker wieder in den Fokus. Fällt der Streubesitz unter 5 Prozent - wie das bei Degussa der Fall ist - muss die Aktie nach Regeln der Deutschen Börse aus den Indizes herausgenommen werden - der "Fast Exit".

reuters/dpa-afx

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