Merck KGaA Überraschender Rückschlag

Der Darmstädter Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck hat im vierten Quartal unerwartet einen Gewinnrückgang im operativen Geschäft verzeichnet. Damit blieb der Traditionskonzern unter den Erwartungen von Analysten. Im Gesamtjahr wuchs das Unternehmen allerdings wie vorausgesagt. Die Aktie geriet unter Druck.

Frankfurt am Main - Der operative Gewinn sei wegen gestiegener Marketing- und Vertriebskosten und höherer Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen um 1,6 Prozent auf 191,7 Millionen Euro gesunken, teilte die Merck KGaA  am Donnerstag mit. Analysten hatten dagegen mit einem Anstieg um 14 Prozent auf 222 Millionen Euro gerechnet. Im Gesamtjahr kam Merck auf einen operativen Gewinn von 883 Millionen Euro und einen Umsatz von 5,87 Milliarden Euro. Mit einem Umsatzplus von 14,7 Prozent auf 1,535 Milliarden Euro übertraf der Konzern im vierten Quartal die Analystenerwartungen.

"Das Jahr 2005 war für Merck dank innovativer Produkte und der harten Arbeit unserer Mitarbeiter sehr erfolgreich", erklärte der neue Firmenchef Michael Römer. Im November hatte Merck völlig überraschend einen Wechsel an der Konzernspitze vollzogen und den bislang stellvertretenden Firmenchef Michael Römer zum neuen Konzernleiter ernannt. Für das laufende Jahr stellte Römer einen prozentual hohen einstelligen Zuwachs des Umsatzes und des Gewinns nach Steuern ohne Sonderposten in Aussicht. Seinen Aktionären will der Konzern eine Dividende von 0,85 Euro zahlen nach 0,80 Euro plus 0,20 Euro Bonus im Vorjahr.

Die Sparte Generics, die das Geschäft mit Nachahmermedikamenten umfasst, werde 2006 harten Wettbewerb sehen, kündigte Merck an. Alle anderen fünf Sparten des Unternehmens sollten sich besser entwickeln als vergangenes Jahr.

Mit seinem neuen Krebsmittel Erbitux kam Merck im Quartal auf 65 Millionen Euro Umsatz. Das Mittel, das zur Behandlung von Darmkrebs bereits in 48 Ländern zugelassen ist, ist ein biotechnisch entwickelter Antikörper gegen das unkontrollierte Wachstum von Tumorzellen. Erbitux ist der erste große Hoffnungsträger der Krebssparte von Merck. Im Dezember hatte Merck mit der Genehmigung in der Schweiz auch die erste Zulassung des Medikaments zur Behandlung von Kopf- und Halskrebs erhalten. Die Sparte Flüssigkristalle erreichte einen Umsatz von 211 Millionen Euro im Quartal, ein Plus von 53 Prozent.

Merck hatte sich in der jüngsten Zeit im Pharma- und Chemiebereich auf gewinnstarke Kerngeschäfte konzentriert. Im Zuge dessen hatte sich der Konzern 2004 von seinem Labordistributionsgeschäft VWR International getrennt und 2005 sein Geschäft mit Elektronikchemikalien verkauft. Beide Sparten waren durch ein großes Umsatzvolumen bei allerdings niedrigen Gewinnmargen gekennzeichnet.

rtr

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