Veba-Viag Übernahme statt Fusion?

Wollten die Düsseldorfer insgeheim das Viag-Paket aus bayrischem Landesbesitz kaufen, um den Münchner Konkurrenten zu übernehmen? An der Börse sorgt das Gerücht für Kursabschläge bei Veba und Kursgewinne bei Viag.

Düsseldorf/München - Im Fusionspoker am Energiemarkt scheint die Veba an eine Übernahme der Viag zu denken - oder hat diese Variante geplant. Statt des seit Wochen zwischen beiden Seiten verhandelten Zusammenschlusses soll der Veba-Konzern dem Freistaat Bayern nun ein Kaufangebot für dessen 25-Prozent-Anteil an der Viag unterbreitet haben.

Eine Veba-Sprecherin betonte am Freitag in Düsseldorf allerdings: "Wir machen nichts hinter dem Rücken der Viag. Zwischen uns wird alles abgestimmt." Auch eine Viag-Sprecherin sagte in München übereinstimmend, alles im Rahmen der Gespräche Veba-Viag sei miteinander abgesprochen. "Da unternimmt keiner etwas, ohne den anderen zu informieren."

Die bisher bekannt gewordenen Nachrichten könnten aber durchaus auf eine ursprünglich als Übernahme geplante Fusion hindeuten. Nach tagelangen Spekulationen war es immerhin das bayerische Finanzministerium, das Mitte der Woche - gewollt oder nicht - eine offizielle Bestätigung des geplanten Zusammenschlusses lieferte. Das Ministerium ist am Verkauf des landeseigenen Aktienpakets beteiligt.

Veba-Vorstandschef Ulrich Hartmann habe Berichten zufolge beim Spitzentreffen mit dem bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (CSU) am vergangenen Mittwoch in München ohne Absprache mit der Viag das Kaufangebot gemacht. Das Viag-Paket des Freistaats hat aktuell einen Börsenwert von rund 7,3 Milliarden Mark.

Die Börse reagierte am Freitag zum Auftakt mit klaren Abschlägen für die Aktie der Veba AG (Düsseldorf) und Gewinnen für das Papier der Viag AG (München). Die Veba-Aktie notierte zwischenzeitlich mit rund 58,30 Euro um 1,4 Prozent leichter. Der Viag-Kurs stieg dagegen im Mittagshandel um gut zwei Prozent auf 21,50 Euro.

Die Veba ist mit rund 84 Milliarden Mark Umsatz der stärkere der beiden Konzerne. Die Viag kam zuletzt auf Jahreserlöse von etwa 50 Milliarden Mark.