IPO-Pläne GBL will Bertelsmann an die Börse bringen

Der Medienkonzern Bertelsmann soll an die Börse kommen. Der Minderheitsgesellschafter Groupe Bruxelles Lambert (GBL) will seinen Anteil von 25,1 Prozent voraussichtlich 2007 platzieren - was die Eignerfamilie Mohn nicht unbedingt erfreuen dürfte.

Gütersloh/Brüssel - Europas größter Medienkonzern Bertelsmann soll an die Börse kommen. Der Bertelsmann- Minderheitsgesellschafter GBL (Groupe Bruxelles Lambert) hat entschieden, Anteile an den Markt zu bringen, wenn die Bedingungen günstig sind. Das teilte GBL am Freitag mit. GBL hält 25,1 Prozent der Kapitalanteile an Bertelsmann und genau 25 Prozent der Stimmrechte.

"Als Termin sehen wir das kommende Jahr, also 2007", zitiert die "Financial Times Deutschland" Thierry de Rudder, Managing Director des belgischen Mischkonzerns. Der Manager stellte dem Blatt zufolge eine Platzierung der Aktien an der Frankfurter Börse in Aussicht. Eine Platzierung in Frankfurt wäre schlüssig mit Blick auf die Firmenhistorie. "Warum sollte es nicht Frankfurt sein?"

Bertelsmann-Chef Gunter Thielen erklärte, der Medienkonzern sei auf einen Börsengang vorbereitet. Dieser wäre weltweit einer der größten in der Branche. Bertelsmann gesamt könnte nach Einschätzung von Bankern 20 bis 24 Milliarden Euro schwer sein.

Der 25,1-Prozent-Anteil an Bertelsmann war im Jahr 2001 im Zuge der Übernahme des in Luxemburg beheimateten Fernsehkonzerns RTL Group an GBL gegangen. Das Unternehmen des belgischen Finanzinvestors Albert Frére hatte sich den möglichen Ausstieg über die Börse vertraglich zusichern lassen.

Den Rest der Anteile an der Bertelsmann AG halten die Familie des Bertelsmann-Patriarchen Reinhard Mohn (17,3 Prozent) sowie die Bertelsmann-Stiftung (57,6 Prozent). Mohns Ehefrau Liz hatte als Sprecherin der Familie mehrmals betont, dass es keine Bestrebungen gebe, weitere Anteile an die Börse zu bringen. Gleichwohl sei man auf den Börsengang gut vorbereitet. Bertelsmann-Vorstandschef Thielen hatte noch im Dezember vor 600 Managern betont, es gebe keine Anzeichen für einen baldigen Börsengang.

Auch die deutschen Vertreter im Bertelsmann-Aufsichtsrat waren nach Informationen von manager-magazin.de noch vor drei Wochen davon ausgegangen, dass das Thema Börsengang aktuell nicht anstehe.

manager-magazin.de/dpa/reuters