ThyssenKrupp Alles auf Anfang

Durch die Megafusion auf dem Stahlmarkt kann ThyssenKrupp den kanadischen Stahlkocher Dofasco voraussichtlich doch übernehmen. Dabei hatte der Konzern längst Alternativpläne für die Expansion nach Nordamerika ausgearbeitet – und nach einem überraschend hohen Quartalsgewinn seine Gewinnprognose um ein Drittel angehoben.

Düsseldorf - Gerade erst hatte Thyssen-Krupp-Konzernchef  Ekkehard Schulz seinen Aktionären auf der Hauptversammlung erklärt, weshalb der Stahlriese auch ohne eine Übernahme des kanadischen Konkurrenten Dofasco  weiter wachsen werde. Er hatte überraschend gute Quartalszahlen vorgelegt - und seine Gewinnprognose kräftig angehoben.

Plötzlich war wieder alles anders: Im Rennen um Dofasco kommt der deutsche Branchenriese wohl doch noch zum Zug. Denn wenn der weltgrößte Stahlkonzern Mittal, wie angekündigt, den Branchenzweiten Arcelor  übernimmt, will er Dofasco für 68 kanadische Dollar je Aktie an ThyssenKrupp weiter verkaufen. Zu jenem Höchstgebot also, mit dem die Düsseldorfer Stahlkocher in der Übernahmeschlacht zunächst unterlegen waren, nachdem Arcelor mit einem Gebot von 71 Dollar den Zuschlag erhalten hatte.

"Wir brauchen dazu keine Kapitalerhöhung", sagte ein Sprecher am Freitag in Bochum. "Wir können eine Übernahme aus eigener Kraft finanzieren", betonte er. Voraussetzung sei, dass Mittal über die Anteile verfüge, also sowohl die Fusion von Mittal und Arcelor, als auch die Übernahme von Dofasco durch Arcelor zuvor vollzogen werden.

Damit dürften Thyssens Alternativpläne für die Expansion nach Nordamerika wieder in der Schublade verschwinden. Nur stunden vor bekannt werden des Stahl-Coups hatte Konzernchef Schulz noch erklärt, spätestens im Mai würde entschieden, ob der Marktzugang jenseits des Atlantiks über eine Kooperation mit anderen Unternehmen oder den Neubau einer Fabrik geschehen soll. Im Vorstand gebe es eine "gewisse Präferenz" für einen Neubau. Beide Alternativen hätten jeweils deutlich weniger als drei Milliarden Euro kosten sollen.

Auch ohne die Dofasco-Übernahme werde der Konzern weiter kräftig wachsen. "Beim Ergebnis vor Steuern haben wir unser nachhaltiges Ziel von bisher 1,5 Milliarden Euro auf zwei Milliarden Euro erhöht", erklärte Schultz vor Beginn der Hauptversammlung. Für das laufende Geschäftsjahr liege das Ziel aber weiter bei 1,5 Milliarden Euro. ThyssenKrupp wolle zudem "mittelfristig einen Gesamtumsatz von 45 Milliarden Euro bis 50 Milliarden Euro erreichen", bekräftigte er.

Der Gewinn aus dem fortgeführten Geschäft vor Steuern und Anteilen Dritter (Ebt) lag im ersten Geschäftsquartal nach ersten Berechnungen bei über 400 Millionen Euro nach 473 Millionen Euro im Vergleichsquartal des Rekordjahres 2004/05, teilte der Düsseldorfer Konzern weiter mit. Analysten hatten im Durchschnitt ein Ebt von 361 Millionen Euro prognostiziert.

Der Umsatz legte den Angaben zufolge um 8,1 Prozent auf 10,9 Milliarden Euro zu, der Auftragseingang stieg um 6,7 Prozent auf 11,6 Milliarden Euro. Im seit Oktober laufenden Geschäftsjahr 2005/06 soll der Umsatz eine Größenordnung von 43 Milliarden Euro erreichen. "ThyssenKrupp geht für 2005/06 von einer insgesamt positiven Geschäftsentwicklung aus", bilanzierte der Konzern.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx, rtr, vwd

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