Deutsche Börse/Euronext Börsen bald in der Hand von Fonds?

Angelsächsische Fonds haben ihre Anteile an der Deutschen Börse und der Euronext erhöht. TCI-Hedgefonds-Manager Christopher Hohn soll allein an der Vierländerbörse rund 10 Prozent besitzen. Die Fonds drängen auf eine Fusion der beiden Börsenbetreiber.

London/Frankfurt/Hamburg - Hedgefonds haben ihren Einfluss auf die beiden führenden europäischen Börsenbetreiber Euronext  und Deutsche Börse  einem Pressebericht zufolge verstärkt.

Der von dem Briten Christopher Hohn kontrollierte Hedge-Fonds TCI habe seinen Anteil an Euronext auf 9,9 Prozent aufgestockt, berichtet die "Financial Times" (Donnerstagausgabe) unter Berufung auf eine Meldung an die Aufsichtsbehörden. Der Hedgefonds Atticus Capital besitzt nach eigenen Angaben von Mitte Januar mittlerweile 7,6 Prozent an der Vierländerbörse.

Zudem hat der US-Hedge-Fonds Lone Pine seinen Anteil an der Deutschen Börse auf 5,09 Prozent gesteigert, wie bereits am Mittwoch in einer Finanzanzeige mitgeteilt wurde. Lone Pine verwaltet rund sechs Milliarden US-Dollar und zählt damit zu den Schwergewichten in der Hedgefonds-Branche, heißt es in anderen Presseberichten.

Die Hedgefonds TCI, Atticus Capital und Capital Research & Management sollen Anteile in ähnlicher Größenordnung an der Deutschen Börse halten. Die Fondsgesellschaft Fidelity besitzt nach jüngsten Presseberichten rund 9 Prozent an dem Frankfurter Börsenbetreiber.

TCI hatte im Mai 2005 zusammen mit anderen Fonds die Pläne der Deutschen Börse zur Übernahme der Londoner Börse zu Fall gebracht. Deutsche-Börse-Vorstandschef Werner Seifert musste im Gefolge des Debakels seinen Hut nehmen. Hingegen soll der Fonds Lone Pine Capital, der schon seit mehreren Jahren bei der Deutschen Börse investiert sei, sich seinerzeit bei den Angriffen gegen Seifert zurückgehalten haben, berichtet die "FTD" am Donnerstag.

Dem Vernehmen nach halten TCI und andere Fonds an beiden Börsen bereits rund ein Drittel der Anteile und drängen auf ihre Fusion. In ungewohnt offener Weise hatte sich Atticus Capital Mitte Januar für eine Fusion der beiden Börsenbetreiber ausgesprochen.

Auch führende französische Banken votieren für einen Zusammenschluss von Vierländerbörse und Deutscher Börse. Um die Fusion voranzutreiben, wollen sie als Kapitaleigner der Euronext einen Aktionärspakt schmieden, hieß es in jüngsten Berichten.

Einzelne Analysten sehen möglich Fusion skeptisch

Analysten bewerten die Chancen einer Fusion allerdings skeptisch. Selbst wenn die beiden Börsenbetreiber ihre Gespräche wieder aufnehmen und sich auf einen Zusammenschluss einigen sollten, müssten noch die Kartellbehörden diesem Pakt zustimmen. Das sei allerdings sehr unwahrscheinlich, schrieben Analysten der WestLB kürzlich in einer Studie. Denn gerade im Derivatehandel hätten die Deutsche Börse und Euronext eine Monopolstellung in Europa. Das müsse dann streng reglementiert werden.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx

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