Dienstag, 12. November 2019

Kombilöhne Perspektive oder Offenbarungseid?

Händeringend sucht die Politik nach Wegen, um die hohe Arbeitslosigkeit zu reduzieren. Jetzt hat sie den Kombilohn wiederentdeckt. Über seinen Sinn wird trefflich gestritten. Schaffen Kombilöhne neue Jobs, können sie den Arbeitsmarkt wirklich entlasten? Eine Analyse.

Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland stagniert auf hohem Niveau. Gleichzeitig scheint es aber genügend Arbeit zu geben. Das Problem: Die Löhne für diese Arbeiten sind so gering, dass der Beschäftigte zumeist davon nicht leben geschweige denn eine Familie unterhalten kann.

Kombilohn als Ausweg? Subventionierte Jobs mögen Menschen vereinzelt aus der Arbeitslosigkeit holen, die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt sind aber umstritten
Es dürfte auf jeden Fall schwierig sein, über einen solchen Job jene 1600 Euro netto zu verdienen, die ein Hartz-IV-Empfänger für eine vierköpfige Familie (inklusive Zuschüssen für Wohnung und Heizung) erhält. Die Folge ist gerade in Bereichen der so genannten "Billig-Jobs" die Schwarzarbeit. Hier will die große Koalition jetzt mit so genannten Kombilohn-Modellen gegensteuern.

Was sind Kombilöhne?

Kombilöhne sind vereinfacht gesagt subventionierte Jobs. Es gibt Arbeiten, bei denen eine geringe oder gar keine Qualifikation ausreicht. Diese werden entsprechend schlecht bezahlt. Nun plant man, diese Jobs zu subventionieren. Der Effekt: Auch geringfügig Qualifizierte könnten einen Job erhalten, von dem sie leben könnten. So gesehen ist der Kombilohn eine Umkehrung des jetzigen Verwaltungsmodells von Arbeitslosigkeit. Anstatt diese Arbeitslosigkeit zu finanzieren wird nun Arbeit subventioniert.

Nun ist der Kombilohn nicht neu. So wurde bereits im Juli 2000 von der Bundesregierung das "CAST"-Programm (Chancen und Anreize zu Aufnahme sozialversicherungspflichtiger Tätigkeiten) aufgelegt. Mit den Mitteln aus diesem Programm förderte der Bund unter anderem zwei verschiedene Modellansätze.

Der bekanntere war das so genannte "Mainzer Modell", das auch jetzt häufig in der Kombilohn-Diskussion angesprochen wird. Hier erhält der Arbeitnehmer einen Zuschuss zu seinen Sozialversicherungsbeiträgen und zum Kindergeld. Alle Zuschüsse werden degressiv zum Einkommen gestaffelt (je höher das Einkommen, umso geringer der Zuschuss).

Gleichzeitig wurde aber auch das so genannte SGI-Modell (Saar-Gemeinschafts-Initiativ-Modell) unterstützt, bei dem der Arbeitgeber einen Zuschuss erhielt, wenn er Personen aus bestimmten Gruppen einstellte.

Die oben angesprochenen Modelle wurden zwischenzeitlich eingestellt, doch der Gedanke, Arbeit zu bezuschussen, um keine Arbeitslosigkeit finanzieren zu müssen, hat für Politiker einen besonderen Reiz. Schon allein die dadurch entspannte Arbeitslosenstatistik regt hier zum Handeln an.

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