Deutsche Börse Sofortige Antwort

Reto Francioni lieferte eine Tischvorlage für die Zusammenarbeit zwischen der Frankfurter Börse und der Vierländerbörse Euronext. Allerdings dürfte der Vorstandschef der Deutsche Börse noch viel Überzeugungsarbeit bei seinem Wunschpartner leisten müssen.
Von Rita Syre

Frankfurt am Main - Die Reaktion kam prompt. Noch während der Pressekonferenz der Deutschen Börse  teilte die heftig von Reto Francioni umworbene Vierländerbörse Euronext  mit, sie sei für weitere Gespräche offen. Euronext ist ein Zusammenschluss der Börsen in Paris, Amsterdam, Brüssel und Lissabon. Allerdings bestehe sie weiterhin auf einen neutralen Standort für die Hauptverwaltung einer gemeinsamen Börsenorganisation. Die im Dezember, rund einen Monat nach dem Amtsantritt Francionis geführten Gespräche mit Euronext-Chef Jean-Francios Theodore waren vor allem an der Standortfrage gescheitert.

Der Vorsitzende der Deutsche Börse hatte zuvor am Morgen bei seinen Ausführungen die feine Unterscheidung zwischen dem juristischen Sitz und dem Standort des Hauptquartiers gewagt. Dabei signalisierte er Verhandlungsbereitschaft bei der Frage des juristischen Sitzes, nicht aber beim Hauptquartier. "Es steht für mich fest: Von Frankfurt aus wollen wir das operative Geschäft betreiben", sagte der Schweizer. Bei dem Entscheid über den juristischen Sitz der neuen Börse würden dagegen beispielsweise steuerliche Überlegungen und politische Befindlichkeiten einfließen.

Bedenken der Wettbewerbshüter gegen einen Zusammenschluss insbesondere im Abwicklungsgeschäft sieht Francioni dagegen nicht als wirkliches Hindernis an. Die Börse ist ein stark integriertes Unternehmen, das Handel, Clearing (Verrechnung), Settlement (Abwicklung) und Custody (Verwahrung) aus einer Hand anbietet. Mehrere Bankenverbände hatten Bedenken gegen dieses so genannte Silo-Modell geltend gemacht. Der Frankfurter Börsenchef will allerdings diesen Wettbewerbsvorteil auf keinen Fall aus der Hand geben. Er vermutet, dass hinter dem Vorstoß die großen Investmentbanken stehen, die ihre eigenen Geschäftsinteressen in Konkurrenz zu den Börsen verfolgen.

Francioni, der sich den Ruf des Diplomaten auf dem internationalen Börsenparkett aufgebaut hat, setzt bei seiner Argumentation vor allem auf die Notwendigkeit der Konsolidierung der zersplitterten Börsenlandschaft in Europa. Dabei wird er nicht müde zu betonen, dass er keine Übernahme, sondern eine Fusion unter Partnern anstrebt. "Durch die Kombination würde die erste wirklich europaweite Börsenorganisation geschaffen, die einen globalen Führungsanspruch erheben kann", wirbt er.

Diese Argumentationslinie hatte im Prinzip auch schon sein Vorgänger Werner G. Seifert vertreten. Seifert hatte gut ein Jahr zuvor die Londoner Börse  übernehmen wollen, war aber am Widerstand der Finanzinvestoren in seinem Aktionariat gescheitert und musste zurücktreten. Francioni präferiert nach dem zweimaligen Scheitern Seiferts an der Bastion Londoner City den Zusammenschluss mit Euronext. Diese Fusion ist für ihn "die mit Abstand attraktivste Lösung" für die Kunden, Aktionäre und beteiligten Finanzplätze.

Allerdings wird die Deutsche Börse mit gut 11 Milliarden Euro am Aktienmarkt bewertet, Euronext nur mit rund 6 Milliarden Euro, so dass in Paris Zweifel an einer Fusion von gleichgewichtigen Partnern bestehen. Ein Problem, das auch Francioni sieht. "Wir können uns aber doch nicht künstlich kleiner machen", sagt er und hebt abermals an, die Vorteile einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit Euronext anzupreisen.