SAP "2006 wird ein Meilenstein"

Auch für den erfolgsverwöhnten Softwarehersteller SAP ist so viel Optimismus ungewohnt. Nach einem deutlich zweistelligen Gewinn- und Umsatzplus im vergangenen Geschäftsjahr erwartet der Konzern für 2006 ein noch schnelleres Wachstum. Die Analysten zeigten sich überrascht, die Aktie legte zeitweise um 7,5 Prozent zu.

Walldorf - Europas größter Softwarehersteller SAP  hat mit einem ungewohnt optimistischen Ausblick auf das laufende Jahr überrascht. Umsatz und Gewinn sollen 2006 wieder zweistellig wachsen. Der für den künftigen Gesamtumsatz wichtige Lizenzerlös soll im laufenden Jahr zwischen 15 und 17 Prozent zulegen, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Die meisten Analysten gehen zwar von einem Anstieg in dieser Größenordnung aus, haben jedoch mit einer zurückhaltenderen Prognose gerechnet.

Der Marktführer für Anwendungssoftware, der bei seinen Prognosen traditionell eher vorsichtig ist, erwartet zudem ein beschleunigtes Wachstum bei der operativen Marge vor Sonderposten. Diese soll im laufenden Jahr um 0,5 bis 1,0 Prozentpunkte auf 28,8 bis 29,3 Prozent steigen. Für das Jahr 2007 wird nach früheren Angaben ein Anstieg auf 30 Prozent prognostiziert. Beim Gewinn je Aktie vor Sonderkosten rechnet SAP mit einem Anstieg auf 5,80 bis 6,00 Euro. SAP-Aktien reagierten auf den optimistischen Ausblick am Mittwochmorgen mit einem kräftigen Plus von 7,5 Prozent auf 157,90 Euro.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2005 stieg der Gewinn je Aktie vor Kosten für Aktienvergütungsprogramme, Akquisitionen sowie Unternehmenswertabschreibungen um 14 Prozent auf 5,01 Euro. Unter dem Strich verdiente der deutsche Konzern 14 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Überschuss stieg auf 1,496 Milliarden Euro. Der Umsatz zog den Angaben zufolge um 13 Prozent auf 8,51 Milliarden Euro an und lag damit im Rahmen der Anfang Januar veröffentlichten Eckdaten.

Softwareerlös klettert um 18 Prozent

Beim Softwareerlös verzeichnete SAP ein Plus von 18 Prozent auf 2,78 Milliarden Euro. SAP profitierte dabei erneut von einem überproportional starken Wachstum in den USA, wo der deutsche Konzern unter anderem von der Verunsicherung der Kunden infolge der Übernahmewelle in der US-Softwarebranche profitiert.

Mit seiner zweistelligen Wachstumsprognose dürfte Europas größter Softwarekonzern auch in diesem Jahr mit dem Konkurrenten Oracle  beim Umsatz Schritt halten und bei der Profitabilität näher heranrücken. Oracle versucht derzeit mit einer aggressiven Übernahmestrategie im Anwendungsbereich den Abstand zu SAP zu verringern.

Zuletzt verleibte sich der US-Konzern Siebel Systems  ein. Die knapp sechs Milliarden Dollar teure Übernahme soll in den kommenden Wochen abgeschlossen werden. Zuvor hatte Oracle bereits den Konkurrenten Peoplesoft , der zuvor selbst JD Edwards übernommen hatte, für etwas mehr als zehn Milliarden Dollar gekauft. Damit sind jetzt die früher wichtigsten SAP-Konkurrenten neben Microsoft  alle unter einem Dach vereint.

SAP setzt im Gegensatz zu Oracle vor allem auf internes Wachstum und stellt daher derzeit laufend neue Mitarbeiter ein. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Mitarbeiter um 3668 auf 35.873. SAP-Chef Henning Kagermann hatte zuletzt allerdings bis zu 4500 neue Mitarbeiter für 2005 angekündigt. Im laufenden Jahr will Kagermann weiter neue Leute einstellen. Zudem prüft SAP wegen des hohen Zuflusses an finanziellen Mitteln, den Aktienrückkauf zu forcieren.

"Das Jahr 2006 wird ein Meilenstein für SAP. Wir werden eine große Anzahl neuer Produkte an den Markt bringen. Unsere Produktpipeline ist stärker als je zuvor", sagte Kagermann. Diese Produkte sind die Basis, auf der wir unseren adressierbaren Markt von derzeit rund 30 Milliarden Dollar auf rund 70 Milliarden Dollar im Jahr 2010 vergrößern werden."

dpa-afx

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