Wall Street NYSE verschiebt Börsengang

Die wichtigste Börse der Welt verschiebt ihren eigenen Börsengang und macht erstmal die Hausaufgaben. Noch fehlt ein Business-Plan. Und das Problem, wie sich eine AG selbst kontrollieren soll, ist ebenfalls ungeklärt.

New York - Die New York Stock Exchange (Nyse) hat ihr geplantes Going Public verschoben. Wie Chairman Richard Grasso sagte, ist mit dem Börsengang nicht mehr wie früher angedeutet zu Thanksgiving am 25. November zu rechnen.

Zur Zeit arbeiten Grassos Angaben zufolge die sechs Public Directors an einem Business-Plan, der das Für und Wider des Börsengangs abwägen und Wege zeigen soll, wie die genossenschaftliche Mitgliederstruktur der Börse aufgelöst werden kann.

Der Plan werde erst im Jahr 2000 fertig sein und müsse dann mit den Mitgliedern der Nyse abgestimmt werden. Auf ein Datum für das Going Public wollte Grasso sich nicht festlegen. Gründe für die Verzögerung seien Fragen, wie eine Umstellung den Markt, seine Selbstregulierungsorgane, die Börsenmitglieder und nicht zuletzt auch die 70 Millionen Investoren beeinflusse. Zentral sei dabei der Punkt, wie die Selbstregulierung der wichtigsten Börse der Welt künftig funktionieren solle, wenn sie selbst in eine Aktiengesellschaft umgewandelt würde.

Über dieses Thema verhandelt die Nyse derzeit mit der Security and Exchange Commission (SEC). Grundsätzlich begrüßt deren Chairman Arthur Levitt ein mögliches Going Public.

Die Association of Securities Dealers hatte vorgeschlagen, die Selbstregulierung als eine selbstständige Non-Profit-Einheit zu führen. Alternativ könne man auch die Selbstregulierung der Nyse und der Nasdaq zusammenlegen. Zu klären ist laut Grasso zudem, ob die Börsenmitglieder nach einem Going Public eine Steuer auf Kapitalgewinne zahlen müssen.

Nach Gesprächen mit dem Internal Revenue Service (IRS) ist der Nyse-Chairman jedoch optimistisch, dieses Problem zu lösen. Bei seinen Gesprächen mit Börsenmitgliedern in den vergangenen Wochen stieß Grasso durchweg auf positive Reaktionen, gepaart mit "einer ordentlichen Portion Skepsis". Früher als über den Börsengang könne über den Kauf oder die Einrichtung eines Netzwerks für den elektronischen Handel (ECN) entschieden werden. "Wir schließen nicht aus, schon jetzt ein ECN zu kaufen", sagte Grasso in einem CNBC-Interview.

Durch konkurrierende ECN sei die Börse unter Druck geraten, ebenfalls Handel außerhalb der jetzigen Zeiten anzubieten. Auch in Deutschland sind ECN am Start - etwa der Späthandel der Direkt Anlage Bank mit dem Maklerhaus Lange & Schwarz oder das Handelssystem unter Federführung der Citibank.

Die Planungen für eine Ausweitung der Handelsräume in ein neues Gebäude in der Broad Street vis-a-vis der Wall Street gingen weiter voran, betonte Grasso zu Spekulationen, wonach sich innerhalb der Nyse Skepsis breit mache, dass der zusätzlicher Platz angesichts des rapide zunehmenden elektronischen Handels überhaupt noch notwendig sei. "Ich denke, die Unterschriften für dieses Projekt werden in den nächsten Monaten unter Dach und Fach sein", sagte Grasso.