Ölpreis "Engpass wie zur Zeit der Ölkrise"

Sollte der Iran in den kommenden Tagen seine Ölförderung drosseln, wird der Ölpreis nach Meinung von Rohstoffexperten kräftig steigen. Die Gefahr ist womöglich größer als gedacht: Der Iran kann sich das Manöver kurzfristig leisten, sagen Orientexperten.
Von Karsten Stumm

Hamburg - Öl bleibt teuer. Der Preis für die März-Lieferung amerikanischen Leichtöls beispielsweise ist in den vergangenen Wochen deutlich gestiegen. Kostete ein Barrel (159 Liter) zu Jahresbeginn noch umgerechnet 48 Euro, sind es mittlerweile 52 Euro - und damit beinahe so viel, wie zu den Hochpreiszeiten des vergangenen Jahres.

Der Grund ist Ölexperten klar: "Die Kontraktpreise sind angezogen, weil sich die Händler Sorgen über die Entwicklung im Iran machen", sagten Analysten des britischen Rohstoffhandelshauses Sucden gegenüber der Nachrichtenagentur afp.

Das ölreiche Land hatte zuvor gedroht, seine Förderung zu reduzieren und so für eine Verknappung des Rohstoffs auf den internationalen Energiemärkten zu sorgen - und für weiter steigende Ölpreise. Iran reagierte damit auf die Drohung westlicher Staaten, die geplante industrielle Urananreicherung in dem Land zum Thema im Weltsicherheitsrat zu machen. Iran ist der zweitgrößte Förderstaat der Organisation der Erdöl exportierenden Länder (Opec), in dem sich viele der wichtigsten ölreichen Staaten der Welt zu einem Kartell zusammengeschlossen haben.

Im vergangenen Jahr wurden im Iran rund 220 Millionen Tonnen Öl gefördert, das entspricht ungefähr dem gemeinsamen Jahresverbrauch von Großbritannien und der Bundesrepublik. Zusammen fördern die Opec-Staaten derzeit etwa 2,7 Millionen Barrel pro Tag.

"Wir sollten diese Situation nicht unterschätzen. Sollte der Iran seine Drohung umsetzen und seine Ölförderung kappen, erleben wir womöglich eine Engpasssituation, wie wir sie seit der Ölkrise nicht mehr fürchten mussten", sagt Pierre Martin zu manager-magazin.de, Energiefondsmanager der Deutsche-Bank-Tochter DWS.

"Die übrigen Ölförderstaaten pumpen bereits so große Mengen des Rohstoffs an die Oberfläche, dass die Förderung kaum noch gesteigert werden kann. Wenn überhaupt sollte Saudi-Arabien noch über Ersatzkapazitäten verfügen, mit denen der angedrohte Lieferausfall des Iran ausgeglichen werden könnte."

Der Meinung sind auch die Experten des Brokerhauses Sucden, das sich auf Termin- und Optionsgeschäfte spezialisiert hat. "Jede neue bedenkliche Nachricht über den Iran kann den Ölmarkt hoch treiben", sagten die Sucden-Experten. Und die könnte nach Meinung von Orientexperten schneller kommen als vielleicht gedacht.

Mehr Geld oder höheres Ansehen

Mehr Geld oder höheres Ansehen

"Ich halte es durchaus für möglich, dass der Iran seine Ölförderdrohung wahr macht. Sie ist in der momentan angeheizten Stimmung zum Mittel in der zentralen politischen Frage des Landes geworden, seines Atomprogramms", sagt Martin Beck, Wissenschaftler des Deutschen Orient-Instituts in Hamburg. Damit riskiere das Land zwar einen Konflikt mit dem Westen. Doch dafür erhalte der Iran in weiten Teilen der eigenen Bevölkerung und auch von vielen Arabern Anerkennung.

Becks Fazit: "Die Förderdrosselung brächte dem Iran zwar finanziellen Schaden. Schließlich verdient das Land nur an seinem Ölvorkommen, wenn es den Rohstoff auch verkauft. Aber einen kurzfristigen Einnahmeausfall aus dem Ölgeschäft kann das Land durchaus verkraften, und dem steht der Reputationsgewinn im Orient gegenüber."

"Sollte der Iran seine Drohung wirklich in die Tat umsetzen, hätten wir eine Situation, die schlimmer als zu Beginn des ersten Golfkrieges im Jahr 1991 wäre", sagt dazu DWS-Fondsmanager Martin. Damals habe Saudi-Arabien den Lieferausfall aus dem Irak immerhin durch zusätzliche Förderung ausgeglichen.

Dennoch: Für einen kurzen Preisschock an den Ölmärkten reichte selbst das. Kurz nach Beginn des Krieges schnellte der Preis für amerikanisches Leichtöl um rund 40 Prozent in die Höhe, von 23 auf 33 Dollar.

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