Commerzbank Aufbau einer pan-europäischen Investment-Bank

"Wahlverwandtschaften" statt "Fusionitis" hatte Banksprecher Kohlhaussen angekündigt. Sein Plan: Die Commerzbank soll mit ihren Partnern eine deutsch-spanisch-französisch-italienische Investmentbank errichten. Die Börse reagiert mit einem Kursplus.

Frankfurt - Seit einiger Zeit verhandelt die Commerzbank bereits mit ihren Kooperationspartnern Credit Lyonnais in Frankreich, BCH-Santander in Spanien und BCI-Intesa in Italien.

Ziel ist die Bündelung des Investmentgeschäftes aller vier Bankkonzerne in einem Haus. Dabei handelt es sich um das Geschäft mit Aktien und fest verzinslichen Wertpapieren, die Betreuung größerer Vermögen und die Begleitung von Unternehmen an die Börse.

Ob am Ende dieses Prozesses eine gemeinsame europäische Superbank entsteht, ist noch offen. In einem Interview der Tageszeitung "Die Welt" deutete dies der Commerzbank-Chef Martin Kohlhaussen zumindest an: "Es kann dabei sehr wohl eine pan-europäische Bank entstehen, die diese Verwandten unter ein Dach bringt." Plumpe Fusionen hätten aber keinen Sinn.

Über den Zeitpunkt und die Größe der geplanten Teilfusion wollte die Commerzbank-Zentrale in Frankfurt am Freitag keine Angaben machen. "Das ist alles noch zu früh", hieß es.

Auch über die Beteiligungsverhältnisse an einer ersten europäischen Investmentbank besteht offensichtlich noch Unklarheit. In Frankfurt wird dazu der Leitgedanke zitiert: "Wir wollen nicht dominieren und nicht dominiert werden." Damit deutet sich eine Beteiligung von jeweils 25 Prozent an.

Kohlhaussen gilt als Gegner von Großfusionen und Mammutübernahmen. Gerne zitiert er deshalb die Schwierigkeiten und Probleme anderer Institute bei der Integration und der Verschmelzung unterschiedlicher Unternehmenskulturen. "Fusionsmanie und Fusionitis" halte er für krankhaft, sagte er jüngst auf der Bilanzpressekonferenz.

Für sein bevorzugtes "Konzept der Wahlverwandtschaften" besteht bereits ein komplexes Gebilde von Überkreuz-Beteiligungen der Euro- Partner. Die Commerzbank hält an der italienischen BCI-Intesa fünf Prozent, an der französischen Credit Lyonnais vier Prozent und an der spanischen BCH-Santander 1,8 Prozent. Im Gegenzug sind diese Institute wiederum mit kleinen Anteilen an der Commerzbank beteiligt.

Die Commerzbank kam Ende 1998 mit mehr als 32 000 Beschäftigten und rund 1 050 Niederlassungen auf eine Konzern-Bilanzsumme von 638 Milliarden Mark. Der Gewinn nach Steuern konnte um fast 40 Prozent auf 1,7 Milliarden Mark gesteigert werden.