Postbank Mehr ist nicht genug

Im dritten Quartal hat die Postbank ihren Gewinn zweistellig gesteigert, die Markterwartungen aber trotzdem verfehlt. Der Zinsüberschuss wuchs nur minimal. Deutschlands größte Filialbank bekräftigte ihre Prognose für das Gesamtjahr – und bestätigte Gespräche mit der HVB über eine Übernahme des Abwicklungsgeschäfts.

Frankfurt am Main - Die Postbank  hat im dritten Quartal 2005 ihren Gewinn um gut 11 Prozent gesteigert und die Geschäftsprognosen für das kommende Jahr bekräftigt. Der Überschuss sei im Zeitraum Juli bis September auf 116 Millionen Euro geklettert nach 104 Millionen im Vorjahr, teilte Deutschlands größte Filialbank am Mittwoch mit. Analysten hatten im Schnitt mit 118 Millionen Euro gerechnet.

Den Aktionären will die Banktochter der Deutschen Post für 2005 erneut eine Dividende von 1,25 Euro je Anteilsschein zahlen. Zudem bekräftigte das Bonner Institut, das gerade die Hamelner Bausparkasse BHW übernimmt, 2006 auf eine Eigenkapitalrendite von 15 Prozent vor Steuern und eine Aufwand/Ertrags-Relation im klassischen Bankgeschäft von unter 65 Prozent kommen zu wollen. Diese Ziele gelten bereinigt um die Integrationskosten für die BHW-Übernahme. Nach den ersten neun Monaten 2005 kam die Postbank auf eine Rendite von 14,1 Prozent und eine Aufwand/Ertrags-Relation von 66 Prozent. Damit muss sie 66 Euro aufwenden, um 100 Euro zu verdienen.

Operativ verzeichnete die Postbank im Zinsgeschäft im dritten Quartal 2005 nur geringe Zuwächse: Der Zinsüberschuss als wichtigste Einnahmequelle legte von 404 auf 407 Millionen Euro zu. Positiv wirkten sich ein höherer Provisionsüberschuss und ein gestiegenes Ergebnis aus Finanzanlagen aus. Dagegen drückte die Risikovorsorge für faule Kredite auf das Ergebnis. Sie erhöhte sich von 44 auf 52 Millionen Euro.

Die Postbank gewann im dritten Quartal 181.000 neue Kunden hat damit insgesamt 12,2 Millionen. Im Gesamtjahr 2005 will das Institut 600.000 neue Kunden werben. Bis September waren es schon 543.000 Neukunden.

Postbank-Chef Wulf von Schimmlmann bestätigte Gespräche mit der HypoVereinsbank  über eine Übernahme des Abwicklungsgeschäfts der drittgrößten deutschen Bank. "Wir führen derzeit Gespräche. Eine Entscheidung ist aber noch nicht absehbar", sagte von Schimmelmann. Die Postbank will das Transaktionsgeschäft als weiteres Standbein aufbauen und wickelt bereits den Zahlungsverkehr für die zwei größten deutschen Banken, Deutsche Bank  und Dresdner Bank ab.

Händler reagierten zurückhaltend auf die Zwischenbilanz der Postbank. Die Zahlen hätten zwar den Erwartungen entsprochen, seien aber von unterschiedlicher Qualität, sagte ein Händler. Vor allem die geringer als erwarteten Zinserträge hätten enttäuscht. Der Ausblick für das Jahr 2006 sei bestätigt worden, die Prognose für das laufende Jahr aber weiter unkonkret. Die Aktie sei nach dem Kauf der BHW-Holding gut gelaufen, so dass das Kurspotenzial inzwischen erschöpft sein könnte.

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