Veba-Viag Fusion perfekt

Die Mischkonzerne Viag und Veba haben nach tagelangen Spekulationen bestätigt, dass sie über ihre Fusion zum drittgrößten deutschen Industrieunternehmen verhandeln.

München - "Wir haben Eckpunkte einer Fusion mit der Veba ausgehandelt", sagte Viag-Vorstandschef Wilhelm Simson. Veba-Chef Ulrich Hartmann sagte, er sei guter Hoffnung für die angepeilte Fusion.

Die beiden Konzernchefs betonten vor einem Treffen mit Bayerns Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (CSU), es gebe bei dem Vorhaben noch offene Fragen. Auch hätten beide Firmen noch die Möglichkeit einer anderen Partnerschaft. Die Gespräche von Viag und Veba seien aber am weitesten gediehen, sagte Simson.

Hartmann sagte, er sei zuversichtlich, dass sich der Freistaat Bayern als Eigentümer von 25 Prozent an der Viag einer "guten wirtschaftlichen Lösung" nicht verschließen werde. Indirekt bestätigte er Aussagen seines Viag-Kollegen Simson, der davon gesprochen hatte, dass die Fusionsverhandlungen beider Unternehmen weit gediehen seien.

"Ich habe keinen Grund, an den Aussagen meines Kollegen zu zweifeln." Einen Kommentar zu inhaltlichen Bestandteilen des Fusionsprojektes lehnte er ab. Zum Zeitplan eines Zusammengehens von Viag und Veba gebe es noch keine Festlegungen.

Börse freut sich

An der Frankfurter Aktienbörse wurde die Nachricht von den Fusionsgesprächen positiv aufgenommen. Die Aktien beider Firmen stiegen bei hohen Umsätzen weitaus stärker als der Gesamtmarkt. Viag sprangen um rund acht Prozent auf 21,44 Euro, Veba verteuerten sich um rund fünf Prozent auf 61,94 Euro. Aktienhändler sagten, der Markt honoriere den Umstand, dass nun alles auf eine Fusion hin deute.

Simson sagte, nach einer Zustimmung Bayerns könne es in zwei bis drei Wochen eine Aufsichtsratssitzung der Viag zu dem Fusionsplan geben. Wenn der Großaktionär Bayern und die Aufsichtsräte beider Firmen dem Fusionsprojekt zugestimmt hätten, könne es "richtig los gehen". Zur Frage, ob es Probleme beim Kartellamt mit dem Fusionsvorhaben geben könnte, sagte Simson: "Ja, logisch." Er betrachte diese Probleme allerdings als lösbar.

Durch eine Fusion von Viag und Veba entstünde ein Konzern mit rund 120 Milliarden DM Umsatz. Zugleich ergäbe sich durch ein Zusammengehen der beiden Stromtöchter Bayernwerk und PreussenElektra das mit rund 180 Milliarden Kilowattstunden Stromabsatz größte deutsche Stromunternehmen, das den bisherigen Marktführer RWE ablösen würde.

Nach Angaben aus Unternehmenskreisen gehört auch die RWE noch zu Gesprächspartnern von Viag. Mit beiden Firmen würde sich die Viag wegen der unterschiedlichen regionalen Schwerpunkte ihres Stromgeschäfts gut ergänzen.

Wie wird geteilt?

In Medienberichten wird seit Tagen über eine Fusion von Viag und Veba spekuliert. Unter anderem war berichtet worden, das Fusionsunternehmen mit Sitz in Düsseldorf solle von einer Doppelspitze bestehend aus Veba-Chef Hartmann und Viag-Chef Simson geführt werden. Sitz der Energietochter werde München sein.

Als Wertverhältnis beider Gesellschaften rechne man bei der Veba von einer Relation zwei Drittel zu ein Drittel zu Gunsten der Veba, was etwa der Umsatzrelation beider Firmen entspreche. Kernbereiche des neuen Großkonzerns sollen den Spekulationen zufolge die Sparten Energie und Chemie sein. In der Chemie sollen die jeweiligen Töchter SKW Trostberg und Degussa-Hüls zusammen geführt werden.

Die meisten Aktivitäten außerhalb dieser Bereiche, etwa das Viag-Geschäft im Verpackungsbereich und der Logistik, dürften nach Angaben aus Firmenkreisen entweder mit Partnern weiter geführt oder verkauft werden. An dem Telekommunikationskonzern Viag Interkom, an der neben der Viag noch British Telekom und die norwegische Telenor beteiligt sind, werde man aber vermutlich festhalten, hieß es in Viag-Kreisen.