Börsenfusionen Entscheidungen müssen her!

Noch 2006 will die Deutsche Börse über eine mögliche Fusion entscheiden. Die jüngst geplatzten Gespräche mit der Euronext könnten laut einem Zeitungsbericht bald fortgesetzt werden. Die Bank Macquarie hat derweil ihre Angebotsfrist für die Übernahme der Londoner Börse verlängert - weil bislang kaum Aktionäre zugestimmt haben.

Frankfurt am Main - Die Deutsche Börse  sollte Aufsichtsratsmitglied Friedrich Merz zufolge noch in diesem Jahr die Weichen für die künftige Positionierung im Wettbewerb stellen. "Eine Konsolidierung der Börsenlandschaft findet statt und da muss die Deutsche Börse mit Standort Frankfurt eine Schlüsselrolle spielen", sagte Merz, der seit Sommer im Aufsichtsrat des Frankfurter Börsenbetreibers sitzt, am Mittwoch auf einer Veranstaltung der Frankfurter Volksbank.

"Wir sind darum bemüht, möglichst im Laufe des Jahres 2006 Entscheidungen zu treffen, die das Unternehmen dauerhaft wettbewerbsfähig machen", sagte Merz ohne Namen geeigneter Partner zu nennen. "Wir wollen einen Beitrag leisten, dass die Deutsche Börse in fünf bis zehn Jahren ein ganz starker Spieler ist."

Merz machte deutlich, dass eine Partnerschaft den Finanzplatz Frankfurt nicht schwächen dürfe. "Wir werden keine Entscheidung treffen, die den Standort Frankfurt in Frage stellt oder relativiert", sagte der CDU-Politiker. "Der Finanzplatz Deutschland braucht eine starke große Deutsche Börse, die auch über Deutschland hinaus stark ist", sagte er.

Gespräche zwischen der Vierländerbörse Euronext und der Deutschen Börse waren vor Weihnachten ergebnislos abgebrochen worden. Deutsche-Börse-Aufsichtsratschef Kurt Viermetz hatte Mitte Januar deutlich gemacht, dass der Kontakt jederzeit wieder aufgenommen werden könne.

Nach einem Bericht der Tageszeitung "Die Welt" (Mittwochausgabe) sollen die Gespräche in den kommenden Wochen wieder intensiviert werden. An den Finanzmärkten wird bereits seit längerem auf ein Zusammengehen der beiden größten kontinentaleuropäischen Börsen spekuliert.

LSE-Aktionäre zögern

Nach Einschätzung von Merz hat die Fokussierung auf die Londoner Börse LSE "eine Reihe von Optionen in den Hintergrund treten lassen." Merz hatte vor seiner Berufung in den Aufsichtsrat der Deutschen Börse im Juli als Anwalt die Fonds-Gesellschaft und Deutsche-Börse-Großaktionär TCI beraten. Auf deren Drängen hin hatte der Frankfurter Börsenbetreiber die Übernahme der LSE im vergangenen Jahr abgebrochen.

Die LSE erwehrt sich derzeit einer feindlichen Übernahme durch die Macquarie Bank und hat seine Aktionäre erneut aufgefordert deren Angebot nicht anzunehmen. Das australische Finanzhaus hatte am Dienstag sein 1,5 Milliarden Pfund (rund 2,2 Milliarden Euro) schweres Kaufangebot für die LSE-Aktionäre bis zum 14. Februar verlängert. Denn bislang haben lediglich 0,4 Prozent der LSE-Aktionäre die Offerte von 5,80 Pfund je Aktie angenommen. Das Angebot war ursprünglich bis zum Dienstag befristet.

rtr

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