Ölpreis Ist teuer, bleibt teuer

Mit fast 71 Dollar je Barrel markierte der Ölpreis im vergangenen Sommer ein Rekordhoch. Seither ist er nur leicht gesunken. Und der Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine gab ihm zuletzt wieder kräftig Auftrieb. Experten sind sich einig: Auch 2006 ist am Ölmarkt keine Entspannung in Sicht.

Frankfurt am Main - Der Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine hielt auch Westeuropa in Atem - nicht nur, weil es zu zeitweisen Liefereinschränkungen kam. Der Konflikt hat einmal mehr einen zentralen Risikofaktor der Weltwirtschaft ins Rampenlicht gerückt: Ein Großteil der Energiereserven der Welt lagert in politisch unsicheren Regionen. Und die hohen Preise - insbesondere für Rohöl - haben großen Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung.

Die Angst vor Versorgungsengpässen beim Erdgas hatte zuletzt auch den Ölpreis wieder kräftig klettern lassen. Mittlerweile ist der Konflikt um das russische Gas zwar beigelegt - doch gleich zu Jahresbeginn ist einmal mehr deutlich geworden, dass auch 2006 nicht mit einem größeren Preisrückgang auf dem Ölmarkt zu rechnen ist.

Am Donnerstag, einen Tag nach der Einigung zwischen Russland und der Ukraine, sank der Ölpreis wieder etwas - hielt sich aber weiter deutlich über 60 Dollar. So kostete ein Barrel (159 Liter) leichtes US-Öl der Sorte West Texas Intermediate (WTI) im asiatischen Handel 63,25 Dollar. Das waren 17 Cent weniger als bei Handelsschluss am Vorabend in New York. Damit blieb der Preis weiter nahe dem am Dienstag markierten Zehn-Wochen-Hoch von 63,80 Dollar.

WTI nicht unter 50 Dollar je Barrel

"Wir erwarten keine deutliche Entspannung am Rohölmarkt", sagt Analystin Melanie Fischinger von der Commerzbank. Sie rechnet 2006 für WTI-Rohöl mit einem durchschnittlichen Preis je Barrel zwischen 53 und 54 Dollar. Beim Preis für Rohöl der in Europa besonders gefragten Nordseesorte Brent erwartet sie einen durchschnittlichen Preis von 48 Dollar. "Preise um die 20 Dollar je Fass der Nordseesorte Brent, wie sie im Durchschnitt der 90er Jahre üblich waren, liegen nicht in greifbarer Nähe", so die Prognose der Commerzbank.

Auch Eugen Weinberg, Analyst der DZ-Bank, rechnet beim WTI-Öl mit einem durchschnittlichen Preis zwischen 53 und 54 Dollar. Den zu erwartenden Durchschnittspreis bei Brent-Öl bezifferte er auf 51 bis 52 Dollar je Barrel. Die Experten der US-Investmentbank Morgan Stanley setzten ihre Prognosen etwas geringer an. Sie erwarten beim WTI-Öl einen durchschnittlichen Preis von 50 Euro und beim Brent-Öl von 48 Dollar je Barrel.

Keine extremen Preissprünge

Keine extremen Preissprünge

Selbst bei einer weiteren ungewöhnlich heftigen Hurrikan-Saison in den Ölfördergebieten im Golf von Mexiko rechnet Analyst Weinberg nicht mit einem ähnlich extremen Höhenflug wie im vergangenen Sommer. Anfang September 2005 hatten die Folgen der tropischen Wirbelstürme "Katrina" und "Rita" den Preis für WTI-Öl zeitweise auf ein Rekordhoch von fast 71 Dollar je Barrel steigen lassen. "Selbst bei einer weiteren überdurchschnittlich heftigen Hurrikan-Saison wird der Preis für Rohöl nicht mehr so stark reagieren wie 2005", sagt Weinberg.

Doch das grundsätzlich hohe Preisniveau wird bleiben: Als Ursache nennen die Analysten übereinstimmend die starke Nachfrage durch das weltweite Wirtschaftswachstum. Die Investmentbank Morgan Stanley  geht in der Prognose für das kommende Jahr von einem globalen Wirtschaftswachstum von 3,7 Prozent aus.

"Dies würde einen Anstieg der weltweiten Nachfrage um täglich 1,4 Millionen Barrel bedeuten", heißt es in einer Studie. Dabei werde vor allem die anhaltend starke Nachfrage aus Asien "die Ölpreise auf einem hohen Niveau halten", sagt Experte Weinberg.

Trotz der boomenden Weltwirtschaft sollten die weltweiten Fördermengen auch 2006 Jahr mit der steigenden Nachfrage Schritt halten, so Commerzbank-Analystin Fischinger. Von einer "fundamentalen Angebotsknappheit kann keine Rede sein".

Nach Angaben der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) sind bis Ende des Jahrzehnts rund 100 Explorations- und Förderprojekte in den Mitgliedsstaaten in Planung. Allerdings sei für die Finanzierung der kostspieligen Erschließung neuer Ölquellen ein Preis von etwa 45 Dollar je Barrel notwendig, schreiben die Experten von Morgan Stanley.

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