Bernankes Premiere Leitzins wird steigen

Für seinen ersten Auftritt als US-Notenbankchef brachte Ben Bernanke eher schlechte Nachrichten für Börsianer mit. Er stellte die Märkte am Mittwoch angesichts einer positiven Wirtschaftsentwicklung auf weiter steigende Zinsen ein.

 Washington - Die Kapazitäten der boomenden US-Wirtschaft seien praktisch ausgelastet, so dass die Inflationsrisiken ohne ein Gegensteuern der Geldpolitik zunehmen könnten, sagte Ben Bernanke vor dem Finanzdienstleistungs-Ausschuss des Repräsentantenhauses.

Gefahren für die Preisentwicklung gingen auch von den anhaltend hohen Energiekosten aus. Damit signalisierte der neue Präsident der Federal Reserve (Fed) Analysten zufolge eine Fortsetzung der Politik moderater Zinserhöhungen seines Vorgängers Alan Greenspan zumindest in den nächsten Monaten.

Angesichts der rasant wachsenden Nachfrage bestehe die Gefahr, dass die US-Wirtschaft dieser nicht mehr nachkommen könnte, sagte Bernanke bei der Präsentation des halbjährlichen Fed-Berichts. Ein solches "Überschießen" der Wirtschaft könnte wiederum zu Inflationsgefahren führen. Sowohl am Arbeitsmarkt als auch bei der Kapazitätsauslastung in den Betrieben gebe es kaum mehr Spielraum, um in der Produktion einer weiter wachsenden Nachfrage Herr zu werden. Die Arbeitslosigkeit in den USA ist derzeit so niedrig wie seit viereinhalb Jahren nicht.

Zinssteigerung Nummer 15 steht bevor

Bernanke zeichnete damit ein Szenario, das den Kurs Greenspans bestätigte. Er betonte ausdrücklich, er teile die noch vor seinem Amtsantritt geäußerte Auffassung der Fed-Währungshüter, wonach weitere Zinserhöhungen nötig sein könnten. Er wolle die Kontinuität der Greenspan-Ära fortsetzen, bekräftigte er. Bernanke hatte am 1. Februar das Erbe Greenspans angetreten, der mehr als 18 Jahre an der Spitze der Notenbank gestanden hatte. An den Märkten war seine erste Anhörung mit Spannung erwartet worden. Einige Investoren hatten befürchtet, er könne einen neuen Kurs einschlagen. Die Reaktion auf seine Äußerungen fiel dann aber eher gering aus: Der Dollar  legte etwas zu, die Aktienmärkte zeigten sich kaum verändert.

Die Fed hatte am 31. Januar zum 14. Mal in Folge den Leitzins in den USA um 25 Basispunkte auf nunmehr 4,50 Prozent angehoben. Für das nächste Treffen Ende März rechnen Volkswirte fest mit einer weiteren Anhebung in dieser Größenordnung.

"Bernanke bestärkt auch all diejenigen, die selbst im Mai und Juni noch mit weiteren Erhöhungen rechnen", sagte Countrywide-Financial-Volkswirt Eric Green. Dies sei eine klare Botschaft auch an die Märkte gewesen.

Wachstumsprognose bei 3,5 Prozent fürs laufende Jahr 

Der neue Fed-Chef machte in seiner Anhörung deutlich, dass die weltgrößte Volkswirtschaft nach einem starken Jahr 2005 weiter auf gutem Wachstumskurs sei. Dies zeigten auch jüngste Zahlen, wie etwa die überraschend starken Einzelhandelsdaten für Januar. In ihren Prognosen für 2006 geht die Fed von einem Wachstum von rund 3,5 Prozent aus. Für 2007 rechnet sie mit 3,0 bis 3,5 Prozent. Bei der Inflation geht sie in der Kernrate für dieses Jahr von rund zwei Prozent aus.

Der ehemalige Chef-Wirtschaftsberater von Präsident George W. Bush äußerte sich auch besorgt über das Rekord-Defizit im US-Haushalt. Dieser Fehlbetrag sei eine enorme Bürde für die künftigen Generationen, sagte er. Langfristig stünden den USA sehr ernste haushaltspolitische Probleme ins Haus. Dabei hob er auf "drastische Budget-Folgen" der zunehmenden Alterung der Gesellschaft ab. Diese führten unweigerlich zu steigenden Sozial- und Gesundheitskosten. "Wir müssen diese langfristigen Fragen schnell angehen", betonte er vor den Abgeordneten. Denn mit dem derzeitigen Milliardenloch im Haushalt werde der Spielraum zur Lösung dieser Probleme erheblich eingeschränkt.

Auch Greenspan hatte während seiner Amtszeit immer wieder die Gefahren des Budgetdefizits betont, das während Bushs Amtszeit kontinuierlich gewachsen ist.

rtr

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