LSE-Übernahme Macquarie gibt sich geschlagen

Mit ihrem Versuch, die Londoner Börse zu übernehmen, ist die australische Bank Macquarie gescheitert. Sie kündigte an, weder ihr Gebot von 580 Pence je Aktie zu erhöhen, noch die Annahmefrist erneut zu verlängern. Chancen hätte nach Ansicht von Branchenexperten ohnehin nur noch ein Gebot von mindestens 900 Pence.

Paris - Die Australische Bank Macquarie  will ihr Gebot für die London Stock Exchange (LSE)  nicht erhöhen. Außerdem sei nicht geplant, das Gebot länger als bis zum 28. Februar aufrecht zu erhalten, teilte das Unternehmen am Montag mit. Seit Veröffentlichung des Gebots am 10. Januar habe die Bank "beträchtliche Zeit damit verbracht", LSE-Aktionäre und Kundengruppen zu treffen, hieß es weiter. Aus den Diskussionen schließe Macquarie, dass eine Erhöhung der Offerte, die für die Bank und ihre Investoren akzeptabel wäre, für die LSE-Aktionäre eher nicht annehmbar sein würde.

Die Ankündigung kommt damit einer Aufgabe des Übernahmeversuchs gleich. "Sicherlich sind wir enttäuscht. Aber schlussendlich war es eine Frage des Preises. Der Kurs der LSE-Aktie ist um mehr als 50 Prozent gestiegen, und soviel Geld zu zahlen macht keinen Sinn", Jim Craig, Leiter der Macquarie Group in Europa. Die Aktie der Londoner Börse kletterte daraufhin um rund 2 Prozent auf mehr als 840 Pence. Macquarie bietet 580 Pence je LSE-Aktie.

Der Rückzug der australischen Bank eröffne der LSE nun die Möglichkeit, sich mit einem Wettbewerber zusammenzutun und sich somit größere Synergien zu sichern, als sie im Fall einer Übernahme durch Macquarie zu erwarten gewesen seien, urteilten Analysten. Viele Marktteilnehmer hätten sich bereits darauf eingestellt, dass Macquarie mit Blick auf den Kursgewinn der LSE-Aktie ihr Angebot nicht erhöhen würde.

Craig führte weiter aus, er bedauere die Offerte für die LSE nicht. Die Bank werde die Konsolidierung unter den europäischen Börsen weiter verfolgen. "Wir konzentrieren uns zwar wirklich auf London", sagte er. Doch wenn es eine andere Börse geben würde, die in das Geschäftsmodell der Bank passe und sich als richtige Investition erweise, würde man erneut ein Gebot ins Auge fassen.

Keine ernsthaften Interessenten mehr übrig

Wie viel der Vorstoß zur Übernahme der LSE die australische Bank gekostet hat, wollte der Manager nicht sagen. Die Summe sei "nicht erheblich", hieß es nur. Was Macquarie nun mit den 0,4 Prozent LSE-Aktien in ihrem Besitz tun werde, stehe noch nicht fest. Man wolle zunächst das Ende der Angebotsfrist abwarten.

Als potenzieller Interessent für die LSE war zuletzt auch die New York Stock Exchange genannt worden. Die Deutsche Börse  war mit ihrer Offerte für den Wettbewerber im vergangenen Jahr gescheitert. Tatsächliches Interesse habe derzeit wohl nur noch die Euronext , hieß es. Doch auch sie könne wegen des deutlichen Anstiegs des LSE-Kurses inzwischen "frustriert" sein, meinen Analysten. Nach Ansicht von Rupak Ghose, Analyst bei CSFB, hat nun nur noch ein Gebot von mehr als 900 Pence je LSE-Aktie eine reelle Chance.

Die wichtigsten Aktionäre der Euronext hätten eine Unterstützung aber nur für eine Offerte bis maximal 600 Pence zugesichert. Sie bevorzugten zudem eine Fusion mit der Deutschen Börse. Bevor erstmals Interesse der Deutschen Börse und der Euronext an der LSE Ende 2004 bekannt geworden war, notierte sie bei rund 340 Pence.

Ein Sprecher der Euronext sagte am Montag, man verhandle weiter mit der britischen Kartellbehörde über die Bedingungen für ein mögliches Gebot für die LSE. Man prüfe weiter alle strategischen Optionen. Bei der LSE war zunächst niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

vwd

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