Deutsche Börse Neue Avancen

Der bedeutendste Börsenbetreiber der Bundesrepublik will zur treibenden Kraft der erwarteten Fusionswelle der europäischen Wertpapiermärkte werden. Das Management hat offenbar erste Schritte dazu unternommen: Die Deutsche Börse hat der Schweizer Börse signalisiert, bereit zur Fusion zu sein.

Frankfurt am Main - Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Börse  hat die möglichen Partner einer europäischen Börsenfusion gemahnt, über ihren Schatten zu springen. "Für die Konsolidierung der europäischen Börsenlandschaft sollten wir in Europa aus eigener Kraft eine Lösung finden", sagte Reto Francioni der "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Andernfalls würden die amerikanischen Börsen die Konsolidierung in Europa in die Hand nehmen.

Die im Dezember geführten und schon wieder abgebrochenen Gespräche mit dem französisch dominierten Börsenbetreiber Euronext  begründete Francioni damit, es sei Aufgabe von Managern, den Status quo permanent zu überprüfen und bereit zu sein, Optionen sinnvoll zu nutzen. "Wir wollen und müssen bei der europäischen Börsenkonsolidierung dabei sein."

Die Deutsche Börse wolle zwar eine treibende Kraft sein, aber partnerschaftlich agieren und nicht dominant sein, unterstrich er. Als eine Alternative zu einer Fusion mit der Euronext zieht Francioni auch ein Zusammengehen mit der Schweizer SWX in Betracht. "Ich habe beim Verwaltungsrat der SWX eindeutig hinterlegt, dass wir bereit dazu sind." Das Verhältnis zur SWX sei gut.

Francioni ist erst vor wenigen Monaten aus verantwortlicher Person bei der Schweizer Börse zur Deutschen Börse nach Frankfurt am Main gewechselt, bei der er Jahre zuvor schon einmal beschäftigt war.

Der neue Chef der Deutschen Börse bekräftigt damit gegenüber den Schweizern den Fusionswillen seines Unternehmens, den Mathias Hlubek, Interimschef und Finanzvorstand der Deutschen Börse, bereits im Sommer vergangenen Jahres den Zürichern mitteilte. Nach der gescheiterten Fusion mit der Londoner Börse  suchte Deutschlands bedeutendster Börsenbetreiber schnell nach Alternativen.

"Wir sind derzeit auf der Suche nach Möglichkeiten, die bestehende erfolgreiche Zusammenarbeit mit der SWX auf andere Gebiete - etwa den Kassamarkt - zu erweitern", sagte Hlubek damals. Nun scheint der Kooperationswille umfassender zu sein.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx