Porsche Volkswagen als Schwungmasse

Der Sportwagenbauer konnte Absatz und Umsatz erneut steigern. Ein Ausreißer nach unten ist allerdings der Cayenne. Ob der milliardenschwere Einstieg bei Volkswagen lohnt, war nicht zuletzt durch den Streit mit VW-Aktionär Christian Wulff angezweifelt worden. Porsche-Chef Wendelin Wiedeking sagt nun, die Wogen seien geglättet.

Stuttgart - Sportwagenbauer Porsche  will trotz der milliardenschweren Kosten für den Einstieg beim Volkswagen-Konzern  auch künftig als profitabelster Autohersteller der Welt glänzen. "Die Synergien, die wir aus der Partnerschaft mit VW erwarten, werden uns auf diesem Weg sicher nicht kurzfristig, aber doch auf längere Sicht entscheidend voranbringen", sagte Vorstandschef Wendelin Wiedeking am Mittwoch auf der Bilanzpressekonferenz in Stuttgart.

Für das laufende Geschäftsjahr 2005/06 (bis Ende Juli) zeigte er sich angesichts der fortgesetzten Modelloffensive zuversichtlich. Allerdings werden hohe Entwicklungskosten für die vierte Baureihe die Gewinnsituation belasten. Eine konkrete Ergebnisprognose wollte der Vorstand nicht geben.

Finanzvorstand Holger Härter versprach erneut eine "sehr gute" Entwicklung. Es sei aber klar, dass nach elf Jahren Gewinnanstieg in Folge die "Luft dünner wird". Im Vorjahr hatte der Konzern bei Ertrag, Umsatz und Absatz erneut Bestmarken erreicht. Analysten kritisierten den vagen Ausblick. Die Porsche-Aktie büßte am Mittwoch rund vier Prozent auf 628,41 Euro ein.

Der Sportwagen schlechthin: Modell 911 Carrera

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Einstiegsauto für Besserverdiener: Modell Boxster in der zweiten Generation

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Porsche beschwört die sportliche Auslegung: Boxster-Ableger Cayman S

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Öfter als 100.000 Mal vom Band gelaufen: Geländewagen Cayenne

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Porsches Vierer-Bande
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Option für Anteilserhöhung bei Volkswagen

Die spektakuläre VW-Beteiligung wird Porsche etwa 3,5 Milliarden Euro kosten. Das Investment für einen Anteil von rund 22 Prozent werde insgesamt in dieser Größenordnung liegen, sagte Härter. Der Autobauer hat bislang offiziell mitgeteilt, 18,5 Prozent der VW-Stammaktien erworben zu haben. Dieses Paket kostete etwa drei Milliarden Euro. Zudem besitzen die Stuttgarter die Option für den Kauf von weiteren 3,4 Prozent, die Unternehmenskreisen zufolge gezogen wird. Dies erhöht die Gesamtinvestition auf 3,5 Milliarden Euro.

Im Streit mit dem Land Niedersachen und Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) um die künftige Machtverteilung im VW-Aufsichtsrat schlug Wiedeking versöhnliche Töne an. Porsche wolle entsprechend seiner Beteiligung natürlich ein gewichtiges Wort mitreden, strebe aber eine Lösung im Konsens an.

Er habe gute Gespräche mit Wulff geführt. Beide Großaktionäre verfolgten das Wohl und die positive Entwicklung von VW. Es wird erwartet, dass Wiedeking selbst und Finanzchef Härter in den Aufsichtsrat einziehen werden. Möglicherweise fordert Porsche aber auch einen dritten Sitz. Umstritten ist die Rolle von VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch, der zugleich Großaktionär bei Porsche ist. Wiedeking äußerte sich zu diesem Thema nicht.

VW-Investiton statt Sonderdividende

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Nach Porsches Angaben ist weiterhin damit zu rechnen, dass die EU-Kommission das VW-Gesetz, das die Staatsbeteiligung regelt, kippen wird. Ob Porsche nach einem Ausstieg des Landes Niedersachsen die Beteiligung über 22 Prozent hinaus aufstocken würde, könne er zum heutigen Zeitpunkt nicht sagen. Die teilweise auf dem Finanzmarkt geäußerte Kritik an dem VW-Coup wies Wiedeking erneut zurück.

Neben den strategischen Gründen zur Abwehr einer möglichen feindlichen Übernahme hätten auch die starke Eigenkapitalbasis und das operative Potenzial von Volkswagen für den Einstieg gesprochen.

Deshalb habe er seinerzeit den Aufsichtsrat gebeten, auf eine Sonderdividende oder einen Aktienrückkauf zu verzichten und das Geld stattdessen in Wolfsburg zu investieren. Eine Verwässerung der eigenen Marke erwartet er nicht. "Wir werden zwei völlig autarke Gruppen haben und die Marken strikt trennen."

Weitaus profitabler als der nächstbeste Konkurrent

In den ersten vier Monaten des Geschäftsjahres hat Porsche Umsatz und Absatz erneut gesteigert. Zwischen August und Ende November stiegen die Erlöse im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 6,7 Prozent auf 2,02 Milliarden Euro. Der Absatz kletterte um 8,5 Prozent auf 25.635 Fahrzeuge. Abgesehen vom Geländewagen Cayenne verbuchte Porsche bei allen Modellen steigende Verkaufszahlen.

Vom Cayenne wurden 10.974 Einheiten abgesetzt und damit 16,7 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Porsche rechnet hier mit mit einem deutlich schrumpfenden Absatz im weiteren Verlauf des Geschäftsjahres.

"Der Absatz des Cayenne wird spürbar zurückgehen", sagte ein Porsche-Sprecher am Mittwoch. Insgesamt solle der Konzernabsatz aber den Vorjahreswert von rund 88.400 Fahrzeugen übertreffen, da die Verkaufszahlen der Sportwagenmodelle zulegten.

Cayenne-Produktion wird gedrosselt

"Der Cayenne ist im vierten Lebensjahr", begründete der Sprecher den erwarteten Rückgang. Deshalb lasse die Nachfrage nach. Zudem beteilige sich Porsche auf dem wichtigen US-Markt nicht an der Rabattschlacht und müsse daher dort auf Verkäufe verzichten. Die bisher voll ausgelastete Produktion für den Cayenne werde der Absatzsituation angepasst, fügte der Sprecher hinzu.

Der 911-Absatz stieg um 11,4 Prozent auf 9439 Fahrzeuge. Beim Boxster einschließlich der ersten Einheiten des Cayman S kletterte der Absatz um 179,4 Prozent auf 4998 Fahrzeuge. Auf den - inklusive Mehrwertsteuer und einiger Extras - nahezu eine halbe Million Euro teuren Carrera GT entfielen 224 Einheiten nach 195 Fahrzeugen im Vorjahr. Beim Geländewagen Cayenne sank der Absatz deutlich um 16,7 Prozent auf 10.974 Fahrzeuge.

"Bei der Profitabilität haben wir inzwischen ein Niveau erreicht, das weit über dem aller anderen Automobilhersteller weltweit liegt", sagte Wiedeking. Allerdings wird die Gewinnsituation derzeit durch die hohen Entwicklungskosten für die vierte Baureihe "Panamera" und den Hybrid-Antrieb für den Geländewagen Cayenne belastet.

Volkswagen an Panamera-Projekt beteiligt

Volkswagen an Panamera-Projekt beteiligt

Für das Sportcoupe "Panamera", das 2009 als Herausforderer für BMW  und Mercedes  auf den Markt kommt, hat Porsche bislang Kosten von gut einer Milliarde Euro veranschlagt. Diese könnten aber geringer ausfallen, da nach Informationen aus Unternehmenskreisen VW als Partner in das Projekt eingebunden werden soll. Fertigung und Lackierung der Karosserie könnten im Wolfsburger VW-Werk ausgeführt werden, die Endmontage des Autos dann im Porsche-Werk Leipzig erfolgen.

Wiedeking sagte, beim "Panamera" werde es Synergieeffekte mit VW geben. Eine endgültige Entscheidung über einen Systempartner sei aber noch nicht gefallen. Es sei richtig, dass es dabei um Rohkarosserie und Lackierung gehe. Derzeit würden mehrere Angebote geprüft. Porsche sei noch nicht festgelegt, "das beste und preisgünstigste Angebot bekommt den Zuschlag".

Zuvor hatte der Porsche-Chef in seiner Rede betont, es gebe weitere Chancen "durch eine noch intensivere Nutzung bereits bestehender Produktionsanlagen und Strukturinvestitionen bei Volkswagen". Er kündigte an, dass er auch bei der vierten Baureihe an seiner Strategie festhalten wird, mit der er den Autobauer vom Sanierungsfall Anfang der 90er Jahre zum hochprofitablen Konzern umformte. "Dreh-und Angelpunkt unseres Geschäftsmodells ist die geringe Fertigungstiefe, die mit weniger als 20 Prozent die niedrigste in der gesamten Automobilbranche ist."

60 Millionen Euro VW-Dividenden, fast steuerfrei

Die Kooperationen mit VW in den Bereichen Forschung, Entwicklung, Beschaffung und Produktion werden sich für Porsche mittelfristig mindestens in dreistelliger Millionenhöhe auszahlen. Der Cash-Flow soll in zweistelliger Millionenhöhe verbessert werden.

Zum einen bringe die Umschichtung der liquiden Mittel in das Finanzinvestment einen positiven Zinseffekt in einer Größenordnung von 50 Millionen Euro, zum anderen werde die Dividende aus der VW-Beteiligung mit mehr als 60 Millionen Euro veranschlagt. Dieser Posten sei zu 95 Prozent steuerfrei, sagte Wiedeking.

Auf Produktionsebene sehe er gemeinsam mit Volkswagen die größten Einsparpotenziale im Bereich Technologie und Entwicklung. Dies betreffe die Nachfolgermodelle der Geländewagen Cayenne und Touareg, die sich eine gemeinsame Plattform teilen. Zudem entwickeln die Unternehmen einen Hybridantrieb und wollen bei Elektronikkomponenten und -plattformen zusammenarbeiten.