Volkswagen Gute Zahlen, aber 20.000 Stellen sind bedroht

Der Volkswagenkonzern hat durch einen harten Sparkurs sein Ergebnis im vergangenen Jahr deutlich verbessert. Die Aktie klettert um knapp 10 Prozent. Der Konzern will seinen scharfen Restrukturierungskurs fortsetzen. Bis 2008 sind damit bis zu 20.000 Stellen bedroht.

Hamburg - Europas größter Autobauer Volkswagen  will mit einem Sanierungsprogramm sein Automobilgeschäft deutlich profitabler machen und stellt dazu 20.000 Arbeitsplätze auf den Prüfstand. Die VW-Aktie kletterte so hoch wie seit drei Jahren nicht mehr.

"Zur Verbesserung des völlig unbefriedigenden Ergebnisniveaus der Marke Volkswagen Pkw hat der Vorstand der Volkswagen AG ein tief greifendes Restrukturierungsprogramm vorbereitet", teilte der Konzern am Freitag mit. Die Komponentenwerke und die Fahrzeugmontage sollen neu geordnet werden. Durch die Sanierung sind in den nächsten zwei bis drei Jahren bis zu 20.000 Arbeitsplätze in Gefahr. Insgesamt beschäftigt VW in seinen sechs westdeutschen Werken gut 100.000 Mitarbeiter. Ein Abbau von mehr als 10.000 Arbeitsplätzen war erwartet worden.

Wie viele Stellen tatsächlich wegfallen, muss sich im Verlauf der Verhandlungen mit den Gewerkschaften zeigen. VW-Konzernchef Bernd Pischetsrieder betonte zwar, er stehe zum geltenden Tarifvertrag. Dennoch müssten die Rahmenbedingungen mit Betriebsrat und IG Metall zügig neu verhandelt werden, um Arbeitplätze zu erhalten. Der Tarifvertrag war erst im Dezember 2004 geschlossen worden.

Kernmarke VW "nur knapp über der Null-Linie"

Im abgelaufenen Jahr steigerte der Konzern den operativen Gewinn dank seines milliardenschweren Sparprogramms "ForMotion" um 70 Prozent auf 2,79 Milliarden Euro und übertraf damit die Analystenerwartungen. Mit 3,5 Milliarden Euro übertraf VW auch sein Sparziel von 3,1 Milliarden Euro. Die Kernmarke VW habe dagegen weiterhin unbefriedigend abgeschnitten und liege "nur knapp über der Null-Linie", teilte der Konzern mit.

Unter dem Strich verbesserte sich der Reingewinn um 61 Prozent auf 1,12 Milliarden Euro. Die Dividende soll auf 1,15 Euro von 1,05 Euro je Anteilschein angehoben werden.

Die Volkswagen-Aktie  stieg nach Vorlage des Programms und besserer Geschäftszahlen um 9,4 Prozent auf 55,40 Euro, den höchsten Stand seit Juni 2002. Bereits im Vorfeld der Veröffentlichung hatten Spekulationen über ein groß angelegtes Sanierungspaket und besser als erwartete Geschäftszahlen den Aktienkurs getrieben.

Verkauf einzelner Werke nicht ausgeschlossen

Komponentenfertigung steht vor einer Neuordnung

Im Zuge der Sanierung sollen Produktivitätsdefizite in den Fahrzeugmontagewerken ausgeglichen und die Komponentenfertigung neu geordnet werden. Vom Verkauf einzelner Standorte war in der Mitteilung des Konzerns nicht die Rede. Ziel sei es, wettbewerbsfähige Arbeitskosten zu erreichen und die Werke voll auszulasten, hieß es.

Im Zuge des rigiden Sparkurses hatte VW bereits alle Bereiche, darunter auch die Zulieferwerke, auf den Prüfstand gestellt. Derzeit lässt der Konzern Autoteile wie Motoren, Achsen und Getriebe in eigenen Werken in Salzgitter, Braunschweig und Kassel produzieren. Sie arbeiteten teilweise unwirtschaftlich, sagte Vorstandschef Bernd Pischetsrieder.

Das Werk Braunschweig gilt als gefährdet

Vor allem das Werk in Braunschweig gilt als gefährdet. Auch ein Verkauf einzelner Werke wird nicht ausgeschlossen. Insgesamt arbeiten in den Komponentenwerken rund 30.000 Mitarbeiter.

Der VW-Konzern hat im vergangenen Jahr ungeachtet herber Einbußen in den USA und China mit 5,24 Millionen Fahrzeugen weltweit so viele Fahrzeuge verkauft wie nie zuvor. Der Konzernumsatz kletterte um 7 Prozent auf 95,2 Milliarden Euro.

Wulff: "VW muss in fünf Jahren neu aufgestellt sein"

Volkswagen muss aus Sicht von Niedersachsens Ministerpräsident und VW-Aufsichtsrat Christian Wulff (CDU) in fünf Jahren "neu aufgestellt sein". Nur "fitte Unternehmen" könnten dauerhaft Arbeitsplätze sichern und neue schaffen, teilte Wulff mit. Arbeitsplätze und Wettbewerbsfähigkeit von Volkswagen seien für die Landesregierung von "überragender Bedeutung". Das Land Niedersachsen ist nach Porsche zweitgrößter VW-Aktionär.

VW-Vorstand und Betriebsrat seien aufgefordert, Wege zur Standort- und Beschäftigungssicherung sowie Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit zu erreichen, sagte Wulff. Das Restrukturierungsprogramm des Vorstandes sei Gegenstand der Verhandlungen, betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen.

reuters, dpa

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