Siemens Auftaktbilanz verhagelt

Der neue Siemens-Chef Klaus Kleinfeld hätte sich wohl einen glänzenderen Auftakt vorstellen können: Der Verkauf des Handygeschäfts und die teure Sanierung weiterer Krisensparten sorgten im abgelaufenen Geschäftsjahr 2004/2005 für einen deutlichen Gewinnrückgang. Das Sorgenkind SBS rutschte tief in die roten Zahlen.

München - Der Verkauf des Handygeschäfts und die teure Sanierung weiterer Krisensparten haben dem neuen Siemens-Chef  Klaus Kleinfeld seine erste Jahresbilanz verhagelt. Der Gewinn nach Steuern knickte im Geschäftsjahr 2004/2005 von 3,4 auf 2,25 Milliarden Euro ein, wie Deutschlands größter Elektronikkonzern am Donnerstag in München berichtete. Der Gewinn aus den fortgeführten Geschäftsfeldern erreichte allerdings mit 3,06 Milliarden Euro fast das Niveau des Vorjahres.

Der Umsatz kletterte auf 75,45 Milliarden Euro, das sind 7 Prozent mehr. Der Auftragseingang verbesserte sich um 11 Prozent auf 83,79 Milliarden Euro. In allen Bereichen gingen mehr Bestellungen ein. Vorstandschef Kleinfeld sprach von einem "soliden Wachstum".

Viele Bereiche hätten beim Ergebnis eine starke Performance gezeigt. Hohe Sonderbelastungen fielen allerdings wegen verschiedener Zukäufe und der teuren Sanierung mehrerer Problemsparten an. Das inzwischen verkaufte Handy-Geschäft häufte einen Verlust von 810 Millionen Euro an. Im Juni hatte Siemens die kriselnde Sparte nach erfolglosen Restrukturierungsversuchen an den Elektronikkonzern BenQ aus Taiwan verkauft. Die Sparte Communications, die aus Mobil- und Festnetzgeschäft zusammengelegt worden war, erzielte mit 454 Millionen Euro ein um ein gutes Drittel niedrigeres Ergebnis.

Der kriselnde IT-Dienstleister SBS rutschte tief in die Verlustzone und verbuchte ein Minus von 690 Millionen Euro. Im Jahr zuvor war noch ein Plus von 40 Millionen Euro erzielt worden. Die Restrukturierungskosten beliefen sich auf 228 Millionen Euro. Auch im Industrielogistikgeschäft fielen Sanierungskosten an.

Kleinfeld sagte: "Wir sind auf dem besten Weg, Siemens fit für die Zukunft zu machen." Die strategische Neuausrichtung des Konzerns werde fortgesetzt. Mehr Innovationskraft sei die Grundlage für künftiges Wachstum.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr gab das operative Ergebnis der Bereiche von 5,14 auf 4,69 Milliarden Euro nach. Besonders hohe Ergebnisbeiträge lieferten die Sparten Automatisierungstechnik mit 1,2 Milliarden Euro. Dahinter folgten die Medizintechnik mit 976 Millionen Euro und die Kraftwerksparte mit 951 Millionen Euro. Die Verkehrstechnik, die im Vorjahr wegen technischer Probleme mit Combino-Straßenbahnen tief in die roten Zahlen gerutscht war, erreichte mit 45 Millionen Euro wieder die Gewinnzone.

Im Schlussquartal des Ende September abgelaufenen Geschäftsjahrs sackte der Gewinn im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 654 auf 77 Millionen Euro ab. Der Auftragseingang zog um 16 Prozent auf 23,6 Milliarden Euro an. Der Umsatz kletterte um 13 Prozent auf 22,1 Milliarden Euro.

Kleinfeld hatte im Januar offiziell die Leitung von Deutschlands größtem Elektronikkonzern übernommen. Der bisherige Siemens-Chef Heinrich von Pierer wechselte an die Spitze des Aufsichtsrates. Der Konzern mit Sitz in München beschäftigt 461.000 Mitarbeiter, davon 165.000 in Deutschland.

Im Rahmen der Bilanzvorlage bestätigte Siemens einen Auftrag über die Lieferung von 60 Hochgeschwindigkeitszügen nach China. Das Geschäft hat einen Wert von fast 700 Millionen Euro. Wie Siemens-Chef Klaus Kleinfeld am Donnerstagvormittag in München sagte, wird ein entsprechender Vertrag an diesem Nachmittag unterzeichnet.

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